Produktbeschreibungen
England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Der junge Oliver Twist (Barney Clark) wächst in ärmlichsten Verhältnissen und ohne Wärme und Geborgenheit im Waisenhaus auf. Als er bei einem Totengräber in die Lehre geschickt wird, gelingt ihm die Flucht nach London. Doch auch in der unheimlichen Großstadt steht ihm das Glück zunächst nicht zur Seite. Er gerät in die Fänge des berüchtigten Bandenchefs Fagin (Sir Ben Kingsley), der elternlose Jungs als Taschendiebe für sich arbeiten lässt. Noch schlimmer ist der skrupellose Gauner Bill Sykes (Jamie Foreman): Er zwingt Oliver dazu, bei seinem Gönner Mr. Brownlow (Edward Hardwicke) einzubrechen, wo er auf frischer Tat ertappt wird.
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Moviemans Kommentar zur DVD: Das scharf konturierte Bild sieht sich mit satten Farben und rauscharmen Ansichten ausgestattet. Auch akustisch hat die Disc viel zu bieten. Von zarten Details über beschwingte Musikstücke bis hin zu satten Effekten. Das Bonusprogramm steht dem in nichts nach. Zahlreiche Features bringen unzählige Details über die Produktion zu Tage. Außerdem lernt man die jungen Darsteller von einer persönlichen Seite kennen und erfährt Wissenswertes über die Romanvorlage. Eine in allen Belangen wirklich satte Ausstattung.
Bild: Das absolut saubere Bild weist nicht nur bezaubernde Farbstimmungen (Oliver auf Bank, 00:03:05), satte Töne und eine natürliche Palette auf, sondern auch eine hervorragende Schärfezeichnung, die sich nicht nur aufs Detail beschränkt, sondern z.B. Hautfalten auch auf etwas mehr Distanz noch äußerst plastisch abzubilden weiß (Stirnfalten, 00:03:57). Auch in punkto Rauschen und Artefakte lässt das Material kaum zu Wünschen übrig. Selbst auf hellen, monotonen Flächen lässt sich keinerlei Grieseln ausmachen und auch in schnelleren Kamerabewegungen bleibt das Bild, bis auf sehr minimale, kaum wahrnehmbare Eindellungen (Schwenk über Platz, 00:26:58) sehr stabil. Einzig der Kontrastumfang könnte ein wenig breiter ausfallen, so gibt es hin und wieder etwas Probleme mit Schwarztönen, die in düsteren Einstellungen als nur schwer definierbare Dunkelmasse auftreten (Oliver am Fenster, 00:41:41), hier kann es dann auch mal vorkommen, dass sich leichte Rauschblöcke auf einer schattigen Wand abzeichnen (graue Wand, 00:52:34). Sobald die Ausleuchtung hingegen gut ist - und sie ist meistens sogar perfekt - tauchen diese geringen Schwierigkeiten nicht auf. Außerdem sollten die leicht überzogenen Kontrastwerte auch als Stilmittel begriffen werden, das eingesetzt wurde, um die Szenerie malerischer erscheinen zu lassen.
Ton: Das Treiben in den Straßen Londons wird nicht nur optisch sehr vielfältig umgesetzt, auch auf akustischer Ebene bevölkert eine enorme Vielzahl von feinen Signalen den Raum und schafft es, gemeinsam mit der Musik ein harmonisches Ganzes zu erzeugen, das dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, er würde sich mitten im Geschehen befinden (Trubel in den Straßen, 00:29:11). Hühner Gackern vorne, Kutschen rattern nach links vorüber, Glocken schlagen von hinten und die Musik tönt angenehm aus der Seite. Aber nicht nur die Vielzahl an Einzelheiten wird in der Produktion bedient. Auch kraftvolle Effekte setzen sich mit Saft und Volumen durch (Donnerschlag, 01:18:42), nur etwas häufiger könnten sie dabei zum Einsatz kommen. Dialogtechnisch bietet das Original mehr Raumanteil auf sprachlicher Ebene aber auch die nur minimal flacher klingende Synchronisation kann durch Deutlichkeit und Basspräsenz mithalten.
