Zeus als Begründer der Olympischen Spiele und die Götter als Athleten - so wollen es die griechischen Sagen. Wer nun tatsächlich auf die Idee zu dem Kräftemessen kam, ist nicht überliefert. Alles, was zu dem Thema Olympia in Athen zu recherchieren war, hat Autor Torsten Haselbauer in seinem Sport- und Reiseführer "Olympiastadt Athen" zusammen getragen. Doch er beschränkt sich nicht nur darauf, geschichtliche Daten in ganze Sätzen zu fassen. Die Vorstellung aller Sportstätten der Olypischen Spiele 2004 und ein detaillierter Blick auf die Lebenssituation im Athen des 21. Jahrhunderts runden das farbenfroh illustrierte Buch ab.
"Olympiastadt Athen" lässt sich im Prinzip in drei etwa gleich große Abschnitte unterteilen: Im ersten Drittel beschäftigt sich Torsten Haselbauer mit der olympischen Vergangenheit. Von der ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 776 v. Chr., über die originären Wettkämpfe wie Stadionlauf und Ringen bis hin zu den schon damals im Zuge der Spiele eingeleiteten Verbesserungen in der Infrastruktur (wie die Einrichtung von Wasserversorgung und Abfallsystem) lässt er keine Wünsche offen.
Der zweite Teil behandelt die neuzeitlichen Spiele, angefangen bei ihrer Einführung durch Pierre de Coubertin im Jahre 1896. Es ergeben sich "erstaunliche" Parallelen zur heutigen Zeit, wenn Torsten Haselbauer feststellt, dass die Sportstätten auch damals erst in letzter Minute fertiggestellt wurden. Besonders bemerkenswert sind die Ausführungen zu den Zwischenspielen von 1906: Obwohl in keiner offiziellen Statistik erwähnt, hatten sie eine große Auswirkung auf die weitere olympische Geschichte, denn erstmals campierten die Sportler im Olympischen Dorf. Außerdem konnten sich von da an zumindest die ersten Drei einer jeden Disziplin über Gold, Silber oder Bronze freuen. Vorher wurden nur die jeweiligen Sieger geehrt.
Der dritte Abschnitt gleicht am ehesten den handelsüblichen Städteführern, zeichnet sich aber durch das große Gespür für die Stadt und ihre Bewohner aus, das Torsten Haselbauer während seines mittlerweile drei Jahre dauernden Aufenthalts in der Metropole erworben hat. Kaum eine Beschreibung einer Sehenswürdigkeit oder Restaurant-Tipp ohne die Gewohnheiten der griechischen "Eingeborenen" einzuflechten.
Allen drei Sequenzen ist die starke Illustrierung des Fotografen Andreas Neumeier gemein. Sie und das permanente Einstreuen von Infokästen und Grafiken fördern das Lesevergnügen und lassen keine Langeweile aufkommen. Die Textqualität ist in Ordnung. Auffällig ist, dass der Autor das Stilmittel der Anführungszeichen etwas zu häufig verwendet. Was wohl zur Auflockerung des Buches gedacht war, wirkt so manchmal unbeholfen.
Nichtsdestotrotz überwiegen die positiven Aspekte bei weitem. Torsten Haselbauer hat mit "Olympiastadt Athen" den ehrgeizigen Versuch unternommen, Geschichtsbuch und Reiseführer in einem zu schreiben, und er ist ihm geglückt. Da die Olympischen Sommerspiele 2004 nur einen kleinen Teil des Buches ausmachen, lohnt sich der Kauf auch, wenn man Athen zu einem späteren Zeitpunkt einen Besuch abstatten will!