Eines vorweg: Ich besitze die OLYMPUS SP-800UZ nicht, aber ich konnte sie im Urlaub 10 Tage lang ausgiebig testen. Im Gegenzug hat ein Freund meine Nikon Coolpix P100 näher unter die Lupe genommen. Zwei neue Kameras, die in der selben Liga spielen und doch sehr unterschiedlich sind! Hier mein Erfahrungsbericht:
Beeindruckend bei der OLYMPUS ist der gewaltige Zoombereich. Es reizt natürlich sofort, dieses "Fernrohr" bis zum Anschlag auszufahren und vom Vogel auf dem Baum ein Porträt zu schießen. Aber selbst die ruhigste Hand kann nicht verhindern, dass der Vogel bedenklich wackelt. Die Kombination aus optischer und digitaler Bildstabilisierung verhindert zwar Schlimmeres, aber man erkauft sich die automatische Verwacklungsbremse mit sehr hohen ISO-Werten, großer Blende und kurzer Belichtungszeit. Wenn man das Ergebnis auf dem PC-Monitor betrachtet, ist man etwas ernüchtert. Das gilt natürlich auch für die NIKON, aber ihr 26-facher Zoom kommt mit dieser Herausforderung deutlich besser zurecht. Meine Erfahrung: wer den 30-fachen Zoom der OLYMPUS voll nutzen will, muss entweder Einbußen an Schärfe und Kontrast hinnehmen, oder er braucht noch ein "externes" Stabilisierungsprogramm, nämlich ein Stativ!
Bei der Auflösung gehen OLYMPUS und NIKON verschiedene Wege. NIKON hat im Vergleich zum Vorgängermodell von 12 auf 10 Megapixel abgespeckt. OLYMPUS hat von 12 auf fast 15 Megapixel aufgerüstet. Eine gewagte Entscheidung, denn je enger sich die Pixel drängeln, desto höher ist die Rauschgefahr. Richtig belichtete Fotos liefert die OLYMPUS immer ab, und unter optimalen Aufnahmebedingungen macht sich die höhere Auflösung positiv bemerkbar. Aber manchen Fotos sieht man deutlich an, dass diverse kamerainterne "Bildverbesserungsprogramme" auf Hochtouren gelaufen sind.
Von der DSLR bin ich es gewohnt, mit den klassischen Programmen (Programm-Automatik, Blenden-Automatik, Zeit-Automatik, manuelle Einstellung) zu arbeiten. Die OLYMPUS verzichtet im Gegensatz zur NIKON auf diese Standard-Programme. Das Zauberprogramm heißt "intelligenter Auto-Modus". Für die meisten Aufnahmebedingungen arbeitet diese "intelligente" Automatik sehr zuverlässig und korrekt. Allerdings ist nicht zu übersehen, dass die interne "Kameraintelligenz" im Bedarfsfall gewaltig nachbessert, wenn die Pixel mal aus der Reihe tanzen. Ein Qualitätsverlust ist dabei nicht zu vermeiden.
Die OLYMPUS imponiert mit über 20 Motiv-Programmen. Es gibt kaum eine Aufnahmesituation, für die OLYMPUS kein Spezialprogramm im Angebot hätte. Aber diese Programme können auch nicht zaubern. Sie gehorchen auch nur den fotografischen Gesetzen, welche sich mit der richtigen Kombination von Zeit, Blende und ISO-Wert begnügen müssen. Den Rest besorgen kamerainterne "Schönheitsoperationen". Wer für jede Situation das richtige Motiv-Programm aktivieren will, verliert sehr schnell den Überblick und denkt im Bedarfsfall nicht mehr an die vielen Optionen, welche die OLYMPUS für diesen Fall vorgesehen und berechnet hat.
Die Bedienung der OLYMPUS ist für mich etwas gewöhnungsdedürftig. Ich vermisste die gewohnten Tasten und Knöpfe der NIKON. Bei der OLYMPUS wird alles über ein zentrales Einstellrad und übers Menü gesteuert und geregelt. Das Menü ist klar gegliedert und sehr umfangreich und bietet sogar ausführliche Informationen, die sonst nur im Handbuch stehen. Ich fand es allerdings etwas umständlich, bei jeder Einstellung durch das "Betriebssystem" zu navigieren.
Beide Kameras haben ein angenehm großes 3-Zoll-Display, welches bei der OLYMPUS leider nicht beweglich ist. Im Vergleich zur NIKON (460.000 Bildpunkte) ist die Displayauflösung bei der OLYMPUS (230.000 Bildpunkte) deutlich gröber gestrickt, was die detailgetreue Beurteilung des Motivs erschwert. Das fällt deshalb besonders ins Gewicht, weil die OLYMPUS über keinen separaten Sucher verfügt.
Richtig gut finde ich, dass die OLYMPUS einen 2GB-Speicher hat. Da ist viel Spielraum für schnelle Fotos und Videos. Und der interne Speicher liest und speichert schneller als die beste SDHC-Card. Da sieht die NIKON mit ihrem 43MB-Puffer ziemlich alt aus.
Ich habe für 10 Tage meine brandneue NIKON P100 in "fremde Hände" gegeben und dafür die genauso brandneue OLYMPUS SP800UZ in die Hand genommen. Mein Eindruck war gemischt. Wer eine schnelle und in jeder Situation richtig reagierende Kamera mit hoher Auflösung und außergewöhnlich großem Zoombereich sucht, trifft mit der neuen OLYMPUS bestimmt keine schlechte Wahl. Allerdings sollte er sich nicht durch die imponierenden Eckdaten (30-facher Zoom, 15 Megapixel, "tausend" Motivprogramme) blenden lassen.
Die OLYMPUS hat ihre Qualitäten als universell einsetzbare Schnappschuss-Kamera, die aus jeder Situation das Beste macht und über eine hohe Auflösung und einen konkurrenzlosen Zoombereich verfügt. Sie ist blitzschnell, unkompliziert, leicht, und außerdem ist sie sehr preiswert. Aber wer seine Fotos manchmal lieber selber gestaltet und nicht so sehr auf Zoom- und Pixelhöchstleistungen schaut, hätte mit der NIKON P100 eine gute Alternative.