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Omega Minor. Roman [Gebundene Ausgabe]

Paul Verhaeghen , Stefanie Schäfer
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Gebundene Ausgabe --  

Kurzbeschreibung

September 2006
Wir alle wissen, sagt Paul Andermanns, der junge Ich-Erzähler, daß der Zufall das wahre Wesen der Dinge ist. Wo der Zufall aufhört, muß man sich in acht nehmen. Das ist der Moment, in dem die Realität keine Alternativen mehr zuläßt.
Paul Verhaeghens Roman ist voller solcher Momente. Und er spielt natürlich in Berlin, eine Stadt, die immer in Bewegung ist, balancierend auf dem gefährlichen Grat zwischen Glanz und Verfall. In der Menschen leben wie die Filmstudentin Nebula, deren Halogenlampe ihrer Videokamera leuchtet wie ein Stern, als sie inmitten junger Türken ihre Bilder mit aller Kraft verteidigt. Die von Hugo gerettet wird, dem strohblonden Riesen in den schwarzen Stiefeln. Mit ihm verschwindet sie in den Eingeweiden der Stadt, zusammen mit anderen, die folgen, ohne daß ein Wort gesprochen werden muß. Die wie Soldaten auf ihren Einsatz warten und sich vorbereiten auf den Tag, an dem es nicht nur fremd aussehende Menschen in der U-Bahn treffen wird. Wie den Psychologen Paul Andermanns, der seine Zivilcourage fast mit dem Tod bezahlt. Und im Krankenhaus neben Johann de Heer erwacht. Ein alter Mann, der genau in diesem Moment beschließt, Paul Andermanns seine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte eines Berliner Jungen mit jüdischen Vorfahren ...

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 976 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821857587
  • ISBN-13: 978-3821857589
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 634.447 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Name
Als erstes fiel mir auf, daß die Vögel nicht länger schwiegen. Mit diesem Satz
begann es. Die Buchstaben starren mir entgegen, in blauer Tinte auf einem Blatt
im DIN-A4-Format – der vertrauten Deutschen Industrienorm. Die Worte selbst
waren in 40-Hz-Impulsen aus meinem assoziativen Kortex geflossen und dann in den
vorderen Strukturen meines Stirnlappens gewägt und gewogen worden. Ihre
Bedeutung, ihre Tragweite, ihr Kontext und das, was sie vorankündigen, sind
vorläufig nur diesen Gehirnarealen bekannt. Mein Gedächtnis: Ich erlebe es als
eine brodelnde Verschwörung, die kurz vor der Aufdeckung steht. Tast

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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seltsam, anders, gut 1. Juni 2007
Von Marco
Format:Gebundene Ausgabe
Ein alter Mann erzählt einem jungen Psychologen eine Geschichte, seine Geschichte, seine Lebensgeschichte. Wie er, Jude, die Zeit des Nationalsozialismusses übrlebt hat. Was er durchgemacht hat, was er erleiden musste.

Ein alter Physiker und Nobelpreisträger, der während des Nationalsozialismusses in die USA flüchtete liebt eine junge italienische Physikerin die auf der Suche nach dunkle Materie und der Zukunft des Universums ist.

Ein alter Mann rekrutiert eine Gruppe grobschlächtiger, einfältiger Neonazis.

Und all das in Berlin, kurz nach der Wende. Natürlich hängt alles irgendwie zusammen

Aber um was geht es eigentlich? Es geht um Liebe. In all ihren Formen und Ausformungen. Es geht um Verrat. Um Glauben. Um Kompromisslosigkeit. Um Erkenntnisse. Um den Sinn, der sich hinter all unserem Tun und Schaffen Verbirgt. Wenn es diesen Sinn dennn überhaupt gibt.

Aber um was geht es wirklich?

