Nach Jahren des Wartens und gleich zwei verschiedenen Veröffentlichungen der EP "Concealing Fate" haben die britischen Progressive Metaler Tesseract es nun endlich geschafft, ihr Debutalbum "One" zu veröffentlichen.
Sängerwechsel, Labelsuche und Verschiebungen hatten dies zu einer mehr als schweren Geburt gemacht.
Was nun allerdings vor uns liegt, hat als Album noch immer diverse Potentiale, Naserümpfen hervorzurufen, unabhängig von seiner eigentlichen Qualität. Denn der Kern des Albums besteht aus dem in sechs Kapitel eingeteilten und über all die Jahre hinweg optimierten und gepflegten Songzyklus "Concealing Fate", der vor kurzer Zeit bereits als EP veröffentlicht wurde. Dieser Uyklus wird flankiert von lediglich 5 Liedern, die bislang noch nicht veröffentlicht worden waren (zumindest nicht mit neuem Lineup).
Nun ist es freilich eine legitime Frage, ob dieser Aufbau den Fluss des Albums beeinträchtigt oder ob diese Tatsache untergeht.
Von einem harten Kontrast zwischen dem Material kann man jedenfalls nicht reden. Die Entstehungszeit sämtlicher Songs auf "One" ist recht ähnlich, so dass sie alle von einer recht homogenen Atmosphäre getragen werden.
Seit dem Eintritt des neuen Sängers Dan Tompkins hat sich die band noch um einiges konsequenter in Richtung Ambient entwickelt, als das noch zuvor der Fall war. Zwar weist allein schon der simplistische Albumtitel dezent darauf hin, dass das Rhythmusriffing massiv von den schwedischen Mathematik Thrashern Meshuggah beeinflusst ist (Referenz an deren verehrungswürdige EP "I"), abseits der vertrackten Grooves jedoch breiten sich hauchfeine Melodien, elektronische Ambientflächen und Tompkins klarer, Hall-lastiger Gesang aus, die nur selten von heftigeren Passagen gebrochen werden und wenn, dann nur kurz.
Selbst die vertrackten tonnenschweren Grooves ordnen sich letzten Endes unter und verschreiben sich ganz ihrer meist im Midtempo verweilenden hypnotischen Wirkung.
Auf diese Weise ergibt sich eine ganz eigene, brodelnde und doch schwebende Atmosphäre, die unterschwellig düster aber auch irgendwie erhebend ist. Fast ein wenig meditativ, was vor allem durch die ausgedehnten dramatischen Gesangslinien betont wird.
Obschon diese mit diversen Hooks aufwarten, die sich nach einiger Zeit tief ins Gedächtnis schmeicheln, ist das Material gerade durch das unterschwellig brodelnde extrem technische Riffing und die durchgehend hypnotisch-meditative Stimmung auch in nicht zu unterschätzendem Maße sperrig.
Auf den ersten Blick erschließt sich hier das wenigste.
Dafür sorgt auch die zwar klare und transparente aber auch sehr auf Ambient und Homogenität getrimmte Produktion.
Nicht nur zu diversen Durchgängen muss der Hörer somit bereit sein, er muss auch dazu bereit sein, sich gänzlich in das Material versinken zu lassen, um die eindringliche hypnotische Wirkung von "One" ermessen zu können.
Aber gerade hier entsteht ein winziges Problem. Trotz aller Homogenität sticht der "Concealing Fate"-Zyklus in der Mitte des Albums hervor. Während sich alle sechs Kapitel gemeinsame Themen und Melodiebögen teilen, einen Spannungsaufbau, ist das bei den übrigen 5 Songs nicht der Fall.
Während "Lament" auch zu "Concealing Fate" gehören könnte, präsentiert sich "Nascent" deutlich düsterer wogegen z.B. "Sunrise" deutlich mehr rifflastigen Nachdruck aufbietet als der gesamte Rest des Albums.
Dadurch ist die versunkene hypnotische Wirkung des homogenen Mittelteils deutlich größer, als diejenige des weniger homogenen Rests.
So entsteht, wenn auch kein harter, doch ein Kontrast zwischen dem Mittelteil und den Flanken des Albums, der umso größer wird, je besser man "Concealing Fate" bereits kennt.
Dieser Umstand kann den Fluss des Albums durchaus stören und kann es für den Hörer durchaus schwer machen, das Album am Stück zu hören, da der Mittelteil, gerade da man ihn schon länger kennt, ein wenig zäh erscheinen kann.
Dies macht das Album nicht grundsätzlich schlechter, aber noch einmal einen großen Batzen stimmungsabhängiger, als es mit seiner starken Ambient-Ausrichtung ohnehin schon ist.
Ist man nicht bereit, sich gänzlich in die Tiefen des audiellen Ozeans, den die Band hier so meisterlich aufspannt, sinken zu lassen, so erscheint das Material schnell monoton und anstrengend.
Somit ist "One" zwar mehr, als "Concealing Fate + 5", bewegt sich durch das etwas problematische Sequencing jedoch auch an der Schwelle zum Zerfall in diese Mischung, was das Album zäher und sperriger wirken lässt, als es vielleicht hätte sein müssen.
Dennoch, wer genannte Bereitschaft mitbringt oder wem sogar "Concealing Fate" nicht bekannt ist, da er bislang nichts von dieser Band gehört hat, der bekommt mit "One" einen unglaublich atmosphärisch dichten und technisch anspruchsvollen Brocken, der einen so schnell nicht mehr loslässt.