Das Gas wirkte in Sekunden. Plötzlich war es in dem riesigen Bierzelt still. Totenstill. Der zweite Wiesn-Sonntag. Weiß-blau erstreckt sich der Himmel über München, Tausende strömen auf das größte Volksfest der Welt. Partystimmung, so weit das Auge reicht, ausgelassen tanzen die Leute in den riesigen Zelten. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang: Schlag auf Schlag geht es weiter, 70 000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod ...
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Produktbeschreibungen
Interview mit dem Autor
Herr Scholder, welchen Bezug haben Sie selbst zum Oktoberfest? Früher war ich regelmäßig auf der Wiesn. Aber mit den Jahren sieht man viele Dinge in einem anderen Licht. Das Oktoberfest ist einmal als größte offene Drogenszene der Welt beschrieben worden. Da ist was dran. Kollektives Komasaufen unter dem Deckmantel von als Brauchtumspflege getarnter Folklore lässt einen schon am Fortschritt des Zivilisationsprozesses zweifeln. Aber ich bin ja kein Menschen-feind. Wenn Wetter und Begleitung passen, lass’ ich mich auch gerne mal zu zwei, drei Maß und einem halben Hendl im Biergarten überreden. Ihr Roman spielt an mehr als 10 verschiedenen Schauplätzen, von München bis Moskau, in Afghanistan und auf Mauritius. Sind Sie für die Recherche an alle Orte gereist? Überallhin – mit Reiseführern und meiner Phantasie bewaffnet. Ich kann Ihnen beispielsweise ziemlich exakt beschreiben, wie man in Kaliningrad vom Flughafen zur Villa Bremerhaven – einem Hotel, das in meinem Roman eine Rolle spielt – kommt und wie es dort aussieht. Auch habe ich mich umgehört, wer vielleicht schon mal an einem der Orte war, die mir vorschwebten. Diese Berichte von Bekannten haben das Bild dann abgerundet.
Glauben Sie, dass – wie in Ihrem Thriller - eine Gruppe Terroristen wirklich das Oktoberfest unter ihre Kontrolle bringen könnte? Man sollte die radikale Raserei, in die sich Fanatiker reinsteigern können und die wahnwitzige Energie, die sie dabei freisetzen, nicht unterschätzen, aber sich auch nicht über Gebühr verrückt machen lassen. Ich kann jedenfalls mit der berühmten bayerischen Bierruhe auf dem Oktoberfest meine Maß trinken.
Bei einem terroristischen Anschlag dieser Größenordnung und einer solchen Geiselnahme geht es teilweise sehr brutal zu. Haben Sie sich eine Grenze gesetzt, die Sie in der Schilderung von Gewalt nicht überschreiten wollten? Aus der Feder eines deutschen Autors mag das streckenweise brutal anmuten. Aber kennen Sie die Romane von James Ellroy? Dagegen finde ich meine Schilderungen eher zurückgenommen. Außerdem schreibe ich keine Gewaltexzesse um jeden Preis. Die Schilderung von Gewalt ist nun mal ein zentrales Element der Spannungsliteratur.
Ab und zu streuen Sie humorvolle und ironische Dialoge oder Kommentare in die Handlung ein. War das Absicht, um die teilweise harte Handlung leichter verdaubarer zu machen? Da sind Sie auf der richtigen Spur. Der große Soziologe Peter Berger hat ein Buch geschrieben mit dem bezeichnenden Titel „Erlösendes Lachen“. Dort heißt es, dass der Humor, also die Fähigkeit, etwas als komisch zu empfinden, immer auch die Verheißung von Erlösung in sich trägt. Andererseits sind Humor und Ironie in einem Thriller sehr schwierig einzubauen. Ob mir das gelungen ist, mag jeder Leser für sich entscheiden.
„Alle Personen des Romans sind frei erfunden“ schreiben Sie im Vorwort. Dennoch kommen einem viele Figuren bekannt vor - wie zum Beispiel der Münchner Unternehmer Josef Hirschmoser und einige Politiker. Gab es also doch reale Vorbilder? Auch hier verweise ich auf einen soziologischen Begriff. Max Weber hat zur Beschreibung der sozialen Wirklichkeit das Instrument des „Idealtypus“ erfunden. Was ich versuche, ist also die Beschreibung bestimmter Menschentypen und nicht einer konkreten, realen Person. Finden Sie, dass Ihnen manche bekannt vorkommen? Das kann ich Ihnen nicht verbieten.
Sie beschreiben ganz exakt die Strahlkraft der Augen Ihrer beiden Hauptfiguren. Was hat Sie daran fasziniert? Oft wird gesagt, die Augen seien der Spiegel der Seele. Und denken Sie nur an die großen Italo-Western. Wer „Spiel mir das Lied vom Tod“ gesehen hat, wird die Augen von Henry Fonda nie wieder vergessen. Diese eigentlich bildliche Intensität habe ich versucht, in die Textform des Thrillers zu übernehmen.
