Als Canon DSLR Nutzer (5D Mark I und II, diverse 1er Gehäuse...) habe ich mich auf meine erste spiegellose Systemkamera mit µFT Bajonett sehr gefreut. Die spiegellosen Systemkameras (also mit Wechselobjektiv) werden im Internet auch gern als Evil-Kamera (böse Kamera) bezeichnet, da sie mitunter schon als Bezwinger der Gattung der digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) angesehen werden.
Ganz ehrlich, ich habe die Kameras mit dem µFT Bajonett immer belächelt und als Spielzeug abgetan. Aber soviel sei vorweg schon verraten, ich wurde eines Besseren belehrt.....
Lieferumfang
Kamera
Zoomobjektiv 14-42mm
kleiner Aufsteckblitz
Kameragurt
Akku
Ladegerät
div. Kabel zum Anschluss der Kamera an den Fernseher
CD mit Bedienungsanleitung + Olympus Software (RAW Konverter, Bildbetrachter.... )
Kurzanleitung in div. Sprachen (durchaus dickes Büchlein, kein Faltblatt)
Zuerst
Klar, das sogenannte Unboxing. Es gibt Kamers, die werden mit mehr “Liebe” verpackt wo das auspacken eine wahre Freude ist. Bei der Pen gibt es einen farbenfrohen Karton, welcher aber im inneren eher zweckmäßig aufgeteilt ist.
Wie üblich ist alles gut verpackt, als täglicher DSLR Nutzer war ich doch von dem kleinen Gehäuse überrascht. Noch lustiger war die erste Begegnung mit dem beigelegten Zoomobjektiv (14-42mm), denn das kann, von der Größe her, wirklich als extrem niedlich bezeichnet werden :-)
Haptik
Die Kamera vermittelt einen grundsoliden Eindruck, nichts wackelt oder wirkt billig verarbeitet. Auf Grund des kleinen Gehäuses und dem großen 3” 16:9 Display sind die Tasten entsprechend klein ausgefallen und für große Hände nicht immer sicher zu treffen. Der Druckpunkt ist nicht immer 100% fühlbar und mitunter etwas schwammig.
Das Kit-Objektiv wirkt wie ein Spielzeug und der Kunstoff wirkt nicht unbedingt wertig, aber das täuscht. Der Fokusring läuft satt ohne Spiel und auch der Zoom arbeitet einwandfrei ohne Wackelei o.ä - saubere Verarbeitung.
Bedienungsanleitung
Es liegt ein wirklich dickes Handbuch dem Karton bei, wer jetzt aber glaubt, das es sich dabei um ein vollwertiges Manual handelt, wird schnell entäuscht, denn es handelt sich um eine Schnellanleitung in gefühlten 150 Sprachen, welche die Funktionen der Kamera nur sehr oberflächlich ankratzt. Das richtige Handbuch findet sich als PDF auf der beigelegten CD. Schade eigentlich.
Display
Obwohl die Kamera im 4:3 Bildformat Fotos auf Speicherkarte bannt, besitzt das Display 16:9 Abmessungen. Die dadurch im Fotomodus enstehenden schwarzen Ränder links und rechts werden mit sinnvollen Informationen gefüllt. Im Videomodus oder bei aktivierter Displaylupe im Fotobetrieb wird dann der komplette Bildschirm genutzt - in meinen Augen ein guter Kompromiss.
Für eine einfachere Bildkomposition können fünf verschiedene Gitter und Hilfslinien per Bedienmenu eingeblendet werden.
Das Display bietet mit 460000 Pixel eine ordentliche Auflösung, im DSLR-Bereich sind aber mittlerweile mehr Pixel an der Tagesordnung. Das Display ist relativ Blickwinkelstabil und bietet einen guten Kontrast sowie satte Farben.
Video
Natürlich kann die PEN FullHD Video, sogar mt 30 Bildern pro Sekunde. Leider ist die Länge eines Clips auf 30 Minuten beschränkt, danach muss die Aufnahme per Hand wieder gestartet werden. Die Kamera besitzt ein eingebautes Stereomikrofon, es können aber auch externe Mikrofone angeschlossen werden.
Handling
Bei der Pen handelt es sich um meine erste Digitalkamera aus dem Hause Olympus, von daher war klar das ich mich in die Bedienung einfuchsen muss. Die Menus sind mit unter extrem verschachtelt, Unterfunktionen sind reichhaltig vorhanden, aber dennoch sind alle Funktionen logisch kategorisiert. Nach etwas Einarbeitungszeit navigiert man zielsicher durch die diversen Menus und findet schnell die gesuchte Einstellung.
Features
Die Systemkameras protzen in der Regel mit einer Unmenge an zusätzlichen Funktionen, sp auch die Olympus Pen. Die Kamera bietet Bild-Effektfiltern in mehr als ausreichender Menge an - diese Filter werden bei Olympus Art Filter (12 in der Anzahl) und Art Effekte (6 Stück) genannt. Diese Filter werden bereits vor dem Auslösen der Kamera im Display als Live-Vorschau angezeigt - super!. Darüber hinaus gibt es die üblichen Modi, welche auch erwachsene Spiegelreflex-Kameras bieten : P, A, S und sogar ein vollmanueller Modus sind auf Wunsch aktivierbar.
Überhaupt zeigt die kleine Olympus viele pfiffige Detail-Lösungen. Die allte aufzuzählen, würde sicher den Rahmen sprengen, von daher hier mal meine persönlichen Highlights..
