In den letzten drei Wochen habe ich etliche Foto-Streifzüge und Experimente mit der E-PM1 unternommen, und sie kommt meiner Idealvorstellung von einer Allzweck-Kamera sehr nahe.
Seit nunmehr 30 Jahren fotografiere ich recht intensiv. Zu Analogzeiten habe ich Filme selbst entwickelt und Vergrößerungen selbst angefertigt. Im Laufe der Zeit hatte ich eine ganz ordentliche Spiegelreflex-Ausrüstung beisammen,nur um festzustellen, dass ich gefühlte 80% meiner Fotos mit der Automatik-Knipse gemacht habe. Mehrere Kilo Fotoausrüstung auf Berge zu schleppen oder mit dem Rad durch die Gegend zu fahren ist halt nicht wirklich praktisch.
Dann kaufte ich mir die Olympus 5050Z. Was für ein Genuss! Eine kleine Kamera mit bestechend guter Bildqualität und sehr gutem Handling, dabei richtig stabil. Ich habe sehr viele Fotos mit der 5050Z gemacht. Mir fehlten nur 3 Dinge zur völligen Zufriedenheit:
- Mehr Weitwinkel; die umgerechnet 35 mm der 5050Z waren doch oft zu wenig; der Telebereich war fast immer völlig ausreichend
- Weniger Rauschen; bei 64 oder 100 ASA machte die 5050Z wunderbare Aufnahmen, 200 ASA war kaum brauchbar, darüber war Schluss
- Schnellerer Autofokus; ab und zu fotografiere ich bei Sportveranstaltungen.
Eigentlich wollte ich mir die XZ-1 kaufen, aber die Vergleichsaufnahmen bei dp-Review machten mich nachdenklich. Dann habe ich ein paar Vergleichsaufnahmen mit der XZ-1 und der E-PL2 geschossen, und die Entscheidung war klar: es musste eine Pen sein! Zunächst liebäugelte ich mit der E-PL2, wegen des schnelleren Autofokus entschied ich mich dann aber für die E-PM1, mit etwas Bauchschmerzen wegen der geringen Größe und der reduzierten Bedienelemente.
Wegen des günstigen Preises habe ich bei Amazon das Doppel-Zoom-Kit erworben, und das war eine gute Entscheidung. Die Kamera gefiel mir schon beim Auspacken, und nach 3 Wochen und ca. 400 Fotos weiß ich, dass die E-PM1 genau die Kamera für mich ist.
Die Bildqualität ist unter allen Umständen sehr gut, solange man unter 1600 ASA bleibt. Unkritische Motive kann man auch mit 3200 ASA noch fotografieren, wenn man sich beim Ausdruck auf Postkartenformat beschränkt. Bei 200 und 400 ASA liefern schon die Set-Objektive sehr gute Resultate, die MFT-Festbrennweiten sollen ja noch ein ganzes Stück besser und vor allem lichtstärker sein.
Die Bedienung ist trotz der wenigen Bedienelemente recht komfortabel. Das Umstellen der häufig benutzten Parameter geht trotz fehlendem Einstellrad für die Aufnahmemodi sehr gut, sogar mit Handschuhen. Der Druck auf den "Menü"-Knopf zeigt einem die verschiedenen Aufnahmemodi "Art", "iAuto", "SCN", den Filmmodus und die Programmautomatik sowie das Setup-Menü. "Art" beinhaltet die 6 Art-Filter "Pop-Art", "Soft-Fokus", "Lochkamera", "Monochrom", "Diorama" und "Dramatischer Effekt", mit denen Fotos bei der Aufnahme mehr oder weniger verfremdet werden können. Man kann sie aber auch im Nachhinein einsetzen.
"iAuto" lässt die Einstellung diverser Parameter wie Farbsättigung, Kontrast, Schärfentiefe und Farbtemperatur über die 4-Wege-Taste zu.
"SCN" enthält die typischen Szenerie-Programme wie "Porträt", "Kinder", "Kerzenlicht" etc., wobei auch so sinnvolle Sachen wie "High Key" und "Low Key" vertreten sind.
Das Film-Menü beinhaltet die Einstellungen für Videoclips.
