Vorweg muss ich gleich mal eine Lanze für die Amazon-Warehouse Deals brechen. Ich habe den Onkyo TX-SR309 als Retouregerät im Zustand "gut" gekauft. Man muss schon sagen, die Prüfer von Amazon haben einen sehr kritischen Blick, denn weder optisch noch technisch konnte ich irgendwelche relevanten Mängel feststellen. Mehrfach habe ich diese Erfahrung bereits gemacht und das bei einem Preisvorteil von 20 Prozent gegenüber den Neugeräten. Fantastisch.
Nun aber zur eigentlichen Rezension. Ich hatte bisher zwei mal Sherwood und einmal Onkyo als Receiver im Einsatz. Alles nacheinander immer wieder dem Stand der Technik angepasst. Der letzte Receiver war sogar klangtechnisch eher ein Rückschritt gegenüber den älteren Modellen. Jetzt war es aber Zeit einen Receiver zu kaufen, der mit HDMI und den entsprechenden Tonformaten ausgestattet ist. Nach einer etwa zweiwöchigen Recherche schwankte ich letztendlich zwischen dem Denon 1312 und dem Onkyo TX-SR309. Der Preis gab schließlich den Ausschlag, denn der Onkyo war über 100 Euro günstiger bei etwa gleicher qualitativer Leistung laut den diversen Bewertungen.
Auspacken/Anschließen:
Der Reiceiver kam in der Originalverpackung. Alles war sicher verpackt und staubgeschützt, wie es sich gehört. Er ließ sich ohne Mühe (alleine) aus dem Karton entnehmen, was nicht immer so selbstverständlich ist. Auch die Einschweißfolie ließ sich leicht lösen, nichts blieb hängen oder kleben.
Die rückwärtigen Anschlüsse sind auch ohne in die Bedienungsanleitung zu schauen selbsterklärend. Ich habe mir vor Ankunft des Receivers alle Kabel zurechtgelegt und dann einfach alles verbunden. Alles funktionierte auf Anhieb. Zwei kleinere Schwachpunkte sind jedoch auszumachen. Zum ersten finde ich, dass die HDMI-Anschlüsse einen zu geringen Druck auf die hineingesteckten Kabel ausüben. Als ich den Receiver aus dem Regal zog, lösten sich zwei Stecker relativ schnell. Ist aber natürlich nichts wirklich negatives. Zweitens - und das ist schon etwas bedeutender - passen 2,5mm Lautsprecherkabel kaum in die Klemmanschlüsse. Mit viel Würgen und Geduld hab ich es schließlich halbwegs befriedigend hinbekommen. Zu empfehlen sind aber maximal 2mm Kabeldurchmesser.
Design:
Ein Hauptgrund für den Kauf waren die kompakten Maße des Receivers. Man merkt den Designern von TV-Möbeln an, dass sie zwar in ihrem Beruf voll aufgehen, aber selbst wohl lieber Vasen und Körbchen in ihre Kreationen stecken als ordentliche Technik. Der kleine Onkyo passt jedenfalls geradeso in meine TV-Bank (noch genügend Raum für Luft). Die größeren Brüder hätten da wohl platztechnisch keine Chance.
Die Verarbeitung des Onkyo ist sehr ordentlich. Klebestellen, Spaltmaße, Verschraubungen, Knöpfe, Regler etc. sind alle sauber verarbeitet und eingepasst. Das Aussehen der Front ist männlich funktional bis edel. Meine Freundin juchzt zwar ziemlich rum (nichts rundes oder gesichtiges), aber ich finds angesichts des Preises ziemlich schick. Sieht für Männer auf jeden Fall hochwertig aus, Frauen würden es eher als nüchtern bezeichnen.
