Was hab ich mich gefreut, als der kleine PCM Recorder hier ankam und ich endlich die Gelegenheit bekam das neueste Werk aus dem Hause Olympus zu testen. Denn auf Abbildungen und im technischen Datenblatt versprach er ja schon im Vorfeld so einiges. Nur gut, dass ich mit der Rezension noch nicht vorschnell begann, sondern erst eine Woche ausgiebige Testzeit vorausging.
Denn wenn man die Sache als Ganzes betrachtet, steckt der Teufel wie so oft im Detail.
Optik und Haptik:
Ja klar, er sieht natürlich auch so wertig aus wie auf den Fotos - wenn der erste Blick darauf fällt.
Schnell jedoch stellt sich Ernüchterung auf Grund der Plastikbauweise ein. Ein klappernder Ein-
und Ausschalter auf der linken Seite und ein klappernder Audio-Videoumschalter auf der rechten
Seite stören den ersten Eindruck doch heftig. Denn schließlich handelt es sich hier um ein recht
präzises Aufnahmeinstrument und somit fallen Klapperteile unter die Rubrik "No-Go".
Mit eingelegtem Akku wiegt das Gerät nur ganze 155g. Was sich beim Transport als Vorteil, beim
Handling eher als Nachteil herausstellt. Man vermisst einfach die Griffigkeit. Am unteren Teil ist
zwar auch noch eine Art Raster angebracht um ein 'aus der Hand rutschen' zu vermeiden, allerdings
hätte ich persönlich an dieser Stelle gern eine Gummierung gesehen. Und das auch nicht zuletzt wegen der Vermeidung oder zumindest Verringerung der Griffgeräusche bei einer Aufnahme.
Die Tasten sind allesamt mit einem sehr guten Druckpunkt versehen, was eine versehentliche Betätigung der selbigen wunderbar unterbindet. Aufnahme und Löschtaste sind farblich gekennzeichnet, was ein einfacheres Arbeiten unter schlechten Lichtverhältnissen ermöglicht.
Erstinbetriebnahme und Menü:
Leichter geht's kaum. Akku rein und die mitgelieferte 2GB SD Karte an den dafür vorgesehen Ort
eingeschoben, und schon kann's losgehen. Das Olympus zeichnet sich durch ein klar strukturiertes Menü aus, mit dem auch Anfänger keinerlei Probleme haben werden. Wenn doch, hilft hier die umfangreiche Bedienungsanleitung aus PAPIER, man kann's gar nicht groß genug schreiben, weiter.
Neigen doch viele Hersteller heutzutage zu einer PDF Anleitung, die mir nur nichts nutzt wenn ich gerade unterwegs bin.
Ein wenig nervig ist das Aufladen des Akkus. Denn einfach mal so das Kabel stecken ist nicht. Der will
schon genau wissen was man jetzt tun möchte. Entweder mit PC verbinden oder Akku aufladen. Für beides wird nämlich derselbe Mini-USB Anschluss benutzt. Achtung: Möglichst immer das originale Aufladeset verwenden.
Nicht versuchen ein anderes Netzteil mit dem man beispielsweise das Navi
auflädt zu benutzen. Stecker sind zwar die gleichen und anfangs zeigt er auch an, dass geladen wird.
Danach bricht er aber ab und der Akku entlädt sich. Ich schreib das nur, um bei euch Glubschaugen zu vermeiden wenn das Ding auf einmal tot ist. Keine Angst, es erholt sich dann auch wieder. Eine Schutzschaltung verhindert Schlimmeres.
Aufnahme Audio:
Also flink ist das Kerlchen. Aus dem Ruhezustand benötigt es gerade mal 5 Sekunden um eine Aufnahme zu starten. Respekt. Ich arbeite eigentlich mit dem Zoom H4N und muss sagen, dass dieser um Welten langsamer ist, da sich dort erst ganz gemächlich ein Menü lädt. Für ganz spontane Aufnahmen ist es also genau das richtige Gerät.
Die Mikrofone sind vibrationsarm gelagert und haben einen 45 Grad Winkel. Da wir natürlich zwei Stück davon haben ergibt sich somit eine Raumabdeckung von 90 Grad. Das sollte in den meisten Fällen vollkommen ausreichen. Wahlweise kann man im PCM (WAVE) Format oder aber in MP3 aufzeichnen. Auch dort gibt es natürlich noch weitere Qualitätsstufen einzustellen. Ich würde natürlich immer Wave vorziehen, da die Platzeinsparung durch komprimierten MP3 Sound heutzutage bei der Größe der verfügbaren Speicherkarten lächerlich ist.
Möglich ist maximal Stereoaufzeichnung. Anders als beim oben erwähnten Zoom H4N sind keine Buchsen für rückwertige Mikrofone angebracht um dem Gerät später Dolby 5.1 zu entlocken oder gar separate Spuren aufzunehmen. Dazu ist es meiner Meinung nach auch nicht konzipiert.
Der Sound kann sich absolut hören lassen! Eine ganz feine Auflösung in den Höhen, die gepaart mit der ausgezeichneten räumlichen Abbildung ein rundum gelungenes Gesamtbild ergeben. Ich war und bin auch immer noch beeindruckt. Da waren meine Erwartungen deutlich niedriger.
