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Okzidentalismus: Der Westen in den Augen seiner Feinde
 
 
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Okzidentalismus: Der Westen in den Augen seiner Feinde [Gebundene Ausgabe]

Ian Buruma , Avishai Margalit ,  Andreas Wirthensohn
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (31. Januar 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446206140
  • ISBN-13: 978-3446206144
  • Originaltitel: The West in the Eyes of its Enemies
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 580.836 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Titel Okzidentalismus ist eine Anspielung auf den „Orientalismus“, mit dem Edwa Said das westliche Zerrbild von der islamischen Welt bezeichnet hat. Mit ihm belegen der Literaturwissenschaftler Ian Buruma und der Politikwissenschaftler Avishai Margalit die anti-westliche Ideologie, die die Wahrnehmung des Westens in radikalisierten Teilen der islamischen Welt (aber nicht nur dort!) vernebelt.

Die aggressive Feindseligkeit des Okzidentalismus gegen den Westen, so haben die Autoren ausgemacht, richtet sich vor allen Dingen gegen vier Erscheinungen der westlichen Moderne -- erstens: die Metropole als Hort von Hochmut und Sünde, zweitens: das gottvergessen nach Wohlstand strebende Bürgertum mit der Freiheit als Götzen, drittens: die okzidental-säkulare Vernunft und viertens: die gesellschaftliche und sexuelle Emanzipation der Frau, die den rechtschaffenden aber im Fleische schwachen Mann vom Pfad der Tugend abzubringen droht. Für all dies Schändliche standen inmitten des modernen Sündenbabels New York „diese schrecklichen symbolischen Türme“, wie Buruma und Margalit Osama bin Laden zitieren, „die von Freiheit, Menschenrechten und Humanität“ kündeten und deshalb zerstört wurden. Mit der Zerstörung dieser Wahrzeichen glaubten die Dschihadisten und ihre Attentäter, sich und ihren Glaubensbrüdern beweisen zu können, dass ihre beseelte Gemeinschaft, die über dem Individuum steht und für die sein Leben hinzugeben dem Einzelnen Erlösung bedeutet, der seelenlosen, westlich-individualistischen Gesellschaft überlegen ist.

Während Buruma und Margalit dem Leser all diese bekannten anti-westlichen Klischees noch einmal vor Augen führen, wächst in diesem die Einsicht, dass diese „okzidentalen“ Reflexe im Westen selbst -- hier und da mit etwas anderen Akzenten im Vokabular -- eigene ideologische Heimaten haben. Damit freilich tun sich völlig neue Fragen auf, denen nachzugehen zumindest nicht minder lohnenswert gewesen wäre. -- Hasso Greb

Kurzbeschreibung

Buruma und Margalit definieren "Okzidentalismus" als den blinden Hass gegen die Errungenschaften liberaler Gesellschaften, für dessen Motive manch westliche Intellektuelle bis heute Sympathie empfinden. Die Vorurteile gegen den Westen, der unter der Diktatur des Geldes steht und scheinbar jegliche verbindliche Moral seiner Diesseitigkeit geopfert hat, reichen bis nach Europa. Ian Buruma und Avishai Margalit finden hier ähnliche Denkweisen wie in der islamischen Welt, bei konservativen Kulturkritikern ebenso wie bei der radikalen Linken. Ein provokatives Buch, in bester aufklärerischer Tradition.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Man lernt nie aus... 7. Juli 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Das meiner Meinung Wichtigste vorweg: Der Titel und der Klappentext weckte bei mir die Erwartung, dass es wie bei vielen Büchern des selben Themengebietes hauptsächlich um das Ansehen des Westens in den Augen der islamischen Welt geht.

Darauf wird auch eingegangen, jedoch liegt der der Schwerpunkt des Buches eindeutig auf der Klärung der Herkunft und Entstehung des Okzidentalismus.

Dabei wird im Laufe des Buches herausgearbeitet, dass die Wurzeln desselben auch im nationalen Selbstverständnis und den sich daraus entwickelnden Ideologien der westlichen Länder selbst liegen und wie diese dann von "östlichen" Ländern adaptiert und ideologisch erweitert und angepasst wurden. So wird gezeigt, dass es diesen Okzidentalismus auch außerhalb der islamischen Welt bereits im Japan des zweiten Weltkrieges oder dem Russland des 19. Jahrhunderts gegeben hat.