Paul Andermanns, Psychologe bekommt eine Stelle als Postdoc in Potsdam. Dort verliebt er sich in Donatella. Die hält sich aber bedeckt und spielt scheinbar ein bisschen mit ihm. Im Krankenhaus lernt er Josef de Heer kennen. Der erzählt ihm von seinem Leben als jüdischer Junge im Berlin der 30er Jahre. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erklärt Paul sich bereit sich de Heers Lebensgeschichte anzuhören und aufzuschreiben.

Goldfarb ist ein rennomierter Wissenschaftler. Wir erfahren auszugsweise auch seine Lebensgeschichte. Wie seine Mutter, Jüdin und Kommunistin vor den Nazis in die USA flieht. Was ihn dazu bewegt Physik zu studieren, und was ihn nach New Mexico verschlägt.

Die Rahmenhandlung ist das, was Paul in Potsdam widerfährt. Das ist allerdings der kleinste Teil. Der Großteil des Buches besteht aber aus der Geschichte de Heers und der Goldfarbs. Die anfangs noch sehr weit auseinanderliegenden Erzählfäden verflechten sich erst spät. Erst nach fast 150 Seiten hat man langsam eine Idee, um was es gehen könnte. Nach 400 Seiten ist die Idee schon ausgereifter, aber noch nicht befriedigend. Nach etwa 700 Seiten hat sich die Idee zu einer Ahnung entwickelt. Man glaubt zu wissen was auf den letzten 250 Seiten geschehen könnte. Etwa 100 Seiten später hat sich alles geändert. Die vorher so schöne Ahnung, die ja fast schon Gewissheit war pulverisiert sich plötzlich. Allerdings steigt Phönixartig schon eine neue Idee auf, eine neue Ahnung. Die Erzählfäden sind aufs dichteste miteinander verschlungen. Schließlich, nach 955 Seiten ist das Buch am Ende angelangt. Jetzt versteht man wirklich. Jetzt kann man auch sagen um was es wirklich in dem Buch gegangen ist.

Das Ende des Buches ist total überraschend, es schlägt ein wie eine Bombe, scheint übertrieben, unlogisch. Aber es passt. Das Ende muss (wenn man das Buch in seiner Gesamtheit betrachtet) so kommen.

Der Schreibstil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Teilweise schreibt Verhaeghen erst was passiert, dann wie es dazu kam, um dann wieder darauf zurückzukommen was passiert. Ein Kapitel enthält mindestens 2 Storys (meißt eine in der Gegenwart, eine in der Vergangenheit). Der Wechsel zwischen den beiden Geschichten macht sich nur dadurch deutlich, dass die Absätze mit einem Stern * getrennt sind. Und, aber auch nicht immer, im Wechsel des Erzählstils, bzw. der Erzählperspektive. Das kann mitunter durchaus verwirren. Dieses Buch will aufmerksam gelesen werden. Nichts für zwischendurch. Hier ist Konzentration gefragt. Aber auch Allgemeinwissen. Um manche Hintergründe muss man Kenntnis haben um zu verstehen, um was es geht.

Die Geschichte ist in vier Teile eingeteilt. Tamas, Rajas, Sattva (den drei Gunas der indischen Philosophie) und Om.

Das Buch besitzt ein Inhaltsverzeichnis. In diesem sind jeweils kurze Inhaltsangaben der einzelnen Kapitel. Natürlich sollte man sich diese nicht vorher durchlesen, auch wenn sie nicht allzuviel verraten. Da ein Kapitel aber mitunter auch um die 100 Seiten umfasst, erfährt man schnell zuviel über den weiteren Verlauf. Nachdem man das Buch oder das entsprechende Kapitel gelesen hat, kann es aber durchaus hilfreich sein nochmal in ein paar Sätzen den wesentlichen Inhalt zu erfahren.

