Wenn die Mille-Miglia in Italien startet, polieren hierzulande die Oldtimerbesitzer ihre Schätzchen und bereiten sie auf die Saison vor: Die Zeit der Ausfahrten, Rallyes und Orientierungsfahrten steht bevor. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen kann höchst beglückend oder auch absolut niederschmetternd verlaufen. Vom Gewinn eines Pokals bis hin zur Aufgabe noch während der Veranstaltung hatte ich bisher alles erlebt. Viele Erstteilnehmer an Rallyes oder Orientierungsfahrten sind bei Erhalt des Bordbuches zunächst einmal völlig überfordert. Da ist plötzlich die Rede von „Chinesen", von „Fischgräten" und von „Negativskizzen". In seinem Handbuch „Oldtimer-Rallye" vermittelt der Autor Rolf Blaschke Fahrern, Beifahrern und Einsteigern nicht nur das notwendige Basiswissen mit den auftauchenden Begrifflichkeiten, er liefert auch jede Menge handfester, sehr praktischer Tipps. In einer Art Beifahrer-Lehrgang erklärt er das komplette Rüstzeug professioneller Rallye-Beifahrer von A wie Ansage bis Z wie Zeitnahme. Auch Orientierungsfahrten als traditionelle Einstiegsveranstaltungen finden gebührend Beachtung. Die Regeln, Tipps und Kniffe, die man braucht, um erfolgreich teilnehmen zu können, sind immer die gleichen. Besonders spannend sind vor allem jene Tricks, die der Autor im Kapitel „Aus dem Nähkästchen" ausführlich beschreibt.
Der Lesbarkeit jedoch absolut abträglich sind die in blauer Farbe hinterlegten Textstellen, auf die der Autor besonderes Augenmerk gelegt haben möchte. Der gewählte Farbton lässt die Zeilen mehr wie „durchgestrichen" und nicht wie „Wichtig!" wirken. Wollte man das Buch bei widrigen Lichtverhältnissen während einer Rallye im Fahrzeug einsetzen, kann man durch die schwachen Kontraste dieser Textstellen jene kaum noch entziffern. Merkwürdig erscheinen auch einige Grafiken, die auffallend „unsauber" (Farbrauschen, verpixelt, Sägezahneffekt, Farbverschiebungen) erscheinen. Man könnte fast meinen, diese Grafiken wurden von einem etwas betagten Farbdrucker erzeugt und anschließend mit einem ebenso ältlichen Scanner wieder eingelesen.
Der etwas hemdsärmelige Schreibstil ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, wie auch die Länge der Sätze im Schlagzeilen-Charakter, die selten über drei Zeilen gehen. Aber die Informationen sind präzise und anschaulich, hilfreich auch für Ausrichter von Veranstaltungen, speziell für jene, die zum ersten Mal die Organisation einer Rallye angehen. Und darauf kommt es bei dieser Art Buch an: Profunde Informationen, geschrieben von jemandem, der sich mit der Materie auskennt. Wichtig für all jene, die sich im Vorfeld einer Veranstaltung ein Bild machen möchten, was sie erwartet (erwarten könnte) und wie mit den Anforderungen umzugehen ist. Das machte der Autor auch an mehreren Stellen des Buches klar: Wenn man erst einmal am Start seht, macht es wenig Sinn den Fahrer zu fragen, was eine Drehpunkt-Skizze ist und weshalb Butterbrot-Papier dem Bordbuch beiliegt. Eine korrekte Vorbereitung ist schon der halbe Erfolg und erhöht den Spaß an der Teilnahme um ein Vielfaches. Mit „Oldtimer-Rallye - Das Handbuch für Fahrer und Beifahrer" wird nahezu jede Frage um das Thema mit vielen Beispielen und Einblicken beantwortet. Man muss sich nur noch selbst die Frage stellen, wie weit man in dieser Sportart gehen will. Lieber die gemütliche Ausfahrt mit Rätselfragen am Sonntag-Nachmittag oder die brachiale Querfeldein-Rallye durch halb Europa? Eine Frage des Geldes, des Ehrgeizes und der Kondition.