Aus der abnehmenden Zahl deutscher Neuerscheinungen von Story-Sammlungen läßt sich ersehen, daß sich wohl nicht mehr viele SF-Leser für Kurzgeschichten interessieren. Es ist ja auch bequemer sich auf 500 oder mehr Seiten nur in eine neue Welt hineinzulesen, als diese Anstrengung sechzehnmal zu unternehmen. Für mich ist die Kurzgeschichte schon immer eine Krone der phantastischen Literatur gewesen und wenn der Heyne-Verlag eine neue Sammlung von Wolfgang Jeschke ankündigt, beginnt eine Zeit der gespannten Erwartung bis sie erscheint. "Auf der Straße nach Oodnadatta" ist ein wohlgewähltes Kompendium aktueller SF. Die titelgebende Story schrieb Alastair Reynolds, der mit seinem Debutroman "Unendlichkeit" so furios eingeschlagen hat. Aber Reynolds kann's auch kürzer, wie er hier beweist: Daß nicht mal der Tod umsonst ist, wissen wir heute schon, aber daß auch die Wiederauferstehung vom selbigen nicht kostenfrei zu haben sein wird, ist neu. George Zebrowski beleuchtet in "Die Tode künstlicher Intelligenzen" andere zelebrale Verwicklungen zwischen Menschen und Maschinen, was ihm sehr pointiert gelingt. Eine üble Perspektive gentechnischer Entgleisungen entwickelt Nancy Kress: "Und nichts davon wächst hier". Ian McDonald erzählt "Tendeléos Geschichte", eine fesselnde Novelle aus seinem Chaga-befallenen Erdenrund. Jeschke bringt in dieser Sammlung ganze sieben Stories deutscher Autoren unter, womit er den Stellenwert einheimischer Produktion ins rechte Licht rückt. Diese Phantasten können mit ihren anglophilen Kollegen locker mithalten. Besonders amüsiert habe ich mich über Christian Hoffmanns "Adam": Einerseits klingt die Idee vom Neanderthaler im Showbiz grotesk, andererseits wirken die Gäste der täglichen Talkshows von heute nicht immer unbedingt evolutionär weiterentwickelt. SF-Freunde, ihr wißt gar nicht, was ihr verpaßt, wenn ihr diese Sammlungen ignoriert. Hier gibt's sechzehn Einblicke in andere Welten und zusätzlich ein starkes Cover von Thomas Thiemeyer...for free!