In der Geschichte gibt es immer wieder erotische Szenen. Verhaehgen beschreibt diese sehr Detailgetreu (beinahe etwas pornografisch), oft etwas Ironisch. Er selbst hat in einem Interview gesagt: "Aber wie viele Europäer habe ich das doppelbödige Bedürfnis, eine Ideengeschichte zu schreiben, die sich mit einer großen Portion Ironie und Erotik »verkleiden« lässt".

Verhaeghen sagt zur Thematik des Buches unter anderem: "Die Hauptfrage für mich war: »Wie vereinbaren Menschen das Persönliche mit dem Historischen? Welche Art von Entscheidungen treffen sie bzw. treffen sie überhaupt Entscheidungen? Was ist historische Kurzsichtigkeit? Wie bekämpft man den wachsenden Zynismus um sich herum und in sich selbst bzw. tut man es überhaupt?«"

Wenn ich das Buch in zwei Wörtern zusammenfasse, dann lauten diese: Liebe und Menschsein. Das klingt sehr hochgestochen, darauf kommt man aber erst dann, wenn das Buch gelesen ist.

Es ist keineswegs ein Liebesroman. Es geht eher um Authenzität. Ich denke dieses Buch schafft es zu erschüttern und aufzuhorchen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligent und umfassend! 20. Oktober 2012
Von dubidu
Format:Gebundene Ausgabe
Was für ein Roman! Und leider wieder so einer, der in den Buchhandlungen verstaubt und verschimmelt oder als Mängelexemplar verramscht wird. Es ist ein spannendes „Fast-1000-Seiten-Epos“, das viele Zeitebenen und zahlreiche Handlungsstränge miteinander verknüpft - von der Judenverfolgung über Neonazis bis zur Atombombe; es handelt von Sex, Liebe, Verrat, Hass, Rache und Erkenntnis. Der Leser wird mitgerissen von den authentisch und umfassend gezeichneten Protagonisten, z.B. die Videokünstlerin Nebula, die vorgibt, einen Film über neonazistische Umtriebe zu drehen, aber ganz andere Ziele verfolgt. Oder Hugo, der kräftige Neonazi, der mit seinen Stiefeln alles zertritt, was sich ihm in den Weg stellt.

Verhaeghen schildert die unbeschreiblichen Qualen in den Konzentrationslagern so erschütternd, obwohl sich das Gefühl einstellt, man habe das alles schon einmal gelesen. Und siehe da, diese qualvolle Episode entpuppt sich schließlich als Zitate von Zeitzeugen, was aber den Gesamteindruck überhaupt nicht stört.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Große Themen, große Gefühle, große Literatur 13. Oktober 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch ist extrem intensiv. Auf nicht weniger als 955 Seiten verdichtet der Autor äußerst detailliert mehrere große Themen wie den Holocaust - und zwar mit Blicken hinter die Nazi- und die Judenseite, die Entwicklung der Atombombe, die Trennung und Wiedervereinigung Deutschlands sowie dramatische Liebesgeschichten, jedoch auch die ein oder andere ausgeklügelte Intrige. Hier werden Kriege, physikalische Formeln, philosophische Ansätze und Sexakte Seite an Seite beschrieben. Geschichte wird äußerst kritisch der Gegenwart (und Zukunft) gegenübergestellt. Auch die Sprache ist intensiv, gewöhnungsbedürftig und anspruchsvoll. Diese immense Intensität zusammen mit ständigen Wechseln in der Erzählperspektive und anfangs vier Parallelhandlungssträngen, die sich im Laufe des Buches annähern und verzweigen, machen das Werk an keiner Stelle zu leichter Lektüre. Doch das Durchhalten lohnt sich, denn das Ende ist mindestens so gewaltig wie die vorangehenden Geschichten, Dialoge und Monologe. Von letzteren hätten mir allerdings auch ein paar weniger genügt. Im Fazit bietet dieses Buch jedoch so ziemlich alles, was ein Leser von einem Buch wollen kann: Spannung, Romantik, Wissen, Philosophisches. Dazu erweitert es definitiv den Horizont!
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