Das vorliegende Buch ist eigentlich ein Mathe-Lehrbuch, dass sehr geschickt in eine kurzweilige, liebevoll erzählte Frage -und Antwortgeschichte eingebettet wurde.
Das Thema "die vierte Dimension" wird hier ernsthaft und präzise behandelt und sogar auf die Wahrnehmung der Raumdimensionen wird ausführlich genug eingegangen. Die Antwort jedoch auf die wichtigste Frage, ob nun die vierte Dimension tatsächlich existiert oder nicht, sucht man auch hier leider vergeblich. Es bleibt also weiterhin beim (lediglich) dreidimensionalen Vergnügen. Der Autor, ein Mathe-Lehrer mit hervorragenden didaktischen Fähigkeiten, der allerdings die psychologischen Aspekte der vierten Dimension sich nicht mal mit der Kneifzange anzufassen traut. Dies würde zwar den engen Rahmen dieses Quasi-Romans jedoch mit Sicherheit nicht den geistigen Horizont des Autors sprengen. Denn es gab auch einige leicht philosophisch angehauchte Stellen, die mir recht gut gefallen haben.
Was ich mit Bedauern vermisst habe, ist eine klare Aussage des "Vierlings", die so oder ähnlich lauten könnte:
"Ihr Dreilinge seid für uns Vierlinge nicht existente, imaginäre Wesen. Da unsere Welt vierdimensional ist, kann es in unserer Welt nur vierdimensionale Objekte bzw. Lebewesen geben und nur diese sind real. Genauso wie es in der dritten Dimension keine realen Linien oder Flächen oder zweidimensionale Wesen geben kann. Du Dreiling bist in Wirklichkeit ein Vierling, bist dessen aber nicht gewahr, weil deine Wahrnehmung auf die Drei, dir vertraute, Dimensionen beschränkt ist."
Statt dessen lässt der Autor sowohl Zweilinge wie Dreilinge als reale Existenzen nebeneinander gelten. Am Ende lässt der Vierling den Dreiling in seiner dreidimensionalen Illusion im Stich mit der fadenscheinigen Begründung: "Die Gefahr, dass du dich in deiner dreidimensionalen Welt nicht mehr wohl fühlst, ist zu groß. In Vergleich zum zweidimensionalen Flächenland ist sie ja ein wahres Paradies." (Na ja, das ist nicht grade literaturnobelpreisverdächtig).
Fazit:
Der Leser ist so frei über die Horizontweite des Autors hinaus zu gehen und sich eigene Gedanke zum Thema zu machen. Als Anregung dafür ist das Buch hervorragend geeignet.Trotz einiger Kritikpunkte bleibt am Ende der hohe Erkenntniswert.