In meiner Jugend habe ich den einen oder anderen Bergius verschlungen und jetzt für eine lange Zugfahrt Oleander Oleander aus dem Regal meiner Eltern entliehen. Für eine Zugfahrt genau das richtige, unterhaltsam, vielleicht etwas langatmig, aber meist spannend zu lesen.
Es geht um die Zeit zwischen den Weltkriegen und die erste Zeit nach 1945. Ein Pilot macht mit Können, Glück und Opportunismus eine (fast) zivile Karriere im Dritten Reich und beschreibt die Entwicklungen aus seiner privaten Sicht, mal bewundernd, mal kopfschüttelnd, mal zynisch. Dabei bleibt das Buch für einen Bergius erstaunlich distanziert, so richtig "mitreißend" geschrieben ist es nicht. Entstanden ist der Roman 1975, als Bergius schon ein etablierter Bestseller-Autor war, und es ist interessant zu lesen, wie der Autor mit dem Dritten Reich umgeht. Basierend auf den geschichtlichen Fakten beschreibt er mehrere (verknüpfte) Einzelschicksale, die sich aus egoistischen Gründen (teils wider besseres Wissen) mit den Verhältnissen von '33 bis '45 abfinden. Das ganze bleibt aber relativ oberflächlich (es handelt sich aber auch um einen Bestseller-Autoren, der unterhalten will und nicht um eine Dokumentation?). Insgesamt habe ich aber den Eindruck, daß die Verhältnisse recht gut dargestellt werden, zumindest deckt sich das Bild teilweise mit dem (wenigen), was ich aus "erster Hand" über diese Zeit erfahren konnte.
Neuierig geworden, habe ich Bergius mal im Internet gesucht und bin zu dem Schluß gekommen, daß der Roman deutliche autobiographische Züge trägt (tragen müßte), es wird zwar nirgendwo explizit geschrieben, aber der Lebenslauf läßt keinen anderen Schluß zu. Das wenige, was über Bergius zu finden ist, deckt sich fast 100%ig mit der Hauptperson dieses Buches. Es entsteht das Bild eines Mitläufers und Opportunisten, ob das richtig ist oder eine "Reinwaschung" darstellen soll, kann ich nicht beurteilen. Da ich aber keine Hinweise auf einen möglichen autobiographischen Hintergrund gefunden habe, würde ich das Buch großzügig unter spannend geschriebene Vergangenheitsbewältigung in Romanform einordnen.
Vier Sterne, da es gut unterhält, aber teilweise etwas langatmig ist. Das "politische" nehme ich als Geschichtsunterricht "von unten" mit, will es aber innerhalb eines "Unterhaltungsromans" nicht bewerten - genauso wie ich "Jack Bauer (24)" spannend und unterhaltend finde, ohne das ich Mittel und Einstellung teilen kann.