Obwohl der in den 80er-Jahren soundtechnisch und kompositorisch übliche Einheitsbrei in Umfeld des R&B (im Sinne des Billboard und dessen US TOP 40) auch an den Bee Gees (siehe das Album E-S-P von 1987) nicht vorbeigegangen war, gelang den Brüdern Gibb 1989 mit ONE ein Album, das einerseits den Spagat zwischen dem typischen "Blue-Eyed-Soul" der Band und dem klassischem Songwriting, das die Brüder hier wiederentdeckt haben, schafft und andererseits durch die Trauer um den jüngsten Bruders Andy eine milde Melancholie erhält, die dem Album durchweg gut tut. Alles wirkt weniger aufgemotzt als auf E-S-P, klingt etwas zurückgenommen, nachdenklicher, intimer.
Das gibt dem Album eine faktische Geschlossenheit, die dem flüchtigen Hörer Belanglosigkeit oder Langeweile vermitteln kann. Bei genauem Hinhören jedoch (was sich bei den Bee Gees meistens lohnt) sorgen die Gebrüder Gibb doch für manche Überraschung. Man höre sich nur mal die Funk-Nummer "Will You Ever Let Me" an.
Ein Manko ist der Sound der CD, der tatsächlich eher an Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik erinnert. Bis heute gibt es keine vernünftige digitale Umsetzung dieses Albums (wird es wohl auch nie geben). Deswegen sollte man sich die Schallplatte im Schrank behalten. Diese klingt frischer, dynamischer und um einiges wärmer.
Für dieses Manko der CD gibts einen Punkt Abzug!