Daran anknüpfend wird die Bedeutung der Religion im Okzidentalismus analysiert, wobei hier der Schwerpunkt auf dem Islam liegt. Es wird dargestellt, warum materieller Reichtum, der Rückzug des Religiösen in die Privatsphäre, die Stellung der Frau und die Sexualmoral des Westens diesen zum Sinnbild einer Ansammlung barbarischer und götzenanbetender Staaten macht.

Gleichzeitig wird auch das Spannungsverhältnis der islamischen Länder zwischeneinander beschrieben. Westlicher Materialismus und (erzwungene) Modernisierungsversuche und Religion prallen aufeinander. Das daraus entstehenden Gewaltpotential sowohl innerhalb der islamischen Welt als auch zwischen der islamischen und westlichen Welt wird ebenfalls thematisiert.

Insgesamt bemühen sich die Autoren einen ausgewogene Einblick in das Thema Okzidentalismus zu bieten und gleichzeitig dem Vorurteil zuvorzukommen, dass er eine Erfindung der islamischen Welt ist.

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Hervorragend 11. März 2012
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Wir befinden uns seit dem 11. 09. 2001 in einem neuen geschichtlichen Abschnitt. Der Angriff auf die Twin Towers war ein Angriff auf den Westen. Erst nach diesem Schlag wurde den Bewohnern des Westens bewusst, dass sie vor allem Westler und nicht länger Deutsche, Italiener oder Dänen sind. Ein Feind hatte sie als Ganzes angegriffen und damit überhaupt erst dieses Ganze geschaffen: den Westen. Da es diesen Westen als geistigen Staat, als Mentalcontainer, als Einstellungssache für viele Menschen erst seit vier Jahren gibt, erfüllt das Buch von Buruma und Margalit eine wichtige Aufgabe. Es zeigt uns Westlern wie uns unsere Feinde sehen. Dieser Blick in den Spiegel ist sehr lehrreich.

Die westliche Einstellung ist seicht, lax und oberflächlich. Wir sind feige und hängen am Leben. Wir sind bequem und opportun. Unser Alltag ist fad und unreligiös. Wir sind absolut keine Helden, dafür aber moralisch verkommen, seelenlos und unspirituell. Statt im Dschungel für die Weltrevolution zu kämpfen, essen wir lieber gemütlich Wiener Schnitzel und trinken ein schönes Bier dazu. Wenn wir dafür mehr Geld bekommen, wechseln wir ohne zu zögern als Profikicker von Schalke 04 zum FC Bayern. Wir sind heuchlerische lügenhafte geldgeile vergnügungssüchtige Zyniker, denen nichts heilig ist, und haben keine Ideale mehr. Mit einem Wort: wir sind erwachsen.

Ich denke, so muss man das sehen. In den entwickelten Industrienationen ist die Bevölkerung durchschnittlich viel älter, als in den Heimatländern ihrer Feinde. Leider entgeht den Autoren diese schlichte soziologische Tatsache, vielleicht weil sie im Geruch des Orientalismus, also der abwertenden und deshalb ungerechtfertigten Sichtweise der Nichtwestler steht. Trotzdem taugt sie als Erklärung. Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, hat nicht richtig gelebt, behauptete Winston Churchill. Und er fügte hinzu, wer es im Erwachsenenalter immer noch ist, dem fehle die geistige Reife. Diese ganzen utopischen, heldenhaften, religiösen, heilsuchenden und fanatischen Ideale der Feinde des Westens - ganz gleich ob bei Nazis, Marxisten oder islamischen Terroristen - wirken doch sehr sehr jugendlich. Sie schmecken nach Testosteron, Pubertät, Heißblütigkeit und großem Eifer. Vielleicht ist der eigentliche Kampf seit 9/11 nicht der zwischen Islam und liberalem Kapitalismus, sondern der zwischen alt und jung. Dieser Krieg ließe sich staatlich allerdings nicht eingrenzen. Er würde auf der ganzen Welt toben und wäre bei immer mehr Menschen und knapper werdenden Ressourcen auch verständlich.

Es muss noch angefügt werden, dass erstens das Buch ausgezeichnet übersetzt ist und zweitens die Autoren behaupten, die Wurzeln des Okzidentalismus liegen in Europa, vor allem in der deutschen Romantik. Drittens und viertens ist das Buch ganz und gar nicht grandios gescheitert, wie der SZ-Rezensent anmerkt, sondern durchaus eine der wichtigeren politischen Publikationen dieses Jahres.
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