Estampies Meisterwerk mit neuem Cover endlich wieder erhältich.
Ich bevorzuge normalerweise Barock-Musik oder dramatische Symphonien. Auf der Suche nach guter Musik des Mittelalters zur Erweiterung meines Horizonts fand ich auf verschlungenen Pfaden beim Lesen verschiedener Amazon-Kritiken "Ondas". Aufgrund dieser Empfehlungen kaufte ich diese CD und bin seitdem begeisterter Estampie-Fan.
Um die Qualität von Estampie beurteilen zu können, sollte man ein Mal die beiden Versionen von 'Non e gran cousa' hier bei Amazon vergleichen, und zwar in der Interpretation von Estampie in der "Signum"-CD und in der Interpretation des 'Ensemble für frühe Musik Augsburg' in der "Camino de Santiago"-CD.
Selbst in der geringeren Amazon-Qualität (das Original klingt deutlich besser) gefällt mir die Estampie-Version sehr viel besser. Für meinen Geschmack ist die Augsburger Version ist eine typisch akademische Nachempfindung, während Estampie eine künstlerische Version liefert.
Zur Beurteilung meiner Einschätzung Ihrerseits bewerte ich hier die vier Alben, die ich gekauft habe: "Kreuzritter" von 1996 liefert nach meiner Auffassung sehr viel weniger brillante Stücke (nämlich nur "Maugrez touz sainz") als "Ondas" aus dem Jahr 2000 ('Reis Glorios', 'Disse Mi', 'O Fortuna', 'EstampieV', 'Voi ch'amate'), "Fin Amor" produziert 2002 ('Hanter dro', 'Sancte Sator', 'Fin Amor', 'Wessobrunner Gebet') oder "Signum" von 2004 ('A voi gente', 'Sine nomine', 'Non e gran cousa', 'Bona condit'). Ich bevorzuge etwas mehr die Rhythmusbetonten Titel.
Wichtig sind für mich nicht Text oder Inhalt der Stücke sondern der Zusammenklang von Instrumenten und Stimmen sowie die grosse Variationsbreite der eingesetzten musikalischen Mittel. Man hat nicht das Gefühl, einer musikgeschichtsbewussten akademischen Wiederaufführung zuzuhören sondern an einer frischen und begeisterten Uraufführung neuester Kompositionen teilzunehmen. Und das bei jeder Wiederholung. Die CDs von Estampie sind einfach derart mitreißend.
Die beiden Nachfolger "Fin Amor" und "Signum" sind nur um einen geringen Bruchteil weniger brillant.