INTRO
Monat für Monat wurde die Veröffentlichung ihres sechsten Albums verschoben, immer wieder gab es neue Gerüchte um die vage Zukunft der Ikone des 'alternativen' Funk-Rock, und nun ist es mit beinahe überraschend wenig Aufsehen erschienen und geradezu selbstverständlich zum Verkaufsschlager dieser Wochen geworden. Trotz andersartiger Verlautbarungen ist 'One Hot Minute' allerdings ein sehr typisches CHILI PEPPERS-Album geworden und stellt eine Art logische Fortsetzung des Millionsellers 'Blood, Sugar, Sex, Magic' dar. Nach dem ersten Hören könnte man sogar meinen, es handle sich um vor drei Jahren eingespieltes Material, das erst jetzt den Weg zur Veröffentlichung gefunden hat. Von den reichhaltigen Entwicklungen der letzten Jahre, die sich gerade aus den von ihnen maßgeblich beeinflußten Crossover-Fahrwassern entwickelten, scheinen sich die Herren Kiedis, 'Bassgod', Navarro und Smith nämlich überhaupt nicht tangieren, geschweige denn inspirieren zu lassen. Aber wozu auch, wenn's mit einer Fortsetzung des Altbewährten doch auch schon langt?Anthonys stimmlichen Möglichkeiten und seine geradezu erhabene Fähigkeit, damit kokettierend zu jonglieren, Fleas erstklassige Saitenbeherrschung und seine bestimmend funkige Tiefton-Rhythmik sowie Chads gezielter, aber nie aufdringlicher Schlagwerkeinsatz erfüllen noch immer höchste Ansprüche; die Songs grooven, rocken und funktionieren einfach mit einer immer wieder erstaunlichen Leichtigkeit. Was den neuen Gitarrero Dave (Ex-JANES ADDICTION) Navarro angeht, so wurde er ähnlich wie beim FAITH NO MORE-Wechsel mit einer Sache, nämlich dem präzisen Gitarrenspiel, vertraut gemacht, sehr viel Eigenart oder gar neue Akzente bringt allerdings auch er nicht in die leicht zugänglichen Songs. Mit zart fließenden Balladen wie 'My Friends' oder 'Tearjerker' gibt es erneut massentaugliche Ohrwürmer im Stile von 'Over The Bridge', und vor meinem inneren Auge sehe ich beim Hören schon die Videoclips auf MTVIVA in 'Heavy Rotation' flimmern. Der 'Coffee Shop' hingegen steht für die ober-funkige Adrenalinnummer, gefolgt von süßestem Sarkasmus in 'Pea': 'Fuck you asshole, you homophobic redneck dick. You're big and tough and macho, you can kick my ass - so fucking what?' singt Anthony erhaben über die cool gezupften Saiten. Bleiben eine Reihe typischer (aber z. T. störend ausgeblendeter) RHCP-Groove-Arrangements wie das irgendwie nicht zünden wollende 'One Big Mob' oder das lockere 'Walkabout', die hymnische Rock-Nummer 'Shallow Be Thy Game', das Titelstück oder das mit einem Kinderchor zum Hit aufgepeppte Epos 'Aeroplane' und die bloße Erwähnung der neuerlichen Produzentenarbeit eines Rick Rubin (der sich auf Hawaii sowie in Kalifornien und L.A. genügend Zeit nahm). Letzteres spricht Bände und gleicht einem Qualitätssiegel für erstklassig transparenten Sound der 61minütigen Kurzweil. Die RED HOT CHILI PEPPERS sind wieder (voll) da, bringen uns zwar ein bißchen weniger Blut (und Härte), dafür aber um so mehr Zucker (und Wärme), weniger Sex, aber immer noch eine Menge Magie. Vom kreativen Stillstand ist 'One Hot Minute' zwar noch ein ganzes Stück entfernt, ihr nächstes Album werde ich allerdings wohl nicht mehr so vorbehaltslos in mein Herz schließen!
Matthias Hörstmann / Intro - Musik & so
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