Klang:
Kommen wir zur Hauptaufgabe des Receivers. Dabei kann ich die Katze gleich aus dem Sack lassen, das Ding klingt nicht nur besser als jeder meiner bisherigen Receiver, vielmehr klingt er bereits in den unveränderten Grundeinstellungen äußerst gut. Auszumachen ist dies vor allem im Trennverhalten der einzelnen Kanäle, alle werden einzeln in bester Qualität angesteuert. Schon das Anfangsjingle (zur Erinnerung Orchester) der Simpsons klang völlig anders als zuvor, die Instrumente waren sauber voneinander zu unterscheiden, der Bass der Bläser wurden sehr gut unterstützt. Das Probehören setzte ich natürlich mit mehreren Sendungen, Dokus, Serien, Filmen und Musiksendern fort, halt allem was die stumpfsinnige Fernsehwelt so hergibt. Zusammenfassend lässt sich auf den Punkt bringen, dass der Receiver frei, warm und dynamisch klingt. Von digitalem Sound, der zugeschnürt und blechern klingt, kann nichtmal ansatzweise die Rede. In dieser Preisklasse war dies bis vor zwei Jahren üblich.Zuweilen kann die ausgezeichnete Klarheit auch nervend werden, da man jetzt jedesmal dieses Schmatzen und Schlucken bei den Nachrichtensprechern ins feinste wahrnimmt. Man möchte Ihnen den Speichel absaugen.
Auch der Bass weiß selbst ohne aktiven Subwoofer zu überzeugen. Tief und breit wird er bereits über die Frontlautsprecher wiedergegeben. Liegt aber auch immer an den Boxen. Ich habe Standlautsprecher dranhängen. Wenn ich den Bass über den Receiver aufs Maximum hochregel, klingt das schon stark danach als würden sich die Nachbarn bald beschweren.
Den HD-Sound der Blu-Rays habe ich mit "Die Verurteilten" getestet. Den hatte ich erst vor 3 Wochen mit meinem alten Receiver gesehen, konnte somit nun sehr gut vergleichen. Auch hier besätigte sich die Dynamik und ausgezeichnete Tontrennung. Ein Geräuschfestival überkam mein Wohnzimmer, da merkt man einfach einen Wahnsinnsunterschied. Es kamen Töne aus Ecken, die vor 3 Wochen völlig im Verborgenen blieben. Zum einen lag das am Unterschied von DTS und DTS HD, zum anderen ist dies der Qualität der neuen Receivergeneration zu verdanken. Mittlerweile wird in den Einsteigerreceivern Technik verbaut, die vor 2-3 Jahren in den Spitzeklassemodellen ihren Einsatz fand. In diesem Fall kann man sich beim Fortschritt nur bedanken, denn so bekommt man für günstiges Geld erstklassigen Sound. Also vielen Dank lieber Fortschritt.
Anmerkungen:
Onkyotypisch macht der Receiver leise Klackgeräusche beim Umschalten zwischen verschiedenen Modi und Funktionen. Das stört zumindest mich nicht und findet sehr diskret statt. Die Fernbedienung hatte nach einem Blick in die Bedienungsanleitung gerufen, da sie im ersten Moment nicht gerade intuitiv erscheint. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist dies allerdings kein Problem mehr. Das HDMI-CEC zwischen Fernseher und Receiver funktioniert sehr gut, d.h. schalte ich den Receiver ein, geht der Fernsehton automatisch aus. Des Weiteren kann ich die Lautstärke des Receivers über die Fernbedienung des Fernsehers regeln, also benötige ich fast nur eine Fernbedienung
Fazit:
Der Receiver überzeugt in jeglicher Hinsicht. Verarbeitung, Bedienkonzept, Design und vor allem Klang sind harmonisch und für den normalen Heimanwender völlig ausreichend. Natürlich fehlen einige Funktionen und natürlich wird es in (teils realitätsfernen) Tests schwächen geben. Man muss aber auch den Preis sehen und sich fragen, ob doppelt so teure Geräte auch doppelt so gut sind. Ich kann mir jedoch ein Unterschied von höchstens 5-10 Prozent vorstellen. Audiophile und Cinesiasten werden sicherlich kleinere Schwachstellen finden, jedoch verbringe ich mein Leben nicht damit das Haar in der Suppe zu finden. Ich will lediglich eine gute Suppe, und die schmeckt im Falle des Onkyos selbst mit einem dünnen, kleinen Haar drin fantastisch.