Meine Fresse, was ist hier alles los! Vier Frauen kommen um, alle gleich schön, alle gleich jung, alle gleich bestialisch geschändet.
Diese Krimi-Handlung ist das Schwächste an diesem Roman, sie spielt Ende 1945 in der amerikanischen Besatzungszone rund um den namensgebenden Berliner U-Bahnhof. Sie ist aber lediglich der Rahmen, der es dem Autor ermöglicht, auf fünfhundert Seiten fünf Frauenschicksale zu kolportieren - von den zwanziger Jahren über die Nazizeit bis in die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit.
Diese Frauenportraits lesen sich spannend, ja süffig. Man hält sich da nie lange bei Problemen auf, sondern stürzt besinnungslos nach vorn.
Da wird aus dem melkenden Landei innerhalb von anderthalb Seiten eine schöne Schauspielschülerin, die mit einem UfA-Star schläft, da wird aus einer Weddinger Prolo-Prostituierten, die mit einem KZ-Kommandanten verheiratet ist, innerhalb von zwei Seiten eine Résistance-Kämpferin des inneren Zirkels, die mal eben nebenbei den Gestapo-Chef von Paris erschießt - der natürlich zu allem Überfluss ihr ehemaliger Zuhälter ist. Und so weiter.
Aber gerade weil die Geschichten so unglaubwürdig sind, sind sie so gut lesbar, weil gut erfunden. Der Lokal- und Zeitkolorit sitzt ja meist - wenn auch viele Details einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Hier hat das Lektorat versagt: Nach Dallgow-Döberitz fuhr noch nie eine S-Bahn, die "Riemeister Straße" hieß schon immer "Riemeisterstraße", die "Gußbetonbauten" einer "Immobilienfirma" rund um den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte sind in Wahrheit Mauerwerksbauten einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. Der "Architekt Doehring" der Ladenstraße am U-Bahnhof hieß tatsächlich Salvisberg (der zentrale Architekt dieser berühmten 20er-Jahre-Siedlung, Bruno Taut, wird dafür nirgends erwähnt); und von der Heerstraße stadtauswärts biegt man mit dem Auto nach nicht nach links zur Havelchaussee ab, sondern nach rechts - um dann nach links unter der Stößenseebrücke hindurch zu fahren.
Die falschen Details kann man noch schlucken - was aber wirklich nervt, sind die penetrant eingestreuten Sexszenen. So ist es vollkommen unglaubwürdig, dass in der Nazizeit nahezu alle jungen Frauen regelmäßigen vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr gehabt haben sollen. Die Zeiten waren wesentlich prüder, als der alterserregte Autor sich das heute zurechtlegt. Natürlich ist das eine oder andere ganz hübsch erfunden, in der Ballung ist es aber eher ärgerlich.
Fazit: Ich habe es gern gelesen, aber das Buch wandert sicher nicht auf Dauer in meinen Bücherschrank, sondern geht gleich weiter zum Online-Auktionshaus ;-)