Der Standard, 28.6.2008
„Der Frage, wie es sein kann, dass in Italien von 1994 bis 2006 ein Ministerpräsident regierte, der wegen Meineides rechtskräftig verurteilt wurde, dem die Staatsanwaltschaft Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung vorwarf, geht das Buch "One Man Show" auf Basis präziser Recherchen über Silvio Berlusconis Werdegang, sein internationales Firmengeflecht und Medienimperium nach. [...]Das Bild eines Mannes entsteht, der sich für den größten Politiker, Wirtschaftsmagnaten, Sänger, Entertainer, Schauspieler, Charmeur und Liebhaber hält. Niemand in Italien besaß je mehr Meinungshoheit. Wie kann es sein, dass der am längsten amtierende Ministerpräsident Italiens, der, nicht zuletzt wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs 2006 abgewählt, im Jahr 2008 vom italienischen Volk wieder gewählt wurde? Rationale Antwort darauf liefert das Buch nicht, illustriert aber einprägsam die Komponenten medien- sowie gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Aspekte.“
Kurzbeschreibung
Zeitungen, Buchverlage, das Fernsehen - in Italien hören sie fast alle auf einen Mann: Silvio Berlusconi. Mit dieser geballten Medienmacht im Rücken schwang der vielfache Milliardär sich 1994 und 2001 auf den Stuhl des italienischen Ministerpräsidenten. Auch das Staatsfernsehen RAI brachte er damit unter Kontrolle. Niemand in der Nachkriegszeit besaß mehr Meinungshoheit als Berlusconi. Und Niemand setzte sie konsequenter zur Selbstdarstellung ein. Trotzdem verweigerte ihm das Volk 2006 die Wiederwahl. Der Fernseh-Journalist Dirk Feustel beschreibt eingehend, wie es zu dem System Berlusconi kommen konnte. Neben einer ausführlichen Biographie Berlusconis stützt er sich dazu vor allem auf eine Strukturgeschichte der italienischen Medien. In diesem Rahmen wird deutlich, wie Berlusconi sich durch mediale Inszenierung ein markantes Profil verlieh. Der geschickte Einsatz der Medienmacht pervertierte allerdings zunehmend in quasi-totalitären Strukturen. Gerade diese Auswüchse förderten schließlich den Widerstand. Das Buch geht schließlich der Frage nach, welche Erkenntnisse sich aus dem Fall Berlusconi für die Kommunikationsforschung ziehen lassen.