Extras: "Hinter den Kulissen" eröffnet das Aufgebot an Extras. Dahinter verbergen sich folgende Features: Ein Making Of (20:14 Min.) erzählt in deutsch über die Geschichte von Charles Dickens und berichtet Polanskis Umsetzung. "Twist by Polanski" (28:36 Min.) beschäftigt sich mit der Arbeit Polanskis, seinen Motivationen für den Film. Teilweise wiederholen sich hier die Inhalte aus dem Making Of. "The Best of Twist" (17:47 Min.) zeigt den Regisseur bei der Arbeit am Set und dokumentiert über Interviews, Zeichnungen und Filmausschnitte, wie die Szenerie Londons entstand, diese mit Statisten bevölkert wurde. Die Bauarbeiten im Studio und das Produktionsdesign stehen hierbei im Vordergrund. "The Childrens Making Of" (26:12 Min.) setzt sich mit den Jungdarstellern auseinander. Die jungen Schauspieler führen uns durchs Set und geben ihre Auffassung von der Produktion kund. Außerdem können wir sie in der Maske, bei der Kostümprobe oder in den Drehpausen beim Spielen und Herumalbern beobachten. "Kidding with Oliver Twist" (5:40 Min.) zeigt den Hauptdarsteller bei einer Kartentrick-Darbietung und beim Vorlesen. Polanski kommentiert Bilder des Jungen, indem er seine Besetzung begründet. Im Weiteren bringt die DVD Interviews mit den Darstellern Barney Clark (0:53 Min.), Sir Ben Kingsley (2:11 Min.), Jamie Foreman (1:25 Min.), Regisseur Roman Polanski 2:35 Min.) und Drehbuchautor Ronald Harwood (1:30 Min.). Deutscher (2:17 Min.) und englischer (2:01 Min.) Kinotrailer sowie ein englischer TV-Spot (0:32 Min) kommen außerdem hinzu. Abschließend beinhaltet Disc 2, auf der sich diese Extras befinden, noch Cast & Crew-Infos in Textform zu Sir Ben Kingsley und Roman Polanski. Auf Disc 1 befindet sich zudem noch eine Trailershow, die sechs Programmtipps anbietet (10:02 Min.). --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Nach dem Erfolg von 'Der Pianist' wollte Roman Polanski einen Familienfilm drehen, ein Märchen für junge Menschen und einen Film für seine eigenen Kinder. Mit 'Oliver Twist', dem zweiten Roman des damals 25jährigen Charles Dickens, greift er einen zeitlosen Stoff auf - die Ausbeutung von Straßenkindern durch Kriminelle. Das Martyrium des 11-jährigen, der erst wie ein Sklave in den damals üblichen Arbeitshäusern der Gemeinde schuften musste, dann bei einem Leichenbestatter in die Lehre geht, nach London flieht und unter der Fuchtel des geldgierigen Fagin als Taschendieb arbeiten soll, ist wie ein düsterer Schicksals-Thriller inszeniert, am Ende des Alptraums steht die Erlösung - Oliver wird vom gutbürgerlichen Mr. Brownlow quasi adoptiert, bekommt ein Stück verlorene Kindheit zurück. Bis dahin schlägt sich der Findling mit allen Unbillen der Welt herum. Nicht nur Fagin hält ihn unter Kontrolle, noch skrupelloser behandelt ihn Obergauner Bill Sykes, der ihn zwingt, bei seinem Gönner Brownlow einzubrechen und nach einer Schussverletzung am liebsten loswerden möchte, sogar seine Geliebte Nancy abmurkst, als er Verrat wittert. Polanski stützt sich fast auf das ganze Team von 'Der Pianist' - angefangen von Drehbuchautor Ronald Harwood, über Kameramann Pawel Edelman, Ausstatter Allan Starski, Cutter Hervé de Luze bis hin zur exzellenten Kostümdesignerin Anna Sheppard. So verwundert die Perfektion des Gesamtkunstwerks nicht. Polanski strafft die Handlungsstränge, wie im Original wechseln sich Horror und Humor ab, das Gute und das Böse. Aussagekräftig die Charaktere, angefangen von der Neuentdeckung Barney Clark in der Titelrolle, eine probate Mischung aus Naivität, Unschuld und Durchsetzungswillen, Jamie Foreman als Sykes, die Verkörperung des Brutalen schlechthin, den die göttliche Gerechtigkeit bei der Flucht auf dem Dach einholt, Leanne Rowe als warmherzige Nutte Nancy, die ihre Hilfe für Oliver mit dem Leben bezahlt, Harry Eden als gewiefter und charmanter Taschendieb Dodger. Unschlagbar Ben Kingsley: Er spielt Fagin, dessen jüdische Identität im Gegensatz zum Buch in den Hintergrund tritt, als tragische Figur zwischen berechnendem Bandenchef und mitleiderregendem Wrack, von dem sich Oliver in der Todeszelle mit Tränen verabschiedet. Auch Fagin ist ein Opfer der Gesellschaft, die ihn zum Kriminellen machte, wie die Jungs, die für ihn arbeiten. In Polanskis 'Oliver Twist' stimmen die Details bis zu den Lumpen, in denen Oliver sich gen London schleppt, die Metropole mit ihren schmutzigen Gassen und lebendigen Märkten bildet eine eigenständige Figur und Edelmans Kamera gibt Außen- und Innenszenen erst die atmosphärische Dichte und eine bemerkenswerte visuelle Kraft mit exorbitanten Bilderwelten. Besonders in der Weihnachts- und Winterzeit sollte dieses Märchen die Herzen von Groß und Klein erwärmen. mk.