Sarrazin und Erdogan haben mehr gemeinsam, als ihnen selbst lieb sein kann. Für sie sind Migranten politische Manövriermasse, mit der man sich politisch profilieren kann. Jürgen Bertram geht den umgekehrten Weg. Mit großer Neugier und Offenheit interessiert er sich für das individuelle Leben dieser Leute, ihre Hoffnungen, Enttäuschungen, ihre Hartnäckigkeit und Lernbereitschaft aber auch für die Barrieren, die sie nach wie vor von ihrem Gastland trennen. Ein scheinbar simpler aber deshalb auch genialer Gedanke, sich mal ganz konkret mit dem Schicksal jener Migranten zu befassen, die quasi vor der eigenen Haustür in der gleichen Straße wohnen. Herausgekommen ist ein wunderbares Buch, das aufzeigt, wie widersprüchlich und verschlungen das Alltägliche ist. Ein Buch, das informiert und anrührt. Bertram will nicht belehren, ihm geht es weder um Verteufelung noch Verklärung, sondern um Aufklärung. Indem er den Blick auf den einzelnen Menschen und seine Familien lenkt, entlarvt er die Taschenspieltricks der Populisten unterschiedlichster Couleur, die so behände mit Zahlen jonglieren, um ihre gruden Thesen zu garnieren.