Circa Survives zweites Album überzeugt auf ganzer Linie. Das fängt schon bei dem wunderschönen Artwork an, das man einfach lieben muss. Die Aufmachung von "On Letting Go" versprüht ein solches Flair, dass die Musik zunächst zweitrangig erscheint. Zuerst will man das Cover und die Rückseite ganz genau betrachten und sich in diese herrliche herbstlich-depressive Atmosphäre einleben.
Die ersten Sekunden des Albums versetzen einen dann auch sogleich mit einem Wohlklang in Verzückung, dass man die grauen Wolken des deutschen Hochsommers 2007 umarmen will. Rhythmisches Drumming begleitet eine wunderbare Gitarrenmelodie. Dann setzt Sänger Anthony Green zum ersten Mal sein beeindruckendes Organ ein, und hier wird es sich dann entscheiden, wem diese Platte gefallen wird und wem nicht. Denn der Gesang ist sicherlich ein wenig gewöhnungsbedürftig für Leute, die noch keine Erfahrung mit Alben der "Heliumstimmen"-Fraktion gemacht haben. Mir persönlich gefällt der Gesang wirklich ausgesprochen gut, ich finde ihn schlichtweg atemberaubend und er war auch ausschlaggebend dafür, dass ich mir dieses Album letztendlich gekauft habe. Man kann sich einfach nicht satt hören an diesem Sänger.
Musikalisch gesehen besitzt die Musik natürlich Ähnlichkeiten mit anderen Bands auf Equal Vision Records, wie zum Beispiel The Fall Of Troy oder Coheed And Cambria, aber Circa Survive besitzen trotzdem ihre ganz eigene Note. Die Musik ist zwar weder ausschweifend noch monoton, aber trotzdem gelingt es der Band einfach, den Hörer zu hypnotisieren und wie in einen Schwebezustand zu versetzen. Das Album wirkt wie aus einem Guss, was aber auch ein wenig daran liegt, dass sich die Songs allesamt recht ähnlich anhören. Nur das überwältigende "Kicking Your Crosses Down", das in meinen Augen den besten Song des Albums darstellt, ragt bei den ersten Hördurchgängen aus dem scheinbaren Klangbrei hervor und begeistert sofort. Die restlichen Songs müssen erst erschlossen werden, entfalten aber wie so oft nach vielmaligen Hören immer neue Details und gewinnen mit jedem Hördurchgang an Intensität. Wenn man die Musik unter einem Schlagwort abhandeln will, wäre es wohl "Emo". Dieses Wort ist ja mittlerweile ein Schimpfwort geworden und wird mit depressiven, selbstmordgefährdeten Tennagern in Verbindung gebracht. Circa Survive klingen jedoch deutlich erwachsener, ausgefeilter und einfach reifer als die meisten der zahlreichen neuen Emobands, die allenfalls mittelmäßig sind. Natürlich geht es bei Circa Survive textlich gesehen auch um die eher düsteren Seiten des Lebens und der Liebe, aber die Texte werden durch den Gesang einfach so intensiv rübergebracht, dass es sehr authentisch und ehrlich wirkt. Bleibt als einziger Kritikpunkt der mangelnde Abwechslungsreichtum, der bei viel zu kurzen 45 Minuten Spielzeit aber kaum ins Gewicht fällt. Positiv ausgedrückt könnte man das auch Stilsicherheit nennen.
Highlights:
Kicking Your Crosses Down | The Difference Between Medicine And Poison Is In The Dose | Living Together | In The Morning And Amazing...