Für künstlerische Belange in Sachen Hardcore liegt die Quelle wohl in Amerika. Auch mit Texas In July und ihrem inzwischen zweiten Output "One Reality" fetzt ein weiterer hochklassiger Akt die Gehörmembranen aller Breakdown-Fans in die Euphorie. Tatsächlich zeigen die Pennsylvanier sich aber auch von einer sehr melancholischen und harmonischen Seite die ihren gekonnten Charme sprüht. So erinnert mich dieses Album phasenweise an die härteren Facetten des aktuellen Longplayers "Isolation Songs" von Ghost Brigade. Die Atmosphäre der Tracklist auf "One Reality" definiert sich ansatzweise schon sehr nah an dem Tun vieler skandinavischer Gruppen wie z.B. Insomnium oder dem vorhin genannten Ghost Brigade.
Und nicht nur mitreißende Melodien und fette Riffs können das Album sehen lassen. Technisch sehr versiert und gezielt mit Akzenten gearbeitet hören sich Texas In July heutzutage sehr mitreißend und groovig an. Auch das Arrangement der Lieder wurde garantiert nicht unbedacht geschrieben. Toll!
Wie schon auf dem Debüt "I Am" startet das Quintett auch in die zweite Runde mit einem Intro welches ganz klassisch mit "Introduction" betitelt wurde. Schnell macht sich bemerkbar, dass Drummer Adam Gray seinen Teil tut um die Musik zu verfeinern. Und dieser leitet auch unverzüglich mit einem hörbar gekonnten Breakdown zu "Magnolia" über. Eine selbstbewusste Abrissbirne, die dennoch auf dem Boden der Tatsachen bleibt und nicht mit permanentem Gebolze irgendwelche Nerven strapaziert. Fesselnde Soundqualität, ein standhaft aggressiver Alex Good am Mikro, breite Atmosphäre und ein Songwriting, welches so schnell keine Langeweile einstellt, lassen den Hörer befriedigt zurück. Nach selbigem Erfolgskonzept setzt sich das Album dann fort, was eventuell auf Dauer ein kleiner Fehler war, da man sich so schwer tut im Ohr zu behalten was der Fünfer hier erschaffen hat. Ausnahme dürfte hier wohl noch das instrumentale Interlude "May" sein, welches eine angenehm tönende Akustikgitarre mit einbezieht.
Manches Detail ist hier praktisch etwas verurteilt unterzugehen, da die Songs wie bereits beschrieben wohl beim Kreieren mit leicht verwechselbarer Herangehensweise geschrieben wurden. Dies drängt das Album von der Perfektion ab, stellt aber lediglich das Werk als gesamtes als übertrieben Komplex dar. Springt der Finger dann wieder zur Playtaste und lässt frisch gebackene Hardcoreperlen wie "Pretender", den Titeltrack "One Reality" oder meinen persönlichen Favoriten "No Greater Love" (traumhafte Melodie) abspielen so ist das ganz schnell vergessen. Was hier im Einzelnen geboten wird dürfte wohl für meine Ansichten ein Hindernis oder mindestens die Messlatte für die folgenden Rundlinge sein. In der European-Version dieser Langrille (also der hier rezensierten Version) liegt noch der Bonustrack "Uncivilized" vor, welcher sich ebenso lohnt und überraschend schnell nicht mehr aus den Gehörgängen zu kriegen ist.
Begeisterte Hörer von Bands wie August Burns Red, Heaven Shall Burn, 36 Crazyfists aber auch nördlicherer Gruppen wie erwähnten Ghost Brigade, Insomnium und Konsorten werden hier ihre Freude haben. Texas In July machen hier alles fachmännisch zu Kleinholz, gekonnt wie nicht viele Akts und besonders auch von der sphärischen Seite her sehr meisterlich. Die Jungs wissen was sie tun.