Diese Produktion aus dem Jahre 1933 ist die erste vertonte Filmversion des Klassikers von Charles Dickens bekanntesten Romanwerkes. Diese Information führt zu einer nachsichtigen Beurteilung dieser DVD, die das alte Werk leider mit einem stark rauschenden Ton, aber mit einem annehmbaren Bild in Schwarz-Weiß präsentiert. Der Film selbst zeigt eine zwar stark gekürzte Fassung von Oliver Twist, die aber durchaus ihren ganz eigenen Charme und eine wahrscheinlich unfreiwillig komische Note hat.
Am Anfang des Films wird das Buch mit dem Titel Oliver Twist aufgeschlagen und der erste Absatz des Werkes wird von einer Frauenstimme aus dem Off vorgetragen. Diese unsichtbare Erzählerin wird sich dann noch einmal einmischen, um die Handlung voranzutreiben, aber ansonsten bleibt dem Zuschauer die Macht der Bilder. Schon zu Beginn von Oliver Twists Leben wird dem kleinen Erdenbürger ein Unrecht zugefügt. Die arme, kranke Mutter stirbt kurz nach der Geburt ihres Sohnes und die habgierige und gewissenlose Hebamme hat nichts anderes im Sinn, als den einzigen Schmuck der Verblichenen, nämlich deren Ehering, zu stehlen. Dies wirft bei den Wohltätern der Öffentlichkeit ein schlechtes Licht auf das Neugeborene; hält man es doch für den Nachwuchs einer gefallenen Seele. Danach durchläuft Oliver das vorgeschriebene Protokoll für arme Waisenkinder. Als er jedoch im Armenhaus für einen Aufstand sorgt, als er im Essensaal einen Nachschlag erbittet, werden düstere Prognosen für seine Zukunft gestellt. Oliver selbst türmt in der Nacht und läuft sieben lange Tage nach London, wo er einsam und hungrig von einem aufmerksamen Burschen erblickt wird. Dieser gehört zu einer Diebesbande, welche dem Schurken Fagin unterstellt sind. Der Artful Dodger führt den kleinen Oliver ohne Gewissensbisse in die Stube der Bande, um ihn Fagin als neues Mitglied der Truppe zu empfehlen. Der ahnungslose Oliver freut sich über die freundliche Aufnahme, ohne etwas von dem wahren Geschäft der Versammelten zu ahnen. Als ihm beim ersten Ausflug mit den Dieben die Augen geöffnet werden, wird er beinahe als Taschentuchräuber verhaftet. Zum Glück begegnet er bei diesem Abenteuer dem netten Mr. Brownlow, der den kleinen Jungen sofort ins Herz schließt und ihn in sein Heim bringt. Doch das Diebesgesindel ist nicht bereit, den Jungen aufzugeben. Schließlich könnte es sein, dass der junge Freund plaudert und da gibt es so manches, was die Mitglieder dieser unrühmlichen Truppe an den Galgen bringen könnte...
Dickie Moore dürfte einer der jüngsten Oliver Twist Darsteller der Geschichte sein. Da er im September 1925 geboren wurde, dürfte er bei den Dreharbeiten wahrscheinlich erst acht Jahre alt gewesen sein. Das niedliche Kerlchen muss man natürlich einfach gerne haben! Im Übrigen glänzen die Darsteller ganz bestimmt nicht mit großem schauspielerischem Talent. Etwas hölzern wirken die einzelnen Szenen, die weder mit Musik unterlegt sind, noch durch geschliffene Dialoge bestechen. Erwähnenswert ist jedoch die Darstellung von Irving Pichel als Fagin, der seiner Rolle tatsächlich Charakter verleiht.
Ärgerlich ist natürlich das völlig irreführende Cover der DVD. Das Titelbild hat überhaupt nichts mit dem Film zu tun. Die Hinweise und Bilder auf der Rückseite sind jedoch korrekt.
Wer eine vollständige Sammlung von Oliver-Twist-Verfilmungen anstrebt, kann auf diesen Film sicher nicht verzichten. Wer jedoch besonderen Wert auf die Qualität eines Filmes legt, der wird von dieser Edition wahrscheinlich enttäuscht werden und sollte sich nach anderen, sehenswerten Alternativen umsehen.