"One from the heart" ist definitiv ein eigenartiges Phänomen. Obwohl der Film eine absolut seichte und uninterresante Geschichte erzählt, hat man das Gefühl sich mit hoher Kunst zu beschäftigen. Das liegt natürlich an der meisterlichen Regie von Francis Ford Coppola ("Der Pate", "Apocalypse Now") und der stilvollen Musik von Tom Waits. Soviel außergewöhnliches Können vermag selbst den übelsten Kitsch einen Hauch von Kunst zu geben. Aber dennoch bleibt "One from the heart" ein Werk das keinen guten Eindruck macht. Man fragt sich zurecht weshalb diese seltsame Erzählung einer Beziehungskrise ein derart künstlerisches Treatment verdient.
Der Beziehungskrach zwischen Frannie und Hank, die wohl stellvertend für das amerikanische Durchschnittspärchen der 80er stehen sollen, steht im Mittelpunkt dieses Films und da man bei einer so vorhersehbaren Story ohne dramatische Tiefen auch nicht viel Spannung verderben kann, soll auch nicht verschwiegen werden, dass es am Ende natürlich auf das wunderbare Hollywood Happy End hinauskommt. Prinzipiell wäre ja auch nichts dagegen zu sagen, wenn Herr Coppola nach dem anspruchsvollen Antikriegsepos "Apocalypse Now" mal eine einfachere, alltägliche Story inszenieren wollte. Aber leider ist diese Geschichte nicht nur einfach, sondern auch ein bisschen dumm und vor allem feministisch orientierte ZuschauerInnen dürften sich sehr über die Klischees ärgern, die hier völlig unkritisch in Bezug auf Mann und Frau gezeigt werden. Auch warum Franny und Hank am Ende wieder zusammenfinden ist reichlich seltsam und scheint die Botschaft zu transportieren, dass es im Leben immer am besten ist, sich mit dem Gewöhnlichen abzufinden und ja nicht nach Alternativen zu suchen. Denn während ihrer kurzzeitigen Trennung lernen sowohl Franny als auch Hank PartnerInnen kennen, die weitaus romantischer wären, nur um sie dann gleich wieder zu Gunsten des Gewohnten stehen zu lassen. Hier spricht wohl der konservative amerikanische Geist und das ausgerechnet in einem Film von Coppola, der sonst mit gesellschaftskritischen Filmen aufgefallen war.
Dennoch kann man an dem Film natürlich die extravagante Machart genießen. Es wurde in Hollywoodstudios gedreht mit für die damalige Zeit ganz neuen Trickeffekten und Coppola ist natürlich auch jemand der so etwas intelligent einzusetzen weiß. Man kann daher diesen fiktiven Las Vegas Schauplatz mit seinen verrückten Lichtern und den vielen Tanzeinlagen einfach so auf sich wirken lassen. Der Soundtrack von Tom Waits hat außerdem ein enorm starkes Eigenleben. Der ganze Film wird von seinen Songs begleitet, die mit ihren melancholischen Texten oft viel mehr zu erzählen wissen als das triviale Geschehen auf dem Bildschirm. Zwar war Waits damals noch mehr ein Jazzpoet und nicht der Avantgardist, der er später werden sollte, aber dennoch ist sein Genie in diesen ruhigen Balladen voll präsent. Diese Songs sind eindeutig viel zu gut für diesen Film!
Daher abschließend die Empfehlung: Entweder man kauft sich gleich nur den Soundtrack von Waits und vergisst die ärgerliche Geschichte oder man schaut sich den Film an, wobei man sich allerdings nur auf Musik und die Bildästhetik konzentriert. Von der konservativen Liebesgeschichte wird man jedenfalls höchstwahrscheinlich gelangweilt sein.
Zur DVD Ausgabe bei Arthaus: Hier wird der Film in 4:3 präsentiert, was allerdings das Originalformat ist, da Coppola auch diesbezüglich eine eigene Ästhetik verfolgte. Ton gibt es zum Glück auf Deutsch und Englisch (wenn auch nur deutsche Untertitel). Extras fehlen aber leider komplett. Nicht mal ein Trailer ist mit drauf. Warum gibt es eigentlich keine schöne Coppola DVD Reihe bei Arthaus?