Die Überschrift gibt etwas lapidar die Kernidee dieses Buches wieder. Krisen geschehen immer wieder, aus den verschiedensten Gründen und Richtungen, und sie erfordern manchmal eine grundsätzliche Neuausrichtung des Unternehmens, doch ein guter Manager verzweifelt nicht, sondern nutzt die Krise als Chance.
Intel-CEO Andrew Grove hat die Höhen und Tiefen der Computerindustrie durchgemacht und Intel zum führenden Prozessorhersteller der Welt ausgebaut. Die Krisen, induziert etwa durch den technologischen Wandel und/oder Wettbewerber, bezeichnet er als "strategic inflection points/ SIP" - strategische Wendepunkte. An diesen Stellen finden Paradigmenwechsel statt, an denen sich die Zukunft eines Unternehmens entscheidet. SIPs erfordern meist radikales Umdenken und Handeln, doch dann ergibt sich die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Während "normale" Manager Krisen fürchten, erwarten Top-Leute wie Grove sie geradezu - und so erklärt sich der Untertitel des Buches, denn mit ein wenig "Paranoia" im Hinterkopf ist man besser vorbereitet und erhöht seine Überlebenschancen.
Es folgen Tipps, was zu tun ist, und Grove unterlegt alles schön mit Beispielen aus den 80ern und 90ern, wie der Rechenfehler im Pentium-Prozessor 1994, oder Intels Niederlage im Markt für Speicherchips. Ich fand die Tipps zuweilen etwas banal und in die Länge gezogen, in Summe fänden sie wohl locker auf einer DIN A4-Seite Platz, aber vielleicht ist das so im Leben, dass die Lösungen oft nahe liegend und simpel sind - und gerade deshalb nicht angemessen beachtet werden. Erst wenn ein bekannter Name zum teuren Preis es schreibt, öffnen sich andere CEOs Weisheiten wie: "Hören Sie auf Kassandra-Rufe von Mitarbeitern", "Reden Sie mit Ihrem Vertrieb", "Lassen Sie ruhig einige Zeit das Chaos regieren", "Richten Sie sich neu aus", "Was würde ein neuer Manager auf Ihrer Position als erstes tun?", "Zeigen Sie Führungsstärke in der Krise" und so weiter. Es ist eigentlich nichts dabei, das man nicht schon X Mal gelesen hätte, und man kann es vielleicht kurz zusammenfassen mit "Kommen Sie raus aus dem Elfenbeinturm, haben Sie ein Ohr für Mitarbeiter und Kunden, öffnen Sie sich für unkonventionelle Lösungen, und gehen Sie konsequent Ihren neuen Weg, sobald Sie einen gefunden haben." Wie Grove schreibt, wurde manche schwere Vorstandsentscheidung allseits mit einem Gähnen aufgenommen - alle außer dem Vorstand hatten sie längst erwartet.
Vielleicht liegt die Stärke des Buches darin, dem Leser mit Zuversicht zu vermitteln, dass Wendepunkte kommen und es ganz normal ist, wenn es hin und wieder kräftig kracht. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch einen neuen Boom erfahren wird, sobald die Finanzkrise so richtig loslegt und CEOs im Chaos Hilfe suchen.