Für Innenaufnahmen bestens geeignet, stoßen wir allerdings bei der Verwendung als Fieldrecorder im Außenbereich schnell wieder an die Grenzen. Auch diese Mikrofone verzeihen keinerlei Windgeräusche. Und da sind wir in einem Dilemma. Denn genau zwischen den Mikrofonen sitzt leider auch das Kameraobjektiv. Setzen wir nun einen Dead Cat oder einen Schaumstoff Popschutz auf, hat sich das mit der Videoaufnahme erledigt. Dort heißt es dann entweder Video mit Nachvertonung oder nur Audio ohne Bild. Das ist ganz schlecht durchdacht. Man hätte wenigstens kleine Zwischenräume an den Mikrofonen einlassen können um Miniwindschutze z.B. von Rycote anbringen zu können. Da steckt Olympus leider noch in den Kinderschuhen. Erwähnenswert ist vielleicht noch die Möglichkeit der Voice-Sync Funktion. Damit kann man vorher einen Lautstärkepegel einstellen. Wird dieser überschritten, nimmt das Gerät automatisch auf und schaltet bei Unterschreitung wieder ab. Gut für eine Raumüberwachung. Beim normalen Recording lässt sich der Pegel entweder automatisch oder manuell einstellen. Ich würde immer die manuelle Regelung empfehlen, da er im Automatikmodus deutlich und sehr unschön pumpt. Über Kopfhörer besonders gut (oder schlecht) zu hören. Ansonsten sind noch Limiter und Low Cut Filter verbaut. Naja, der Limiter tut irgendwie seine Arbeit. Ich würde ihn aber nur bei z.B. Konzerten einsetzen, da man dort sicher nicht die Möglichkeit hat ständig auf's Display zu schielen. Der Low Cut hat nur eine 100Hz oder 300Hz Filterung. Zu wenig um effizient damit arbeiten zu können. Also wählen wir die dritte Möglichkeit und lassen ihn aus. Das Gleiche sollte man auch mit dem Equalizer tun. Nehmt einfach linear auf und mixt euch den Sound im Homestudio zurecht. Denn ist die Frequenz erst mal weg, kriegt ihr sie auch nicht wieder. Logisch ;-)
Aufnahme Video:
Naja, wer meine Rezensionen kennt, weiß was ich von solchen Zwittergeräten halte.
Full HD ist möglich aber auch niedrigere Auflösungen für's Web sind einstellbar. Als Webcam
fungiert es auch noch, also wer's braucht...
Für Aufnahmen auf einem Stativ, Standard Stativanschluss befindet sich erfreulicherweise auf der Rückseite, mag das Teil ja durchaus brauchbar sein. Ein Bildstabilisator ist auch verbaut, allerdings vermochte ich keine großartigen Unterschiede zu erkennen. Somit ist es für Spontanaufnahmen aus der Hand fast gänzlich unbrauchbar. Denn auch das Handling ist völlig ungewohnt. Man muss die Kamera ja flach halten. Als Spionagekamera fällt das gute Stück aber nicht großartig auf. Das wäre vielleicht noch eine Anwendungsmöglichkeit. Den eingebauten 4fach Zoom kann man getrost vergessen, genau wie die eingebauten 'Filmeffekte'. Trotz alledem reagiert die Kamera sehr schnell auf unterschiedliche Belichtungssituationen und passt sich ebenso schnell selbigen an. Das fand ich schon erstaunlich.
Allgemeines:
Hier ist natürlich an erster Stelle wieder das leidige Problem mit den Akkus anzusprechen.
Die Kapazität beim Filmen in Full HD bei niedrigster Wave Auflösung betrug bei meinem Modell
nicht mal eine Stunde. Dann war er breit. Tja, ein Ersatzakku kostet dann aber auch schon mal ein wenig wenn man eine hohe Kapazität haben möchte, denn natürlich handelt es sich um Spezialakkus und nicht etwa um handelsübliche AAA's. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Ein Transportcase im Lieferumfang vermisse ich bei einem Präzisionsinstrument wie diesem ebenso schmerzlich. Auch das Ladekabel ist mit einer Länge von 95cm nicht gerade üppig bemessen.
Am Gerät findet sich noch ein Kopfhöreranschluss 3,5mm Klinke, sehr gut zur Soundeinstellung vor einem Event. Ebenfalls mit gleicher Klinkenart ausgestattet ein zusätzlicher stereophoner Mikrofonanschluss. Zu was man den braucht, erschließt sich mir nicht so ganz, außer man steckt vielleicht ein Lavaliermikrofon (Kravattenmikro) an. Aber ganz umsonst ist der Anschluss dennoch nicht, denn man kann damit auch von externen Geräten einen Sound überspielen. Im Menü muss dann lediglich von Mikro auf Line umgestellt werden. Nicht schlecht.
Fazit:
Für wen ist das Olympus LS-20M nun geeignet?
Nun in erster Linie für Musiker bei einer Jam Session. Die Jungs die ich kenne sind sowieso allesamt
Puristen und würden den Stereosound so oder so als Optimum ansehen und 5.1 gar nicht vermissen. Auch für den Heimgebrauch zur Tonaufzeichnung einer Akustikgitarre z.B. geht das Gerät absolut in Ordnung. Als Diktiergerät würde ich schon wieder Einschränkungen machen, da man dem Recorder auf Grund der Wind- (oder Spuck) Lastigkeit nicht zu nahe kommen sollte. Es sei denn mit Popschutz. Dann funktioniert es wieder ausgezeichnet.
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