Reiche Filmbeute ... :-D
Kein glitzernder Tand sondern eher etwas unscheinbar, aber dicht und trotzdem zurückhaltend.
Der irische Fischer namens Syracuse war früher Alkoholiker, seine Ex-Frau ist es noch und diese hat das Sorgerecht für die kleine gemeinsamen Tochter. Syracuse tuckert täglich mit seinem kleinen Fischkutter vor der irischen Küste auf'm Meer rum und hat eines Tages plötzlich anstatt Fische, eine junge Frau in seinem Fangnetz: Zitternd, hustend, spuckend und verängstigt. Schön und scheu ... niemand dürfe sie sehen, fleht sie! Und weicht nicht mehr von seiner Seite.
Wenn man Syracuses 10-jähriger Tochter Annie glauben will, entstieg die langmähnig-langbeinige Ondine wirklich dem Meer. Annie ist das altkluge Mädchenkind im Hintergrund. Das gabs ja schon öfters und war ja auch schon öfters nervig, dessen Rolle ist im Film normalerweise ETWAS ausgelutscht. Hier sitzt es nierenkrank im Rollstuhl und nervt nicht, obwohl es genau diesen Typ bedient. Alison Barry spielt diese Annie, Tochter von Syracuse, sehr süß und glaubwürdig.
Anscheinend findet das Syracuse auch und beginnt ihre Überzeugung zu teilen.
Die junge Frau aus dem Meer....eine wirkliche, echte Undine??
Sprich... eine Mermaid, ein Wassergeist, eine Nixe?
Die sagenumrankten Wasserwesen werden uns hier irgendwie beschäftigen. Sie heißen hier auch Selkies, und sind Wesen aus der schottischen Mythologie.
Auf den Orkney-Inseln und Nordschottland erzählt man sich Geschichten von Robben, die an Land kommen und sich in Menschen verwandeln, indem sie ihr Fell ablegen. Sie verstecken ihr Fell und laufen als Menschen herum. Angeblich sind Selkie-Frauen als Menschen unbeschreiblich schön. Und sie sollen Unglück bringen.
Ich fühlte mich bei dem Thema gleich an
Splash - Jungfrau am Haken erinnert, der blieb aber komödienhaft, wenn ich mich recht erinnere. (Das ist nicht unbedingt eine Guck Empfehlung.) Nein, hier bleibt der Raum zwischen Fantasie und Wirklichkeit offen, er wird ruhig und unaufgeregt ausgelotet. Klar, immer wieder romantisch und märchenhaft, aber gleichzeitig auch herb und wirklich. Im Mythos bleibend, ihn aber nicht zwanghaft lösen wollend. Auch nicht in Klischees zu versinken, gelingt diesem Film und somit hat er auch schon alle seine irischen Schäfchen im Trockenen. Der Humor ist auch eher irisch rau.
Die faszinierenden Bilder aus dem poetischen Blickwinkel der Kamera, zeigen die schroffe irische Küste und provozieren unwillkürlich Gedanken an diese Frau aus dem Meer... sie MUSS doch eine Mermaid sein... und dann knipst Regisseur Jordan wieder die Realität an: Ungnädig und hässlich. Und so balanciert der Film eigentlich stets zwischen dieser Ahnung, ob sich mit Ondine ein Mythos verknüpft und der Frage, was diese Frau ansonsten ausmachen könnte. Der Film baut sich daran aber nicht auf, er strebt nicht auf die Auflösung zu, er scheint nicht mal wirklich daran interessiert zu sein. Das ist als Lob gemeint. Klug, gekonnt, gefasst, lässt der Film sich auf den Wellen treiben.
Ja: Eine weitere Märchenadaption vom irischen Regisseur Neil Jordan. In
Zeit der Wölfe spielte er auch schon so ungewöhnlich und schruppig-schön mit der allegorischen Hintergründigkeit alter Märchen: Dort lauschte die 13-jährige Rosaleen den unheimlichen Geschichten der Großmutter vom (Wer-)Wolf im Manne. Das war schon eine sehr auffallende Adaption, die das sexuelle und gruselige Motiv des Rotkäppchens bespielte.
Jordan hat wieder das Spiel gesucht, diesmal mit der Psychologie der rätselhaften Nixe: Ihrem Zauber, aber auch unserer Angst vor ihr. Ihrem schützenden, aber eben auch zerstörerischen Wesen.
AUSBEUTE:
Dunkle Geheimnisse düstere Wahrheiten, die Trostlosigkeit des Alltags und Gedanken an die Wasserwesen unten im Meer.
Typisches gekonntes farrellsches Augenbrauengewackel, diesmal in Fisherman-Manier. Alicja Bachleda frisches Gesicht, spielt die Ondine irgendwie immer zwischen mystisch und keck, und immer die langen nackten Beine vor die Kameralinse haltend.
Eine angenehme Portion Humor.
Auch Stephen Rea sorgt als Pfarrer für schmunzelnde Momente.
Ein guter, nein, doch auch ein zauberhafter Fang!
Colin Farrell - Syracuse
Alicja Bachleda - Ondine
Alison Barry - die 10 jährige Annie
Dervla Kirwan - Annies Mum bzw.Syracuses Ex
Stephen Rea - Pfarrer
Übrigens: Es wird berichtet, dass Regisseur Joe Wright (
Abbitte ,
Stolz & Vorurteil) an einer Realverfilmung von Hans Christian Andersens "Die kleine Seejungfrau" arbeitet. Noch befindet sich der Film im Entwicklungsstadium, das heißt, ob er tatsächlich produziert wird und es auf die große Leinwand schafft, ist noch ungewiss. *mich trotzdem schon freu*
Merken soltte nan sich in dem Andersen-Zusammenhang auch
Rusalka - Die Meerjungfrau. Eine aserbaidschanische melancholisch-verschrobene Kinomär, ein Hauch von Amelie weht durch die surrealen Bilder.
Deutsche DVD:
Ton: Deutsch DD und DTS je 5.1, Englisch DD 5.1
Untertitel NUR deutsch
Extras: Interviews vom Set, der Dt. und der Originaltrailer