In diesem Plädoyer für die Abschaffung der Sklaverei - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches wurde diese in den Südstaaten der USA noch praktiziert - geht es hauptsächlich um den etwas älteren, sehr kräftig gebauten Sklaven Tom, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf einer Farm in Kentucky lebt, die dort ebenfalls als Sklaven arbeiten. Der herzensgute, naive und sehr gläubige Tom lebt dort eigentlich recht idyllisch und ist seinem "Master" und dessen Famillie auch sehr zugetan, denn sie behandeln ihre Sklaven den Umständen entsprechend gut. Diese Idylle wird allerdings zerstört, als der Farmbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten gerät und seinen besten Sklaven Tom und den kleinen Harry, Sohn der Sklavin Eliza, an einen Sklavenhändler verkaufen muss.
An diesem Punkt verläuft die Geschichte in 2 unterschiedliche Richtungen: Eliza will den Verlust ihres Sohnes nicht ohne weiteres hinnehmen und flüchtet mit dem Vater des Kindes, einem schwer misshandelten anderen Sklaven aus der Nachbarschaft, in der sehr vagen Hoffnung, Kanada zu erreichen, wo die Sklaverei nicht existiert und wo sie in Freiheit leben können - gejagt von "Sklavenjägern", Sklavenhändlern und der Polizei. Doch sie treffen auf einige selsbstlose weisse Helfer, die ihnen letztendlich auch die Flucht ermöglichen.
Tom dagegen fügt sich seinem Schicksal des Verkaufs an einen Menschenhändler und landet zunächst bei einer weiteren sehr idyllischen Behausung, wo er fast gleichgestellt behandelt wird und eine sehr freundschaftliche Beziehung zu der kleinen Tochter des Hauses und auch zum "Master" hat. Diese beiden liebenswerten Personen haben sich auch bald dem Kampf gegen die Sklaverei verschrieben, doch beide sterben plötzlich, wobei besonders der Tod des kleinen Mädchens sehr tragisch ist, die im Sterbebett liegend ihren letzten Wunsch äußert, der da lautet, ihr Vater möchte doch gegen die Sklaverei kämpfen. Doch auch der stirbt leider nur wenig später. Somit wird Tom, dem der neue "Master" die baldige Freiheit versprochen hatte und sie ihm auch gegeben hätte, von der hartherzigen Dame des Hauses an einen Sklavenhändler verkauft.
Hier nun verändert sich die Situation von Onkel Tom und somit auch für den Leser völlig, denn der gute alte Tom gerät an einen äußerst bösen und gewissenlosen Plantagenbesitzer, der die "Nigger" noch unter den Tieren ansiedelt. Vorher hatte der Leser nur am Rande von der Grausamkeit der Sklaverei erfahren - durch Berichte von anderen Sklaven oder Gespräche in Gasthöfen, denn der Protagonist Onkel Tom lebte ja den Umständen entsprechend noch recht gut - abgesehen davon, dass er von seiner Famillie getrennt wurde, hier nun wird einem die gesamte Unmenschlichkeit vor Augen geführt: Die Schwarzen müssen schrecklich harte Arbeit auf den Plantagen verrichten und bekommen kaum etwas zu essen, wer aufgrund völliger Erschöpfung nicht spurt, wird fast zu Tode geprügelt, ebenfalls von Sklaven, die dadurch geringe Vergünstigungen geniessen. Der neue "Master" will auch Tom zu einem dieser "Aufseher" machen, doch der weigert sich, die anderen auszupeitschen und sieht sich unter völliger Selbstaufgabe und dem unerschüttlichen Glauben an Gott nur noch dazu berufen, den anderen Sklaven ihr grausames Leben etwas angenehmer zu gestalten. Dafür wird er letztendlich von den anderen farbigen Aufsehern auf Geheiß des Plantagenbesitzers totgeprügelt und selbst im Sterben liegend spricht er zu seinen Peinigern: "Ich vergebe euch von ganzer Seele." Doch sein Tod soll nicht umsonst sein......
Harriet Beecher-Stowe ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch gelungen, dass eine entscheidende historische Entwicklungsphase der USA in einer gut nachvollziehbaren und vor allem nachfühlbaren Weise darstellt. Das schwere Leben - wenn man es überhaupt noch so zu nennen vermag - der Sklaven wird durch die Schilderung der einzelnen Schicksale in diesem Werk in sehr eindringlicher Form dem Leser beschrieben. Onkel Tom wird hierbei sogar sozusagen zu einem Märtyrer, der für seine Mitmenschen und für den Glauben stirbt- eine unverkennbare Beziehung zu Jesus wird hier deutlich. Gut gefallen hat mir auch, dass es bei der Beschreibung der Sklavenhalter grosse Abstufungen gibt; es existieren hier keine Schwarz/ Weiss Bilder, nicht nur Gut und Böse. Es gibt ebenso sympathische Weisse, die Sklaven besitzen, weil sie sie wie Freunde behandeln und auch in die Freiheit erlassen, wie es auch schlechte Schwarze gibt. Es wird hier keine scharfe Trennlinie gezogen. Allerdings steht dabei die Grausamkeit der Sklaverei natürlich außer Frage. Doch Beecher-Stowe wertet nicht unnachgiebig, sondern sie beschreibt größtenteils nur und lässt so dem Leser Platz für seine eigene Interpretation der dargestellten Geschehnisse, die bei einem normalen Menschen mehrmaliges, ungläubiges Kopfschütteln über die Situation der Sklaven auslösen sollte.