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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Old Ideas und neue Gelassenheit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Old Ideas (+CD) [Vinyl LP] (Vinyl)
Vom ersten Hören an begeistert zu sein, das ist bei Cohens jüngeren Werken nicht so selbstverständlich: Das Album "Ten New Songs" und dessen Nachfolger "Dear Heather" zündeten nicht nur in meinen Ohren erst, nachdem ich mir die Arrangements weggedacht und die Texte im Geiste in den Vordergrund gerückt hatte. Die Liveumsetzung der 2010er-Tour gefiel mir dafür um so besser, auch wenn vieles etwas aufgebläht wirkte und die Brillanz der Mitmusiker teils den Songcharakter fast durchschnitt.Erstaunt, verwundert und begeistert lässt mich dagegen "Going Home" mit offenem Mund dastehen. Der erste Titel des neuen Albums, welches am Freitag erscheinen wird, haut schlichtweg um. Die "golden voice" beginnt mit dem Satz "I'd love to speak with Leonard, he's a sportsman and a shepard, he's a lazy bastard living in a suit." Und sofort ist klar: das sind zwar alte Ideen, aber das könnte ein wunderbares Album werden. Ein ruhiges Spätwerk ist ja nicht verwerflich, wenn das Frühwerk bereits ruhig war. Der zweite Track "Amen" ist ähnlich unspektakulär arrangiert, hier gefallen die "Huuuhuuuu"-Chöre der Backgroundsängerinnen sehr gut und das leise "Twang" im Hintergrund, die Orgel und das schleppende Besenschlagzeug erinnern mich an die Arrangements der letzten Tour, wo in den besten Momenten zwar alle Musiker spielten, der Gesamteindruck aber ein entspannter, ruhiger, lässiger war. In "Show Me The Place" klingt Cohen dann fast wie Tom Waits in dessen frühen Jahren: ein Klavier, Streicher, seine Stimme raunt sich durch eine unspektakuläre, aber berührende Gesangsmelodie. Fast eine Klavierballade, dann kommt aber eine Hammondorgel hinzu und rundet ab, was in seiner Atmosphäre fast besinnlich wird. "Darkness" geht dann fast schon ab, das Schlagzeug ist präsenter, die Hammondorgel orgelt vor sich hin, Gitarre und Bass erklingen, ein Saxophon schafft es, zum Song beizutragen, statt sich in den Vordergrund zu drängen. Ein künftiger Cohen-Klassiker, da bin ich mir sicher. Der nächste Titel, "Anyhow", beinhaltet ein wundervolles Klaviersolo; ansonsten ist es schwer, bei solch berührender Musik einzelne Stücke zu beschreiben. Es ist Leonard Cohen, es ist die Essenz aus allem, was er jemals gemacht hat ' in jedem der Stücke dieser Platte! "Crazy to Love": ja! Cohen mit Gitarre, ohne den Rest. Hervorragend! Allein auf Grund des Arrangements ist dies der beste Titel der Platte. Er hätte auf "Songs of Leonard Cohen" erscheinen können, oder auf "Songs from a Room". Nur: was Cohen singt, hat viel mit der klischeehaften "Altersweisheit" zu tun, die man dem buddhistischen Mönch anmerkt. Mit diesem Stück hat Cohen bewiesen, dass sein altes Konzept, der Poet mit der Gitarre, immer noch funktioniert, sofern man beides, Poesie und Gitarrenspiel, verschmelzen lassen kann und simpel, aber wirkungsvoll hält. Natürlich dürfen danach die Sängerinnen wieder ran, "Come Healing" ist eine weitere Ballade im moderneren Cohen-Stil, allerdings röhrt seine Stimme hier eben noch ein Stück dunkler, als gewohnt! "Banjo" klingt nach Country, gefällt aber auch durch den Backgroundgesang, der an Nashville erinnert, aber das Gute darin herausholt. Das folgende "Lullaby" ist genau das: ein angenehmes Gutenachtlied, mit Gitarrenklimpern und Orgelflächen, mit "Huuuh"-Chören, mit "Sleep, Baby, Sleep" und einem Nachtgedicht. Das Schlagzeug klingt etwas zu elektronisch, aber Cohen hatte seit "First, we take Manhattan" eine Vorliebe für diesen Sound, man kann ihm nicht böse sein, vor allem wenn er mit einer solchen Leichtigkeit "Here's my Lullaby" singt! "Different Sides" geht dann noch einmal in die Richtung von "Closing Time" und hat das typische 2010er-Tour-Arrangement abbekommen. Warum ist ein Album mit so wenig Innovation so verdammt gut? Warum kann Cohen alles singen, solange er nur singt? Ich weiß es nicht. Es kann daran liegen, dass es Musiker und Poeten gibt, die berühren. Weil sie ernst meinen, was sie dem Publikum verkaufen. Weil sie zwar Teil der Musikindustrie sind, aber das Produkt nicht ihre Musik ist, sondern deren Vermarktung. Weil Leonard Cohen wirklich Altersweisheit nicht mit dem Löffel gefressen, sondern mit dem ganzen Sein erworben hat und nun mit uns teilt. Weil knapp 45 Minuten neue Stücke von Cohen ausreichen, um sich geborgen zu fühlen. Weil dieses Album einfach verdammt gut ist! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das volle Dutzend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Old Ideas (+CD) [Vinyl LP] (Vinyl)
