Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Okugisho von Yamamoto Kansuke. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das geheime Buch der Strategie
(Heiho Hidensho)
Militärische Streitkräfte sind bestimmt von der speziellen Nutzung ihrer Einheiten und Truppen (gunpo) sowie der Vorbereitung einer Strategie (heiho). Die militärische Einheit (gun) wird im Buch Shurei (Kapitel Kakan shiba) definiert und besteht aus 12500 Soldaten. Sechs gun bilden ein oh, drei gun ein taikoku, zwei gun ein jikoku und ein gun bildet ein shokoku. All diese Einheiten empfingen ihre Befehle vom Shogun.
Laut dem Buch Sanryaku bestand die Hauptaufgabe der Truppen im Beobachten der öffentlichen Stimmung und Ausführen von Regierungsdirektiven. Des Shoguns Aufgabe lautete, das Land mit Weisheit zu regieren und sein Volk zu beschützen. In den alten Büchern wird überliefert, dass er mit viel Geld seine Truppen aufbaute und in fünf Gruppen unterteilte. Die erste Gruppe benutzte Pfeil und Bogen, die zweite einfache Hellebarden, die dritte zweischneidige Hellebarden, die vierte zweizinkige Hellebarden und die fünfte dreizinkige Hellebarden. Soldaten mit ein- oder zweischneidigen Schwertern wurden tampei genannt.
Im Buch Kokuryuden heißt es, die fünf Hauptwaffen seien einfache Hellebarde, dreizinkige Hellebarde, Axt, Schwert und Schild sowie Pfeil und Bogen gewesen.
Das Buch Shiko beschreibt, dass in einer Schlacht Waffen und Strategie am wichtigsten waren, Bewaffnete stets als Soldaten galten und für große Entfernungen Schusswaffen benutzt werden mussten, für kleine Entfernungen Hiebwaffen.
Alle Soldaten sollten von diesen Techniken wissen. Ich selbst hatte schon immer ein starkes Bedürfnis, mich mit den überlieferten Strategien zu beschäftigen, also folgte ich den Meistern und studierte ihre Lehren.
Nun habe ich mein Wissen in diesem Buch zusammengefasst. Es ist in drei illustrierte Teile gegliedert: tenri (Natur und Wetter); chiri (Umgebung) und jinri (Heeresgröße und -qualität). Diese sind wiederum in fünf Kapitel mit 126 Teilen gegliedert. Ich nenne mein Wissen Heiho Hidensho: Das geheime Buch der Strategie. Es enthält neben den Strategien der Meister auch meine eigenen. Mögen alle, die daran interessiert sind, diese hohe Kunst ohne Schwierigkeiten meistern!
Kapitel 1
Bedeutung der Strategie (ganryu no maki)
Der Ursprung der Strategie
Die Anwendung von Strategie begann in China zur Zeit des Herrschers Ken Yen, in Japan im Zeitalter der Götter. Seitdem wurden viele Waffen und neuartige Anwendungen entwickelt. Da ich schon in jungen Jahren begann, die Strategie zu studieren, habe ich viel über sie gelernt. Ob lange oder kurze Waffen, ich kann sie alle benutzen. Doch zu wissen, wann und wie sie in einer Schlacht einzusetzen sind, ist nicht so einfach, denn jede Schlacht unterscheidet sich von der anderen. In angemessener Distanz waren Pfeil und Bogen sowie Schusswaffen angebracht, auf kurze Distanz Lanzen und langstielige Waffen, im Nahkampf Kurzschwerter.
Die Meister der Strategie
Die Meister der Strategie benutzten Pfeil und Bogen (yumi), Lanzen (yari), Hellebarden (naginata), gebogene Langschwerter (tachi) und Schwerter (katana). Angegriffen wurde nur, wenn der Zeitpunkt dafür günstig war.
Hatte einer nie den Truppen die Anwendung all dieser Waffen beigebracht, konnte er auch nicht als Meister der Strategie gelten. Nur an einer einzigen Waffe auszubilden, genügte auch nicht.
Wer das Bogenschießen lehrte, wurde Bogenmeister genannt. Wer die Handhabung der Lanze lehrte, war ein Lanzenmeister, wer die Anwendung des Schwertes unterrichtete, ein Schwertmeister. Solche Lehrer waren also stets Meister der Waffen, deren Handhabung sie lehrten. Ein Strategiemeister hingegen konnte alles unterrichten.
Die Unterweisung in Strategie
Um ein Stratege zu werden, erlernte man zuerst die unbewaffneten Kampfkünste (kenpo), die fließenden Bewegungen von Händen und Füßen (koshi) und die Harmonie von Körper und Geist (shinshin). Dann folgte das Üben mit kurzen Waffen (tanpyo no jutsu), langen Waffen (naga dogu) sowie Pfeil und Bogen und Schusswaffen (togi dogu). Dazu kamen Unterweisungen darin, wie man Menschen zu führen und zu kontrollieren hat (jinri), wie man seine Umgebung (chiri) und wie die Zyklen der Natur und das Wetter nutzt (tenri). Die Strategie umfasste all diese Kenntnisse.
Die Struktur der Strategie
Die ersten Unterweisungen in Strategie waren so einfach wie das Lernen des ABC. Mit den Grundlagen zu beginnen hieß, ein Fundament zu schaffen, von dem aus man Fortschritte machen konnte. Doch dabei war bereits schöpferische Kraft gefragt. Weil sich die Vorstellungen der verschiedenen Strategen unterschieden, war es stets nötig, ihren Lehren eigene Ideen hinzuzufügen. Kämpfe ändern sich mit der Zeit, und so musste ein guter Stratege die alten Künste mit einer modernen Strategie verbinden lernen.
Die fünf Prinzipien der Strategie
Beim Erlernen der Strategie gelten fünf Grundprinzipien: das Lernen mit den Augen (meshu), das Lernen mit den Ohren (ni-shu), das Lernen mit dem Geist (shinshu), das Lernen mit den Händen (shushu) und das Lernen mit den Füßen (sokushu).
Schau mit den Augen die Farben an, höre mit den Ohren die Töne, entwickle mit dem Geist einen Plan und setze ihn mit Händen und Füßen um. Dies sind die fünf Grundprinzipien.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.