Die Livecompilation "On The Night" von 1992 war das letzte auf Tonspur gepresste Lebenszeichen der Dire Straits. Passenderweise wurde ein Livealbum als Abschiedsgeschenk gewählt, denn gerade live pflegten die Dire-Straits-Songs ihre Wirkung erst voll zu entfalten, sowohl in soundtechnischer, als auch in künstlerischer Hinsicht, waren die Livefassungen doch viel verspielter und lebendiger als die manchmal etwas bieder anmutenden Studio-Aufnahmen. Das wird auch durch dieses Album eindrucksvoll belegt, wenngleich die Songauswahl unter Fans Kritik hervorruft, vor allem aufgrund des fehlenden Hits "Sultans Of Swing", doch auch Stücke wie "Tunnel Of Love" oder "Telegraph Road" wären schön zu hören gewesen. Allerdings waren all diese Songs bereits auf "Alchemy" vertreten, wenngleich die Live-Atmosphäre auf "On The Night" wesentlich besser transportiert wird und besagte Songs dadurch vielleicht noch an Atmosphäre gewonnen hätten.. So werden schwerpunktmäßig Tracks aus "Brothers In Arms" und "On Every Street" in ihrem Konzertgewand präsentiert, zusätzlich mit "Private Investigations" und "Romeo And Juliet" zwei Tracks, die bereits auf "Alchemy" zu hören waren. Vom letzten Album werden vier Songs gespielt, angefangen mit "Calling Elvis", das im Vergleich zur Studioversion viel satter klingt wie die sprichwörtliche Mutation vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan. Die Band versprüht bereits in diesem auf 10 Minuten aufgepumpten Opener eine Energie und Spielfreude, die sich durch alle folgenden Stücke zieht. Besonders hervorzuheben sind Songs wie das atmosphärisch einzigartige "Private Investigations", "On Every Street" mit seiner großartigen, simplen und doch oder gerade deswegen genialen Gitarrenfigur, ein Allzeitklassiker wie "Romeo And Juliet" und, natürlich, man hätte Knopfler für das Fehlen dieses Meisterwerkes gesteinigt, "Brothers In Arms". Schon der Text, ohne die Musik, induziert eine Gänsehaut, mit der Musik und dem charakteristisch trockenen Gesang Knopfler's und natürlich dem krönenden Gitarrensolo wird er mit zum Besten, was die Musikgeschichte je hervorgebracht hat. Solche Songs sind dazu prädestiniert, live vorgetragen zu werden, sie als Studioversion ihr Dasein fristen zu lassen hingegen ist eine glatte Todsünde.
Ein wesentlicher Kritikpunkt an dem Album ist die Tatsache, dass es nur als Einzel-CD erschienen ist, die aufgrund ihrer limitierten Kapazität hier nur 10 Songs aufnehmen konnte. Daher wurden die drei Tracks "The Bug", "Solid Rock", beide vom Album On Every Street", und das "Wild Theme" vom Soundtrack Local Hero" auf eine Maxi-CD verbannt. Diese Songs finden sich auf der zugehörigen DVD in die CD-Trackliste eingestreut, wenngleich selbst die DVD kein vollständiges Konzert zeigt, sondern einen Zusammenschnitt der 92er Konzerte im Rotterdam und Nimes. Es wäre besser gewesen, die genannten drei Tracks und weitere, wie eben z.B. "Sultans Of Swing", mit in das Album zu integrieren und eine Doppel-CD zu veröffentlichen. Aufgrund der musikalischen Qualität gebe ich dem Album dennoch fünf Sterne, in der Hoffnung, irgendwann einmal eine vollständige Version von On The Night" in den Händen zu halten.