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Omnisophie
 
 
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Omnisophie [Gebundene Ausgabe]

Gunter Dueck
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Gunter Dueck
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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

Was ist der Mensch? Und was soll er tun? An Antworten auf diese philosophischen Grundfragen ist beileibe kein Mangel. Berühmte Geistesgrößen haben seit Jahrtausenden viele kluge Sätze dazu verfasst. Und jetzt kommt ein kleiner Mathematikprofessor (1,69 Meter nach eigener Angabe), der inzwischen als Manager bei IBM arbeitet, und will allen Ernstes etwas Neues dazu beitragen?

Gunter Dueck gelingt, was zunächst wie schiere Anmaßung anmutet. Und den Anschein der Anmaßung lässt er gar nicht erst aufkommen, indem er dem Leser in einem 400 Seiten langen, ausschweifenden Gespräch ein sehr buntes und sehr persönliches Bild von sich selbst preisgibt - nichts von einem entrückten Weisen auf dem Thron der Erkenntnis.

Duecks neuer Denkansatz, der seinen berühmten philosophischen Vorgängern nicht zu Gebote stand, ist der Computer als Metapher für den Menschen. Das Gedächtnis als Festplatte mit einer übersichtlichen Dateistruktur, wohlsortierten, abrufbaren Informationen, das Gehirn als Prozessor, der vorgefertigte Programme ausführt und damit zu richtigen Ergebnissen kommt - diese naive Vorstellung greift Dueck auch auf; aber für ihn ist dieser innere PC nur ein Teil des Menschen, derjenige, den heutige Neurowissenschaftler gerne in der linken Hirnhälfte ansiedeln.

Ein anderer Teil, vielleicht die rechte Hirnhälfte, ist organisiert wie ein "neuronales Netz". Das leuchtet ein: Nachdem die Informatiker diese künstliche Struktur der Anatomie des echten Gehirns nachempfunden haben, wird das echte Gehirn vielleicht auch einige ihrer Eigenschaften zeigen. Ein neuronales Netz ist lernfähig, das heißt, es ändert unter dem Einfluss von Erfahrungen gewisse Stellgrößen ("Gewichte") in seinem Innern so, dass es am Ende ein neues Erlebnis beurteilen kann: "Das ist eine reife Frucht", "das ist ein vertrauenswürdiger Mensch". Im Gegensatz zum Expertensystem in der anderen Hirnhälfte kann ein neuronales Netz seine Urteile nicht begründen. Selbst eine sorgfältige Inspektion aller Gewichte würde nicht erklären, wie es zu seinen Schlüssen kommt. Plötzlich habe ich eine Erkenntnis oder eine feste Überzeugung und kann beim besten Willen nicht sagen, wie sie zu Stande gekommen ist.

Die dritte Komponente des menschlichen Geistes entstammt nicht der Literatur, sondern Duecks eigener wissenschaftlicher Arbeit. Sie besteht aus sehr vielen Elementen, die er "Flash-Mode-Sensoren" oder "Seismographen" nennt. Man soll sie sich als winzige Unterprogramme vorstellen, die ständig im Arbeitsspeicher stecken, ihn wegen ihrer Kleinheit nicht sonderlich belasten und in der Regel nichts tun - es sei denn, es kommt ein Input, auf den der Sensor geeicht ist. Dann, und nur dann, schlägt er Alarm; das kann sich in einem Angstausbruch, einem Adrenalinstoß oder auch nur in Erregung von Aufmerksamkeit äußern. Ein solcher Sensor entsteht durch einschneidende Erlebnisse, insbesondere durch einschneidende Erziehungsmaßnahmen. Sein Output erzeugt die Gefühle, die weitgehend unser Handeln lenken - auf den Pfad der Tugend oder vielmehr der angstvollen Anpassung, wenn wir, zum Beispiel durch Erziehung, entsprechend konditioniert sind. Vor allem aber sind unsere eigenen Sensoren uns in der Regel unbewusst; so erzeugen sie unsere Vorlieben, Abneigungen und Vorurteile, ohne dass wir es merken.

Zu den verschiedenen Computern in unserem Kopf gehören verschiedene Menschentypen. Diejenigen, die vorwiegend mit ihrem PC denken, nennt Dueck richtige Menschen, die mit dem neuronalen Netz die wahren Menschen. Dann wären die natürlichen Menschen diejenigen, die nur ihrem vorbewussten Sensorensystem folgen? Nicht ganz. Nach Dueck sind es diejenigen, die vor allem ihrem eigenen Willen folgen - wie er selbst als Kind: Der Autor spart nicht mit drastischen Beispielen, und die Geschichte mit dem Pferd ist eines der harmloseren.