Die Programmautomatik bietet die typischen Möglichkeiten der Vollautomatik (mit Shift), Zeit- und Blendenautomatik und manuelle Einstellung.
Das umfangreiche und ziemlich verschachtelte Setup-Menü enthält eine große Vielzahl von Einstellungen, die teilweise recht eigenwillig geordnet wurden. Es war ein Blick in das Handbuch, das leider nur auf CD mitgeliefert wird, nötig, um herauszufinden, wie man die feinste JPEG-Stufe einstellt. Man kann an der Kamera aber so ziemlich jeden Parameter einstellen (oder verstellen!), den man sich vorstellen kann. Für ambitionierte Fotografen lohnt der Blick ins Handbuch allemal. An dieser Stelle macht sich der Mangel an Bedienelementen negativ bemerkbar, wobei ich das nicht schlimm finde. Viele Sachen stellt man einmal ein und lässt sie dann so, außerdem kann man mehrere persönliche Profile anlegen für den Fall, dass man doch mehrere unterschiedliche Einstellungen ständig verfügbar haben möchte.
Da ich ein Fan von Available-Light-Fotos bin, habe ich die E-PM1 ausgiebig in dem Bereich ausprobiert und bin kurz nach Sonnenuntergang auf die zugefrorene Außenalster gegangen und konnte etliche gute Bilder machen. Dabei konnte ich feststellen, dass die Kamera trotz ihrer geringen Größe sogar mit Handschuhen gut bedienbar ist. Allerdings führt eine Belichtungszeit von 1/8 Sekunde aus der freien Hand trotz Bildstabilisator nur mit sehr viel Übung zu scharfen Bildern...
Zuhaus stellte ich dann fest, dass werkseitig nicht die beste JPEG-Qualität eingestellt war und die Bilder bei 800 und 1600 ASA in den Details etwas matschig waren. Ich habe auf RAW umgestellt, und die Bildqualität ist seitdem ohne Tadel. Lediglich der Dynamikumfang ist teilweise etwas knapp.
Der Autofokus ist in der Tat sehr schnell und auch in schummrigen Umgebungen sicher. Ich habe nur die 9 zentralen Messfelder aktiviert, da weiss ich wenigstens, auf was die Kamera gerade fokussiert.
Niedlich ist der mitgelieferte Blitz. Da ich ihn sowieso nur als Steuerung für andere Blitzgeräte benötige, finde ich die Entscheidung richtig, der Kamera keinen fest eingebauten Blitz zu spendieren, der dann wegen des kleinen Gehäuses nur zu roten Augen und Verschattungen durch den Objektivtubus führt.
Das Beste aber ist, dass ich die Kamera mit beiden Set-Objektiven bequem in das Täschchen bekomme, in dem ich zuvor die 5050Z aufbewahrte. Die Kamera nur mit dem 14-42R passt in eine Anoraktasche. Durch die Kunststofffassungen sind beide Set-Objektive sehr leicht, und auch das 40-150 führt an der kleinen Kamera nicht zu ungünstigen Schwerpunktverhältnissen.
Zusammenfassung:
Pro:
- Kleine und trotzdem handliche Kamera
- Gute Verarbeitungsqualität
- Sehr gute Bildqualität bis 800 ASA
- Große Funktionsvielfalt
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Schneller Autofokus
- Etabliertes System mit großer Auswahl an Objektiven und Zubehör
Contra:
- im Vergleich zu APS-C kleinerer Sensor mit schlechterem Rauschverhalten
- kein optischer Sucher, elektronischer Sucher nur als optionales Zubehör
- Bedienung durch wenige Bedienelemente etwas menülastig
Für mich ist die E-PM1 genau der richtige Kompromiss: Eine Kamera, die man überall mühelos mit hinnehmen kann, mit der Bildqualität und den Funktionen einer SLR/Systemkamera. Ich vergebe 4 Punkte, weil ein Kompromiss nun mal gewisse Einschränkungen mit sich bringt und einige Dinge besser gelöst werden könnten (leichte Gummierung an der Vorderseite für besseren Grip, Menüaufbau, werkseitige Voreinstellungen).