Piratengeschichten und die Karibik - immer Grundlage für eine gute Geschichte. Denkt die ältere Generation da möglicherweise an Errol Flynn, fällt den Jüngeren eher Johnny Depp als Captian Jack Sparrow ein. Und: das ist gut so. "On Stranger Tides" geht - es ist schließlich 2011 - auch mehr in die Jack Sparrow Richtung. Zwar kommt Sparrow nicht vor, davor ein junger Held, der insgesamt recht sympathisch ist und um die Zuneigung einer jungen Damen buhlt. Auch echte Piraten kommen vor, z.B. der bekannte Blackbeard. Auf der Suche nach einer mysterischen Quelle ewigen Lebens vereint sich das Schicksal aller Beteiligten. Soviel zur Handlung. Insgesamt bietet die Idee durchaus die Möglichkeit, eine spannende Geschichte darum zu spinnen. Leider gelingt dies Tim Powers nicht. Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass Powers einen komplizierten, wenn nicht sogar verschwurbelten (das Wort trifft Powers Sprache direkt zwischen die Augen) Sprachstil pflegt. Selbst einfache Dinge werden unnötig verkompliziert und in die Länge gezogen (was durchaus eine Leistung bei der Länge des Buches ist). Dementsprechend wirkt das alles fürchterlich langatmig und man fragt leidend, wann geht's denn endlich weiter (bzw. manchmal sogar, los). Vergleicht man das mit anderen Büchern von Powers wird deutlich, dass dies kein Einzelfall ist, sondern eher die Regel (heißt für mich, Finger weg). Aber schauen Sie selbst. Wie gesagt, die Story ist tragfähig. Über einigermaßen gutes Englisch muss man aber schon verfügen, um Powers Ideen folgen zu können. Vergleicht man das Buch mit Crichtons "Pirates Lattitudes" wird deutlich, wie wenig Charme, Lebendigkeit und Witz Powers der Piratenwelt verleihen konnte. Insgesamt dann doch vielleicht eher Sparrow im Kino sehen und Powers zurück ins Buchregal stellen. Drei Sterne; mehr ist nicht drin.