Überhaupt versteht er es, seine Typeneinteilung der Menschen mit den buntesten Erzählungen zu erläutern, was sein Buch ausgesprochen kurzweilig macht. Die positiv gefärbten Bezeichnungen "richtig", "wahr" und "natürlich" sind mit Bedacht gewählt; Dueck liebt die Menschen alle, auch wenn er selbst sich als wahrer Mensch outet und die gegenwärtige Dominanz des richtigen Denkens als höchst problematisch darstellt.

In der Gesellschaft allgemein, und besonders in der Schule und im Arbeitsleben, wird das Ideal des richtigen Menschen hochgehalten und durch Einpflanzen entsprechender Flash-Mode-Sensoren befestigt, um den Preis, dass den wahren und den natürlichen Menschen wenig anderes übrig bleibt, als ihr Wesen zu verleugnen oder zu unterdrücken. Weil die Philosophen die Frage "Was soll der Mensch tun?" allgemeingültig beantworten wollen, statt die Verschiedenheit der Menschen anzuerkennen, kommt bei dem ganzen Nachdenken nur Belangloses und/oder Unpraktikables heraus: "Tugend sei das höchste Ziel des Menschen."

Die Übermacht der richtigen Menschen ist allerdings bedroht. Ihre Stärken sind nämlich genau diejenigen, in denen ihnen der Computer zunehmend den Rang abläuft. Was Wunder: Die richtigen Menschen haben den Computer nach ihrem Bilde geschaffen, und nun wächst er ihnen über den Kopf. Hier knüpft Dueck an seine Bücher "Wild Duck" und "E-Man" an (Spektrum der Wissenschaft 11/2000, S. 101 und 9/2002, S. 114) und wagt die Prognose, dass die Richtigen ihre Führungsrolle in naher Zukunft an die Wahren werden abtreten müssen.

Mit der Typeneinteilung - die Dueck noch erheblich verfeinert - ist das so eine Sache. Ich bin bereit, "richtig", "wahr" und "natürlich" als eine Art von Koordinatensystem zu akzeptieren. Jeder Mensch ist eine Mischung aus diesen drei "Reinformen", und deren Studium hilft, mich und andere zu verstehen - was Dueck eindrucksvoll nachweist. Aber er geht darüber hinaus, indem er behauptet, im Prinzip sei jeder Mensch einer der Reinformen zuzuordnen, und das sei auch gar nicht schwer herauszufinden: Eine dreiminütige Selbstdarstellung genüge. Dass regelmäßig eine der Komponenten dominiere, sei auch nicht weiter verwunderlich: Ein Mischtyp habe es eben viel schwerer im Leben, weil er die inneren Konflikte zwischen seinen verschiedenen Komponenten mühsam in jedem Einzelfall lösen müsse.

Das klingt mir zu sehr nach Schubladendenken. Mit diesem Einwand gehöre ich in die Kategorie "wahrer Mensch", Unterkategorie "Pfarrer und Menschenversteher"; denn Dueck kann die Menschen bereits nach den Einwänden, die sie gegen seine Philosophie äußern, in Schubladen einteilen. Aber das stört nicht besonders. Der wahre Mensch Dueck bietet so viele originelle und unkonventionelle Gedanken, dass dieses kleine Abgleiten in eine Unart der Richtigen nicht ins Gewicht fällt.

Rezensent: Christoph Pöppe

Kurzbeschreibung

Das Buch spielt mit einem neuen, ganzheitlichen Vorstellungsbild des Menschen, der aus drei Einheiten zusammengesetzt gedacht wird: das analytische Denken residiert in einer computerähnlichen linken Gehirnhälfte, die kreative Intuition sitzt wie ein naturbelassenes neuronales Netzwerk in der rechten. Der Mensch denkt, wohin ihn das dritte System lenkt: Ein hyperschneller Anzeichen-Identifizierer alarmiert etwa bei gefährlichen Ereignissen die Aufmerksamkeit, unbewußt, ohne Denken. Bis auf ein paar Zeilen mathematischer Erklärung ist dieses Buch fulminante Philosophie. Wichtige Ansichten dieser Welt werden gedreht und bleiben zum Teil auf dem Kopf stehen. Die Lehren von Platon, Aristoteles, Konfuzius, Epikur, Freud & Co. erscheinen als notwendige Philosophien verschiedener Gehirnnutzungsvarianten. Das Buch ist eine scharfsinnig-bissig-humorvolle und sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem, was wir "Lebenssinn" nennen.

