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Der kleine Junge ist einer der faszinierenden Charaktere in Pierre Freis Onkel Toms Hütte, Berlin, jener Station im Grunewald, die nach dem dortigen Ausflugslokal benannt worden war. Der Wirt wiederum hatte seiner Gaststätte den Namen von Harriet Beecher-Stowes Rührstück Onkel Toms Hütte gegeben. Statt Rührseeligkeit setzt Frei, der in dem Titel gebenden Berliner Viertel aufwuchs, lieber auf packende Millieuschilderung und eine Krimihandlung rund um zwei ermordete Frauen, die bis zum Ende überzeugt.
Noch nie in seiner beruflichen Karriere sei ihm ein unaufgefordert eingesandtes Manuskript auf den Schreibtisch geflattert, dass ihn von Anfang bis Ende derart gefesselt habe wie Onkel Toms Hütte, Berlin, ließ Verleger Karl H. Blessing im Umfeld von Freis Publikation verlauten, und was zunächst wie ein billiger Reklame-Ausspruch wirken mag, kann man nach Lektüre des Buches gut verstehen. Denn Frei ist tatsächlich gelungen, Jahrzehnte nach dem Krieg einen so eindrucksvollen Nachkriegsroman geschrieben zu haben, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dieses Buch habe uns wirklich noch gefehlt. --Stefan Kellerer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Elende Kolportage, aber irgendwie doch schön!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Onkel Toms Hütte, Berlin (Taschenbuch)
Meine Fresse, was ist hier alles los! Vier Frauen kommen um, alle gleich schön, alle gleich jung, alle gleich bestialisch geschändet. Diese Krimi-Handlung ist das Schwächste an diesem Roman, sie spielt Ende 1945 in der amerikanischen Besatzungszone rund um den namensgebenden Berliner U-Bahnhof. Sie ist aber lediglich der Rahmen, der es dem Autor ermöglicht, auf fünfhundert Seiten fünf Frauenschicksale zu kolportieren - von den zwanziger Jahren über die Nazizeit bis in die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit. Diese Frauenportraits lesen sich spannend, ja süffig. Man hält sich da nie lange bei Problemen auf, sondern stürzt besinnungslos nach vorn. Da wird aus dem melkenden Landei innerhalb von anderthalb Seiten eine schöne Schauspielschülerin, die mit einem UfA-Star schläft, da wird aus einer Weddinger Prolo-Prostituierten, die mit einem KZ-Kommandanten verheiratet ist, innerhalb von zwei Seiten eine Résistance-Kämpferin des inneren Zirkels, die mal eben nebenbei den Gestapo-Chef von Paris erschießt - der natürlich zu allem Überfluss ihr ehemaliger Zuhälter ist. Und so weiter. Aber gerade weil die Geschichten so unglaubwürdig sind, sind sie so gut lesbar, weil gut erfunden. Der Lokal- und Zeitkolorit sitzt ja meist - wenn auch viele Details einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Hier hat das Lektorat versagt: Nach Dallgow-Döberitz fuhr noch nie eine S-Bahn, die "Riemeister Straße" hieß schon immer "Riemeisterstraße", die "Gußbetonbauten" einer "Immobilienfirma" rund um den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte sind in Wahrheit Mauerwerksbauten einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. Der "Architekt Doehring" der Ladenstraße am U-Bahnhof hieß tatsächlich Salvisberg (der zentrale Architekt dieser berühmten 20er-Jahre-Siedlung, Bruno Taut, wird dafür nirgends erwähnt); und von der Heerstraße stadtauswärts biegt man mit dem Auto nach nicht nach links zur Havelchaussee ab, sondern nach rechts - um dann nach links unter der Stößenseebrücke hindurch zu fahren. Die falschen Details kann man noch schlucken - was aber wirklich nervt, sind die penetrant eingestreuten Sexszenen. So ist es vollkommen unglaubwürdig, dass in der Nazizeit nahezu alle jungen Frauen regelmäßigen vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr gehabt haben sollen. Die Zeiten waren wesentlich prüder, als der alterserregte Autor sich das heute zurechtlegt. Natürlich ist das eine oder andere ganz hübsch erfunden, in der Ballung ist es aber eher ärgerlich. Fazit: Ich habe es gern gelesen, aber das Buch wandert sicher nicht auf Dauer in meinen Bücherschrank, sondern geht gleich weiter zum Online-Auktionshaus ;-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zeitgeschichtlicher Thriller - spannende Zeitgeschichte,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Onkel Toms Hütte, Berlin (Taschenbuch)
Berlin, 1945: Eine blonde Frauenleiche wird auf den Bahngleisen gefunden, erdrosselt mit einem Hundehalsband und gequält. Inspektor Dietrich und die amerikanische Besatzungsmacht versuchen, den Fall zu lösen bzw. sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, da passiert der nächste Mord, auch diesmal wieder eine Frau, auch blond, auch bei den Amerikanern angestellt. Als es weitere Opfer gibt, ist schnelles Handeln angesagt. Zwischen den Krimikapiteln eingestreut sind Lebensbeschreibungen der Opfer bis zu deren Tod. Aufmerksame Lektüre ist angesagt, denn die Personen treffen immer wieder in unterschiedlichen Situationen aufeinander. Gut beschrieben auch die Lebensbedingungen im kriegszerstörten und besetzten Berlin, manche Schilderungen sind auch sehr amüsant zu lesen (z.B. das Interview mit einem 'echten Nazi', das der Junge Ben einem Amerikaner vermittelt). Leider werden auch manche Klischees gepflegt. Ob nun zur damaligen Zeit eine U-Bahn von A nach B fuhr oder nicht, kann ich nicht überprüfen. Ich habe dieses Buch als Roman gelesen, also als Fiktion, nicht als Fachbuch. Fazit: Ein zeitgeschichtlicher Thriller, hat mir gut gefallen!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Pralles Sittengemälde der 30er bis 50er Jahre,
Von Morizz "Mo" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Onkel Toms Hütte, Berlin: Roman (Taschenbuch)
Auch ich war (nach Lektüre des Klappentextes) auf einen Thriller eingestellt, was das Buch definitiv nicht ist. Klar, es geht auch um grausame Morde an Frauen, die Krimihandlung zieht sich als roter Faden durch das Buch und es gibt einen ermittelnden Kommissar - doch das ist nur der Rahmen für ein pralles Sittengemälde der Nazi- und Nachkriegszeit. Frei schildert die Lebensläufe und Schicksale der Hauptdarstellerinnen (die fast alle Opfer des Mörders werden) lebensnah, packend und süffig lesbar. Quasi im Vorbeigehen bekommt man dabei einen guten Einblick in die Lebensumstände unserer Großeltern. Auf jeden Fall empfehlenswert!
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