Es ist nicht gerade einfach, diese CD zu beurteilen. Einerseits muss man schon sagen, dass Steven Wilson, wenn man bedenkt, dass er viele der vorliegenden Stücke als 14-, 15-jähriger Schüler schrieb, bereits früh großes musikalisches Talent offenbarte; denn so durchgeknallt einiges Material auf dieser Scheibe auch wirken mag, dass - wie auch bei den späteren Werken der Band - keine Abwechslung vorhanden wäre, kann wohl auch der größte Querulant nicht behaupten.
Auf der anderen Seite, wenn man die Sache ganz nüchtern und fern aller Zugeständnisse betrachtet, muss man schlichtweg konstatieren, dass das Ganze noch reichlich unausgegoren und naiv wirkt und das Songwriting nicht wirklich durch die Bank überzeugt - verständlicherweise.
Steven Wilson selbst weiß mit Sicherheit auch, wie naiv man damals noch klang und erklärt, es gäbe noch mehr Material von damals, das allerdings wohl nur für die absoluten "Hardcore-Fans" etwas wäre, gleichzeitig zeigten die Stücke von damals allerdings auch "eine unbegrenzte Anzahl möglicher Ausrichtungen in der Zukunft", die die Band beschreiten könnte.
Das ist natürlich sehr hübsch ausgedrückt, aber letztlich hat er natürlich recht. Es wird kräftig rumexperimentiert; Achtziger-Jahre-mäßige Keyboardsounds und Geräusche, die die psychedelische Ader hervorheben sollen, werden vermixt und auch die größtenteils reichlich abgefahrenen Texte von Wilsons damaligem Kumpel Alan Duffy erinnern an die zugedrogte Lyrik der Sechziger Jahre.
Immerhin ein Klassiker, den Porcupine Tree auch heute noch manchmal live spielen, findet sich mit "Radioactive Toy" auf der CD und auch sonst finde ich zum Beispiel "Footprints" gar nicht so übel und die Gesangslinien auf "This Long Silence" weisen bereits auf spätere Porcupine-Tree-Melodik hin.
Die ganzen Zwischenstücke dagegen finde ich nicht so berauschend. Grundsätzlich schätze ich psychedelische Atmosphäre und Bands wie Pink Floyd, Genesis oder King Crimson, aber Stücke von ein paar Sekunden Länge wie "Message From A Self-Destructing Turnip", "Third Eye Surfer" oder "Hymn" sind eher wenig wirkungsvoll, da sie natürlich keinerlei Möglichkeit zu einem vernünftigen Aufbau bieten. Aber auch hier muss man sicherlich wieder etwas Nachsicht walten lassen, wenn ein junger Mensch oben genannten Idolen nacheifern will.
Die Zwischentracks, die etwas länger sind, haben auch schon eher etwas: das wirklich kosmisch-psychedelische "Space Transmission" oder das unheimliche "Queen Quotes Crowley".
Was wiederum von den Songs mit Text natürlich gar nicht geht, ist das unglaublich bescheuerte "Linton Samuel Dawson", wo eine fast schon Baby-artig verzerrte Gesangsstimme zu Achtziger-Jahre-Keyboards erklingt - wenn man das hört, kann man einfach nicht anders, als lauthals loszulachen.
Der Rest ist, sagen wir, "interessant anzuhören"; wie Wilson selbst sagt, wird "On The Sunday Of Life" auch heute noch öfters gekauft, weil sich viele Fans, die die Band noch nicht so lange kennen (so wie ich), einfach dafür interessieren, wie sie in ihren Anfangstagen geklungen hat, eher weniger, weil es sich um ein Berge versetzendes Debüt handelt.
Eine CD, die nett anzuhören ist, aber aus verständlichen Gründen niemals mit den späteren Meisterwerken Porcupine Trees zu vergleichen ist.