Am 27. Dezember 1967 war es, als der damals immerhin schon 33jährige kanadische Poet sein legendäres Debüt-Album Songs of Leonard Cohen" veröffentlichte. 44 Jahre und einen Monat später erst, ist nun das Dutzend voll. Bob Dylan schaffte die ersten 12 Alben in nur zehn Jahren, Elton John sogar in nur acht, Neil Young benötigte 14 Jahre, schuf derweil aber parallel noch 4 Kollaborations-LPs mit Crosby, Stills und Nash...Nun wäre es vollkommener Unsinn, von der Geschwindigkeit, mit der Alben entstehen, Rückschlüsse auf die Qualität und Substanz abzuleiten. Weder schneller oder langsamer ist zwingend besser oder schlechter. Cohen sagte dazu einmal "Es gibt Typen, die springen auf die Rückbank eines Taxis und wenn sie zehn Minuten später wieder aussteigen, haben sie einen Welthit höchster Güte geschrieben. Beneidenswert! Ich kann so etwas nicht. Um ein gutes Lied fertig zu kriegen, brauche ich Monate." Zu spüren ist aber tatsächlich, dass Leonard Cohen seine Lieder, seine Lied gewordenen Gedichte, mit einer unglaublichen Sorgfalt erarbeitet. Da sitzt jedes Wort, jede Note wirkt liebevoll platziert. Das galt zwar grundsätzlich für alle Cohen-Alben bisher, wenn man von dem von Produzent Phil Spector verhunzten "Death of a ladies man" (1977) einmal absieht, aber auf "Old ideas" erreicht die Detailliebe einen neuen Höhepunkt. Es war nicht zu erwarten, dass der stille Kanadier acht Jahre nach seiner letzten Platte "Dear Heather" seiner Hörerschaft etwas halbgares auftischt. Dass es ein durchweg gutes Album werden würde, durfte man getrost voraussetzen. Aber einfach nur gut ist es nicht. "Old ideas" ist einmal mehr ein Meisterwerk. Still, behutsam, intensiv, gedanken- und gefühlvoll. Im besten Wortsinn ist das zwölfte Album genau das, was man von Leonard Cohen erwartet. Nicht im Sinne dienstleistender Erwartungserfüllung, sondern Gerechtwerdung eines hohen Anspruches. Er erfindet sich mit 77 nicht neu, dazu bestand weder Grund noch Anlaß, aber er beweißt, dass Perfektion nie ein abschließend erfülltes Maß ist. Ganz klare Empfehlung zu dieser Edition: 180g Vinyl mit großem Booklet + CD in schlichtem Schuber, für nur wenige Euro mehr als die einfache CD-Ausgabe. Zumal ein Album wie dieses als Schallplatte erst den richtigen Charme entfaltet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dem bisher Gesagten ist wenig hinzuzufügen...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Old Ideas (Audio CD)
... ein wunderbares, weises, witziges (ja, das auch) und hintergründiges Album hat Leonard Cohen da eingespielt, deutlich zugänglicher und leichter hörbar als "Dear Heather" (2004), das eher ein Skizzen- und Ideenbuch war (und das, ironischerweise, ursprünglich "Old Ideas" hätte heißen sollen).Ein paar Punkte möchte ich den durchaus überschwenglichen Lobeshymnen hier noch hinzufügen: (1) Cohen singt wieder! Oder was bei ihm halt als Singen durchgeht; aber auf "Crazy To Love You" und "Different Sides" zB (das durchaus auf "The Future passen würde) brummelt der Meister nicht nur Rezitative ins Mikrofon (was ja an sich nichts Schlechtes ist). Ich finde nur, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. (2) Für Hi-End Liebhaber ist das Album allerdings, anders als hier behauptet, nur bedingt geeignet: zwar ist der Dynamikumfang und Abmischung in Ordnung, allerdings ist es der Aufnahme zu verdanken (Musiker im Studio, Leonard Cohen zuhause in einem nicht schalldichten Privatstudio), dass man bei einigen Titeln mit dem Einsetzen der Stimme deutliche Nebengeräusche (Rauschen, Knistern) hört, die während der Instrumentalparts wieder komplett verschwinden (man höre sich den Einsatz des Gesangs bei "Show Me The Place" an, um das zu beurteilen). Für den Durchschnittskonsumenten egal, für Besitzer guter Lautsprecher allerdings ein bisschen schade. Aber was soll's: der Meister hat eine hervorragende Platte mit Blues ("Darkness"), Country ("Banjo"), Jazz- und zarten Elektronikanklängen ("Anyhow") abgeliefert, mit grandiosen Texten wie sie nur der Feder eines erfahrenen Lyrikers entstammen können. Was will man mehr? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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