Ich habe mir den Film als Risiko-Kauf aus der Grabbelbox für 1 Euro geholt. Die Thematik klang interessant und auch politisch mehr oder weniger brisant. Als ich mir den Film ansah, war ich verblüfft. Nicht nur, dass das Cover TOTAL irreführend ist, da es eine wirkliche sexuelle Annäherung suggeriert, sondern, dass William H. Macy auch ohne Bart zu sehen ist.
Es gibt wahrscheinlich zwei Arten, den Film zu sehen. Entweder aus der Warte des Lehrers (die Position, die auch ich einnahm), oder aus der, der Schülerin (deren Reaktionen meiner Meinung nach ziemlich übertrieben waren).
Im Grunde geht es um eine verklemmte Frauenrechtlerin, die in jedem Blick eine geistige Vergewaltigung sieht und einen elitären Lehrer, der sich selber gerne reden hört und mit seinem Fachwissen prahlt.
Der Film spielt sich in drei Akten ab. Im ersten Akt kommt sie zu ihm, weil sie seine Benotung über ihre Arbeit nicht versteht. Das ganze läuft daraus hinaus, dass sie zugibt, sein prätentiöses Gelaber (wie sie es im Grunde bezeichnet) nicht zu verstehen. Und er bietet ihr Nachhilfe an. Es mag sein, dass er sehr einnehmend und oberlehrerhaft ist, und sich gerne selbst am liebsten reden hört, aber er wollte ihr dennoch helfen. In seiner einnehmenden Art kommt er ihr aber schon ein bisschen zu nahe, sodass sie glaubt, eine sexuelle Absicht dahinter zu erkennen.
Im zweiten Akt klagt sie ihn im Lehramt an, dass er sie sexuell belästigt haben soll. Natürlich steckte niemals eine eindeutige sexuelle Implikation hinter seinen ausschweifenden Bewegungen, aber sie unterstellt es ihm. Der Akt verläuft zu einem scharfen Gespräch über Grundsätze.
Im dritten Akt eskaliert die Situation, als sie ihm mitteilt, dass sie ihn verklagt hat und verlangt, dass er bestraft wird.
Oleanna ist ein Film über Kommunikation, dass auf verschiedenen Ebenen ausgesprochen und wahrgenommen wird. Man könnte dem Film ebenfalls sexuelle Aufklärung und das Aufdecken von schulischen Missbrauchsaktionen anhängen, da es aber nie zu einer sexuellen Handlung kommt, würden das wohl nur Emanzen behaupten.
Der Film ist unglaublich schwer zu verstehen, man sollte sich auf anderthalb Stunden Gerede pur einstellen, dam man nur schwer folgen kann. William H. Macy spielt den Lehrer grandios und kann richtig auftrumpfen, aber seine Mitspielerin kann leider nicht alles geben, was wahrscheinlich auch ihrer Rolle zuzuschieben ist, da sie des öfteren Sätze zu sagen hat, die unverständlich sind. Der Film wirkt gnadenlos übertrieben und ziemlich unrealistisch, aber er gefällt mir genau deswegen. Er ist eine Theaterverfilmung, und im Theater wird eben sehr gerne karikiert und überspitzt. Außerdem hat mich das "Finale" wie ein Schock getroffen und hat mir lange keine Ruhe gelassen.
Ein Klasse Film, ich kenne keinen besseren von David Mamet.