Und was für eine! Was Hannes Grossmann und seine Jungs hier servieren, ist ein wahres Meisterwerk und ein Meilenstein des technischen und progressiven Death Metal's. Während der Sound von Obscura auf dem letzten Album im wahrsten Sinne aufgrund der Thematik total "abgespaced" rüber kam, klingt diese Album viel mehr nach den tiefsten Abgründen der Evolution - absolut passend zum Thema!
Das Album beginnt mit dem Über-Opener "Septuagint" mit einem sehr ungewöhnlichem Akkustiksolo - so wird nach den ersten Sekunden schon klar, mit welcher Genialität wir es hier zu tun haben. Danach stimmt dann direkt das total abgedrehte Riffing der Band an, gefolgt von einem affengeilen Solo! Der nächste Song "Vortex Omnivium" geht brutaler an die Sache - hier werden keine Gefangenen gemacht. Ein genialer Riff begleitet den Song bis zum Schloss. Sehr untypisch ist der Song "Ocean Gateways", welcher Zitate der langsamen Death-Metal-Walzen wie Grave oder Morbid Angel enthält. Das Tempo bleibt durchweg langsam, die Stimmung des Songs ist so düster wie der Marianengraben. Ab "Euclidean Elements" wirds dann auf dem Album noch komplexer. Wildes Stakkato-Riffing gepaart mit brutalen Blastbeats fordern die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers. "Prismal Dawn" wird von einem Ruhigen Duett aus Akkustik- und E-Gitarre angestimmt und von entspannten, leicht verzerrten Clean-Vocals begleitet und geht später wieder in das für anspruchsvollen Tech-Death typische Stakkato-Riffing über. Die Vocals reichen dann von tiefen Death-Growls bis zu fiesem Gekrächze, garniert durch Double-Bass und geniales Solo-Spiel. "Celestical Spheres" wechselt ständig zwischen Mid-Tempo, schnellem Spiel und sogar in der Mitte sehr ruhigen Parts. Sehr geil ist hier das Bass-Solo in der Mitte des Lieds, welches dann in ein Gitarrensolo übergeht. Das düstere "Velocity" geht sehr bedacht vor und hat wieder einige langsame Parts zu bieten. Das gesanglose "A Transcendental Serenade" ist ebenfalls sehr atmosphärisch und verlangt den Gitarristen Stefan Kummerer und Christian Muenzner alles ab und vermag mit einem stampfenden, tiefen Riff ala Kataklysm ebenfalls zu überraschen, kurz bevor es wieder zu absolut unmenschlichem Gefrickel übergeht. In "Aevum" stellt der deutsche Tech-Death-Vierer dann nochmal in 8 Minuten Spielzeit sein ganzes Können zur Schau: Langsames und erdrückendes Opening, brutale Death-Growls mit schnellen Blasts, gefolgt von tiefem, langsamen Riffing, technischen Stakkato-Riffs, verfrickeltem Solo, progressiven Gitarrensounds, atmosphärischem Solo, ungewöhnlichem, verzerrten Chor-Gesang, langsamen schwerfälligem Outro. Der Bonus-Track "Concerto" mit Riffing aus dem Neo-Klassizismus ist ein Cover der Band "Cacophony" und wird hier von den Jungs nochmal grandios zum Besten gegeben.
Alles in allem - ein sehr beeindruckendes Album. Noch komplexer, noch durchdachter als auch schon der wegweisende Vorgänger "Cosmogenisis". Einfach nur genial - vorrausgesetzt man nimmt sich Zeit für das Album. Mit einmal hören und mitsummen ist nichts! Grade im Mittelteil der CD, wenns aufeinmal höchst durcheinander und abwechslungsreich zugeht, kann man schonmal schnell den Überblick verlieren - hier habe ich zumindest um die 7 Durchläufe der CD gebraucht. Doch dieser extreme Abwechslungsreichtum ist es auch, was die Band und deren Sound so besonders macht. Jedes Instrument kommt gleichermaßen zum Zug, und auch der Gesang variiert immer wieder. Das Spektrum der Lieder reicht von langsam und emotional bis schnell und brutal.
Fazit: Diese Art der Musik ist sicher nicht jedermanns Sache - und das ist gut so! Sehr kompliziert aber sehr empfehlenswert!
Anspieltipps: Septuagint, Vortex Omnivium, Ocean Gateways und... öhm... der ganze Rest :)