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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hervorragend 30. August 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch fesselt einen von der ersten bis zur letzten Seite, Aus griechischen Philosopen wie Plato, Aristoteles, Aristid, Mathematik neuronaler Netze, Erfahrung aus Lehre und Wirtschaft und wahrer Menschenkenntnis webt Prof Dueck ein dichtes Modell der verschiedenen Menschentypen, ihrer Strategien, das an Einsicht und Klarheit nicht zu überbieten ist. Seine Beispiele sind einprägsam,lebensnah und auf den Punkt formuliert. Man lernt sich und andere besser verstehen und sieht den Sinn seines Lebens nachher in einem anderen Licht. Ein wahres Buch nicht nur für wahre Menschen
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
In Douglas Adams subversiv-philosophischem Science-Fiction-Epos "Per Anhalter durch die Galaxis" ist die Erde ein riesiger Computer zur Ermittlung der Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und allem anderen. Kurz bevor das Ergebnis der ungeheuer langwierigen Berechnung jemandem mitgeteilt werden kann, wird die Erde von ignoranten Vogonen gesprengt. Wäre das nicht nur ein überdrehtes Science-Fiction-Szenario, dürften wir langsam beginnen uns zu fürchten. Denn für mein Gefühl kommt der Mathematiker und hauptberufliche IBM-Querdenker Gunter Dueck in "Omnisophie" dem Kern der Sache, was bisher zwischen den Menschen eigentlich so schrecklich schief läuft, schon ziemlich nahe. Das geschieht in durchaus weltverbesserischer Absicht, aber ohne unangenehmen missionarischen Eifer, ohne religiösen oder esoterischen Fundamentalismus und - in diesen Zeiten eine Wohltat - ohne eine neue vermeintliche Heilslehre zu propagieren. Stattdessen schafft es Dueck mit seinem einzigartigen, scheinbar ausschweifenden, aber am Ende immer „sinn-vollen" Schreibstil, den Leser quasi in Echtzeit in seine Überlegungen und in sein Ringen um Erkenntnis hineinzuziehen, um am Ende „gemeinsam" zu gut begründeten Vermutungen, plausiblen Vorschläge und fruchtbaren Fragen zu kommen.

Dueck holt bis in die Antike aus: Zunächst dekonstruiert er die Philosophien seiner berühmten klassischen und neuzeitlichen Vorgänger zu den Themen "höchstes Gut", "Lebenssinn" und "Erkenntnis". Er entlarvt sie u.a. als Ausdruck der verschiedenen Charaktertypen ihrer Schöpfer und erklärt den "ewigen Streit" zwischen den verschiedenen Philosophie-Schulen deshalb für nicht zu entscheiden. Mehr noch, er macht klar, dass die Verengung auf eine „beste" Philosophie weder angemessen noch wünschenswert ist. Wie der Name des Buchs „Omnisophie" andeutet, schlägt Dueck stattdessen eine Philosophie der Vielfalt vor, eine Art Weltformel für all die verschiedenen Ziele, Lebenssinne und „höchsten Güter", um die Menschen und ihre Eigenarten einander verständlicher zu machen und so einen konfliktärmeren Umgang miteinander zu ermöglichen.

Ähnlich wie Jung, Keirsey und andere entwickelt Dueck eine eigene, hoch differenzierende Charaktertypen-Lehre des Menschen. Statt jedoch ausschließlich von außen zu beobachtendes Verhalten heranzuziehen und zu klassifizieren, basiert sein Schema erstmals (?) auch auf Annahmen zu den vom menschlichen Gehirn physiologisch bzw. phänomenologisch ausgeprägten Denkarten - dem rationalen, dem intuitiven und dem reflexartigen Denken. Für alle drei Denkarten skizziert Dueck jeweils sehr verständlich ein mathematisch-informatisches Modell, das die wesentlichen Eigenschaften beschreibt.

Von diesen Denkarten leitet er drei Haupt-Charaktertypen ab - den Richtigen, der nach Höherwertigkeit durch Systemkonformität strebt, den Wahren, der seine Bestimmung in Ideen findet und den Natürlichen, für den das Glückserlebnis an vorderster Stelle steht. In den verschiedenen Charaktertypen sieht er jeweils eine der Denkarten vorherrschend.

