Dies sind die Worte, die Lawrence Russell von CultureCourt gefunden hat, um die neueste CD von Ottmar Liebert zu beschreiben. One Guitar - der Titel ist hier Programm: Ottmar Liebert diesmal solo, man bekommt nur seine DeVoe Negra Flamenco Gitarre zu hören. Kein Bass, kein Percussion. Und um gleich Missverständnissen vorzubeugen: dies ist kein Flamenco-Album! Natürlich fühlt man sich an der einen oder anderen Stelle erinnert, hat die Musik einen spanischen Anstrich - aber schließlich spielt Ottmar ja auch eine gitarra flamenca. Deshalb trifft es ganz gut, wie Lawrence es formuliert hat: der Geist des Flamenco ist präsent.
Dies aber auch noch aus einem ganz anderen Grund: Flamenco selbst ist ja eigentlich ein Gemisch aus verschiedenen Einflüssen und Improvisation. Und beides bietet Ottmar auf One Guitar: einmal klingt die Gitarre richtig spanisch (Butterflies, Thunder), kurz darauf wie ein japanisches Koto (Along this Road) und einmal wie das Spiel eines verträumten venezianischen Gondoliere (Letting Go).
One Guitar war als Album so eigentlich gar nicht geplant. Inspiriert durch sein Studien bei Genpo Roshi und auf der Suche nach neuen Verbreitungsmöglichkeiten seiner Musik hatte Ottmar die auf One Guitar aufscheinenden Kompositionen anfangs "lediglich" improvisiert, um sie über seine Homepage titellos und in loser Reihenfolge zum Download anbieten zu können. Nach und nach gewann die Idee aber an Eigenleben und als er zur selben Zeit merkte, wie sehr es ihm gefiel, auch einmal solo auf Tournee zu gehen, entstand aus dem reinen Onlineprojekt diese CD.
Als Fan instrumentaler Gitarrenmusik kann man sich da nur freuen, denn das Album zeigt mit der Verwendung nur einer Gitarre wieder einmal den Facettenreichtum Ottmar Lieberts. Der Klang der CD ist einwandfrei, sehr klar und tief. Auf dem Innencover übrigens Bilder aus Ottmar's Studio in Santa Fe - man meint praktisch dort hineinhören zu können.
Fehlt eigentlich nur noch, dass diese Solovariante Ottmar mal wieder nach Europa auf Konzerte brächte ... (Konzertveranstalter dürfen sich ruhig angesprochen fühlen :))
One Guitar ist ein Album für die kontemplativen und meditativen Stunden. Oder wie wiederum Lawrence Russell es formulierte: für die Stunden von "exquisite solitude". Es funktioniert wunderbar auf der Terrasse in einer warmen Sommernacht, aber es passt auch hervorragend, wenn man im Winter Schneeflocken vor dem Fenster beim Tanzen zuschaut oder aus dem Zugfenster auf eine verregnete Landschaft blickt.
Anspieltipps für Unentschlossene: Butterflies und Sapo.
Achja, und für die, die sich fragen, was die eigentümlichen Kürzel hinter einigen der Lieder zu bedeuten haben: diese Lieder wurden von Freunden und Fans betitelt. Ein Wagnis vielleicht - aber auch ein wunderbares Zeichen des Miteinanders.