- Man kann die Displaylupe automatisch zuschalten lassen, sobald am Fokusring (also manuelle Fokussierung) gedreht wird. Stoppt die Drehung am Fokusring, springt das Display wieder auf die 100% Ansicht um.
- Der Bildstabilisator befindet sich (anders aks bei Panasonic) in der Kamera. Vorteil : Egal, welches MFT Objektiv aufgesteckt wird, der Stabi steht immer zur Verfügung.
- Live Bulb : Die Pen bietet (wie andere Kameras auch) die Möglichkeit der Langzeitbelichtung (bulb-Modus). Das pfiffige ist dabei, das man (anders als zB DSLRs) auf dem Display in Echtzeit sehen kann, wie langsam das Bild entsteht. So ist Lightpainting ein Kinderspiel und auch Feuerwerksfotografie gelingt auf Anhieb ohne mühsames Ausprobieren der richtigen Belichtungszeit.
Objektiv:
Bei dem Kit-Objektiv handelt es sich um das Olympus Digital 14-42mm 3.5-5.6 II R Zoom.
Für die Aufsteiger aus der Kompakt-Kamera Klasse : das Objektiv bietet einen 3x Zoom , was auf den ersten Blick nicht viel erscheint, aber der optischen Qualität zu Gute kommt.
Umgerechnet auf Kleinbild ergibt sich eine Brennweite von 28 - 84mm, also etwas Weitwinkel und oben ein leichtes Tele. Das Objektiv ist nicht wirklich lichtstark, was aber durch den Bildstabilisator in der Kamera kompensiert wird. Freistellen bei Portraits etc ist ebenfalls kaum möglich (es sei denn, man hat vieeel Platz hinter dem zu fotografierenden Objekt).
Der Autofokus ist rasend schnell und dabei sehr leise, bei Videoaufnahmen konnte ich bei der Sichtung kein AF-Geräusch unter normalen Umgebungsbedingungen feststellen.
Optisch weiß das kleine Zoom zu überzeugen - es spielt zwar nicht in der gleichen Liga wie die guten Festbrennweiten für Micro-Four-Thirds, ist aber besser als so manche Kit-Scherbe, welche bei Spiegelreflexkamera Kits mit beiliegt.
JPG-Engine
Die JPG Engine ist wirklich sehr gut. Die Bilder wirken (je nach Bildstil) sehr natürlich oder aber knackig. Der automatische Weißabgleich passt so gut wie immer und auch die Rauschunterdrückung opfert nur so viele Details bei größeren ISO Zahlen, wie unbedingt nötig. Hier hat sich Olympus viel Zeit mit der Abstimmung gelassen.
Serienbildgeschwindigkeit
Die ersten 2 Sekunden macht die PEN erstaunliche 8 Bilder pro Sekunde, bricht danach aber deutlich ein. Für kurze HighSpeed Sequenzen wie ein springender Hund oder der Schuß aufs Fußballtor jedoch mehr als ausreichend.
Bildqualität
Die PEN E-PM2 teilt sich den gleichen Sensor wie die größere Schwester, die OM-D E-M5, wodurch sich die Bildqualität auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Aus anderen Testberichten lässt sich entnehmen, das der Sensor der PEN bis ISO1600 eine Dynamik (Helligkeitsunterschiede von schwarz zu weiß) von ganzen 11 Blendenstufen darstellen kann, was für so einen kleinen Sensor mehr als erstaunlich ist und deutlich zeigt, wie weit diese kleinen Sensoren mittlerweile sind.
Leider beginnt die PEN erst bei ISO 200 und erlaubt nur eine maximale Verschlusszeit von 1/4000 Sekunde, was bei lichtstarken Objektiven (bei Offenblende) und hellem Umgebungslicht bzw Gegenlichtaufnahmen einen Graufilter nötig macht. Der ISO-Bereich geht von 200 - 25600.
HighISO
Kann die PEN HighIso? Oh ja, sie kann!
Meiner Meinung nach kann bis DIN A4 Ausbelichtungen problemlos die integrierte JPG-Engine mit ISO 6400 benutzt werden. Nutzt man die Möglichkeit des RAW Dateiformats und einen guten RAW Entwickler wie zB Lightroom 4 sollten auch ISO 12800 drin sein. Einfach super für die kleine Kamera!
AutoISO ist vorhanden, die obere und untere Grenze kann in den Einstellungen den eigenen Wünschen angepasst werden.
Autofokus
Ich habe bis jetzt noch keine Systemkamera/Kompaktkamera erlebt, die so rasant fokussiert wie die Pen! Ich kenne von der Leica X1, Fuji X100, Canon EOS-M und einigen Kameras mehr den eher gemächlichen Autofokus, aber was die PEN abliefert lässt so manche DSLR weit hinter sich! Einen direkter Vergleich mit meiner 5D Mark II (mittleres Feld) und dem EF 50 1.4 steht noch aus, gefühlt sind die beiden Kameras im Speed aber auf jeden Fall ebenbürtig.
Geschwindigkeit ist aber nicht alles, trifft der AF auch? Ja, so gut wie immer. Ein Tip auf das Display und das Motiv ist an der gewünschten Stelle knackscharf.
Natürlich gibt es auch verschiedene Autofokus-Modi wie AF-Tracking (Objekt wird verfolgt, praktisch zB bei schnellen Objekten) oder auch Autofokus mit der Möglichkeit manuell einzugreifen.
Weiterer Vorteil des Kontrast-Autofokus der PEN : Es gibt keine vorgegebenen AF-Felder wie bei DSLR Kameras, man tippt mit dem Finger irgendwo auf das Display und genau dort stellt auch die Kamera scharf.
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