Hier ist der einzige Punkt, an dem ich Dueck bis heute nicht so ganz folgen will bzw. noch eine Lücke in der Ableitung sehe: Die ersten zwei Denkarten scheiden laut Dueck zwei sehr verschiedene Charaktertypen, während die dritte Denkart, das Reflexhafte, als Gefahranzeiger allen Charakteren zu eigen ist, wenn auch in partiell unterschiedlichen Ausprägungen. Damit erklärt Dueck die typmäßig „natürlichen" Menschen für meinen Geschmack nicht ausreichend. Der natürliche Mensch im Sinne der dueck'schen Charaktertyp-Lehre soll sich unter der Kontrolle eines nicht weiter erklärten „Willens" nach Bedarf bei der rationalen und der intuitiven Denkart bedienen. Art und Herkunft des Willens als eigene Steuerungsinstanz der „Natürlichen" werden nicht so elegant erklärt wie die anderen Denkarten. Dadurch erscheint mir dieser Teil in den Einzelanalysen und den Hypothesen zwar brilliant, in der Abbildung von Physiologie, Funktionsweise und Charakterausprägungen aufeinander allerdings noch nicht ganz vollständig.

Dennoch: Lässt man sich auf das Schema und seine Implikationen ein (was Duecks Hauptanliegen ist), werden viele Verhaltensweisen und Konflikte der Menschen plötzlich sonnenklar. Auch wenn Dueck in diesem Band noch nicht ganz tief und ausführlich zur Anwendung seiner Omnisophie zur Analyse unserer Gesellschaft und ihrer Probleme schreitet, „erledigt" er hier argumentativ dennoch bereits menschenverachtende Management-Theorien und -Praktiken, das deutsche Schulsystem nach dem Pisa-Schock sowie die Vorstellung, dass Menschen beliebig flexibel sein können.

Werden wir bald Dueck in einem Atemzug mit Platon, Artistoteles, Nietzsche und Kant nennen?

Ich glaube nicht. Denn im Gegensatz zu diesen schreibt Dueck bei aller intellektuellen Tiefe und grenzüberschreitenden Breite seiner Betrachtungen verständlich, (selbt-)ironisch, und unterhaltsam. Mir jedenfalls sind die Beobachtungen, Analysen, Argumente und Folgerungen in "Omnisophie" weitgehend widerstandsfrei ins Hirn geflutscht, obwohl ich eher als hyperkritisch gelte. Die vielen konkreten Beispiele und Anekdoten, mit denen er seine Überlegungen illustriert, kamen mir oft fast schmerzhaft bekannt vor.

„Omnisophie" ist laut Dueck nur eine erste Näherung an die ultimative Erkenntnis zu den Menschen und ihrem Zusammenleben auf diesem Planeten. Ich hoffe und vertraue darauf, dass er uns auch an den nächsten Stufen seiner Denkarbeit in Form weiterer Omnisophie-Bände teilhaben lässt und ihm sein Arbeitgeber IBM im Eigeninterresse, sich mit einem solchen Denker schmücken zu können, den dafür nötigen Freiraum gibt.

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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie soll ich es erklären 18. Oktober 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Inspiriend, zutiefst humanistisch und human hört sich dieses Buch an. Man hat, sagen wir mal, bis Seite 36 oder 105 oder so gespannt gelauscht und dann: Zack! Hoppla!, was war das?! Zurück blättern und Wort für Wort, Gedanke für Gedanke wie eine belgische Praline gaaanz langsam im Geist schmelzen lassen! Bei jedem liebevollen Schmunzeln des Autors mitschmunzeln, hier und dort komplizenhaft augenzwinckern "ach ja, Sie also auch...". Die Stellen mit den mathematischen Erklärungen nicht auslassen, bloß nicht, sie sind ein kristallklares Vergnügen!
Und wenn dann, später, viel später, deine linke Gehirnhälfte signalisiert: fertig gelesen, wir sind bei der letzten Seite angekommen und da macht ein richtiger Mensch das Buch zu... glaub es ihr nicht, geh doch zurück in das Hundertwasserhaus, irgendwo bei Plato um die Ecke, glaube ich, und horche ruhig noch einmal wie die ganze Melodie sich anfühlt!
Dieses Buch handelt nämlich von uns.
Richtig! Echt wahr, natürlich!
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