Nach den enthusiastischen Reaktionen und die Rekordeinahmen von "Goldfinger" und "Feuerball" wäre die Erwartung, dass Bond Nr. 5 "Man lebt nur zweimal" das Ganze nochmal übertreffen könnte, wohl unrealistisch. Die Tatsache, dass die Bond Persiflage "Casino Royale" kurz zuvor in den Kinos lief, sowie Sean Connerys zunehmende Belastung durch den Medienrummel um seine Person, schafften nicht gerade gute Voraussetzungen für den Filmstart.
Doch letztendlich haben sich die Mühen doch gelohnt. Regisseur Lewis Gilbert schuf mit seinem ersten Bond ein sehr spektakuläres Abenteuer, dass nicht nur von Action und Tempo geprägt ist sondern das beste aus den Schauplätzen in Japan herausholt. Kameramann Freddy Young sorgt für beeindruckend schöne Aufnahmen, welche in Kombination mit John Barrys orientalisch beeinflussten Klängen viel Atmosphäre schaffen. Dem Komponisten gelingt außerdem ein sehr schöner, philosophisch angehauchter Titelsong. Kultautor Roald Dahl liefert eine amüsante bis irrwitzige Story.
Für die technischen Highlights war auch hier Produktionsdesinger Ken Adam verantwortlich. Der Gyrocopter Little Nellie erlangte große Berühmtheit, ebenso wie Blofelds Hauptquartier: der Vulkankrater, dessen gigantischen Ausmaße noch heute tiefen Eindruck hinterlassen. Die Gewissheit, dass ein solches Set eigens für den Film konstruiert wurde, verleiht der Produktion eine weitere Dimension, welche die computergenerierten Sets und Kulissen heutiger Filme, seien sie noch so realistisch, naturgemäß nie erreichen können.
Eine interessante Schauspielerauswahl rundet die Sache ab: Obwohl Sean Connery in der überdimensionalen Ausstattung nicht seine übliche Leinwand- bzw. Bildschirmpräsenz erlangt und wohl innerlich bereits Abdstand von seiner Rolle genommen hat, ist er überzeugend genug. Die Behörden in Japan wollten die Erlaubnis für die Dreharbeiten nur dann genehmigen, wenn die weiblichen Hauptrollen von japanischen Schauspielerinnen besetzt werden. Somit spielt Akiko Wakabayashi die Rolle der Aki, einer cleveren, einfallsreichen und charmanten Agentin. Mie Hama spielt Agentin Nr. 2, Kissy Suzuki, nicht weniger charmant, jedoch ein wenig eindimesional. Donald Pleasence gibt eine gruselige Vorstellung als vom Wahnsinn gezeichneter Blofeld. Karin Dor als böse Deutsche Helga Brandt ist ebenfalls sehenswert; ihre Todesszene ist legendär.
Die DVD ist, wie bei 007 üblich, großzügig ausgestattet: Interessantes Hintergrund-Feature über die teilweise riskanten Dreharbeiten. Audio-Kommentar des Regisseurs u.a., Trailer sowie eine schöne Doku über Maurice Binders berühmte Titelsequenzen.
Absolut sehenswert.