In Rückblicken schildern Sie frühere Erlebnisse Ihrer Protagonisten und Ereignisse die teilweise mehr als 20 Jahre zurückliegen, zum Beispiel in Afghanistan 1984. Welche Absicht steckt dahinter? Da die Handlungsmotivation mancher Figuren weit in der Vergangenheit ihren Ursprung hat, war dies der Versuch, den Figuren durch schlaglichtartige Beleuchtung bestimmter Szenen biographische Plastizität zu verleihen, ohne deren ganzes Leben nacherzählen zu müssen. Sie bauen jede Menge Informationen über Waffen- und Kryptotechnik in die Handlung ein. Woher haben Sie das Fachwissen? Bibliotheken sind das wichtigste Hilfsmittel. Das Internet ist mit Vorsicht zu genießen, die Informationen sind nicht immer zuverlässig. Über die konkrete Recherche kann ich öffentlich nicht sprechen. Sie werden verstehen, dass ich meine militärischen und geheimdienstlichen Quellen schützen muss. Es gibt einen klassischen Satz des Agenten-Genres, der das gut beschreibt: „Ich könnte es Ihnen sagen, aber dann müsste ich Sie töten.“
Sie schildern die politischen Hintergründe bei einem Terroranschlag: Die Machtspiele zwischen der Bundesregierung, dem Land Bayern, den Geheimdiensten und weiteren Behörden. Welche Bedeutung hat diese politische Ebene Ihres Buches für Sie? Ich wollte darstellen, dass im Falle einer solchen Krise nicht nur die Einsatzkräfte vor Ort, sondern auch die politisch Verantwortlichen unter einem enormen Druck stehen. Und dass diese Verantwortlichen nach ganz eigenen Kriterien entscheiden. Ich habe in der Schilderung politischer Entscheidungs-findungen die Möglichkeit gesehen, eine weitere spannende Ebene der Geschichte zu beleuchten.
Wie lange haben Sie an den knapp 600 Seiten geschrieben? Die Mission „Oktoberfest“ hat mich alles in allem fast vier Jahre beschäftigt – mal intensiver, dann wieder schleppend. Ich brauche zum Schreiben einen inspirierenden Impuls, den ich nicht erzwingen kann.. Die Disziplin, mich zu festen Zeiten an den Schreibtisch zu setzen, kann ich nicht aufbringen. Sie würde meiner Arbeit auch nicht bekommen. Ich kann leider nicht nach Stundenplan geistreich sein.
Ihr Debüt liest sich wie von einem absoluten Profi geschrieben. Sind Sie ein Naturtalent, dem das Schreiben leicht fällt oder ist es harte Arbeit? Ich habe versucht, für mich selbst einen Stil, eine Stimme zu finden, die diese Geschichte erzählen kann. Oft wird gesagt, künstlerische Arbeit ließe sich aufteilen in 5% Inspiration und 95% Transpiration. Ob diese Teilung exakt so stimmt, will ich hier gar nicht beantworten. Sicherlich ist erzählerisches Talent nötig. Auch gibt es diese „gesegneten Tage“, an denen alles zu gelingen scheint und dann wieder die Tage, die übrigens die deutliche Mehrheit darstellen, an denen man nur durch zähes Arbeiten zum Ziel kommt.
Das Interview führteGünter Keil
Über den Autor
Christoph Scholder wurde 1967 in Tübingen geboren. Seinen ersten Krimi schrieb er im Alter von acht Jahren. Nach dem Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie lehrte er an verschiedenen Universitäten. "Oktoberfest" ist sein erster Roman. Er lebt in München.
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Das Gas wirkte in Sekunden. Plötzlich war es in dem riesigen Bierzelt still. Totenstill. Der zweite Wiesn-Sonntag. Tausende strömen auf das größte Volksfest der Welt. Partystimmung. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang: Schlag auf Schlag geht es weiter, 70 000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod .....
Fazit:
Oktoberfest ein superspannend geschriebener Thriller von Christoph Scholder, sein Erstlingswerk. Mir, als ausgesprochenem Fan dieses Genres, hat dieses Buch richtig gut gefallen. Es ist gut recheriert und lässt sich flüssig lesen. Es wird schon sehr ins Detail gegangen, auch bei blutlastigen Geschehnissen.
Wenn anfangs doch unvorstellbar, 70.000 Geiseln auf dem Oktoberfest zu nehmen, dann aber doch überzeugend beschrieben und rübergebracht. Dieses Buch hat alles, was ein guter Thriller braucht. Gut beschriebene Protagonisten, wenn vielleicht der gute Kapitän zur See, Wolfgang Härter, schon ein Übermensch sein muss, der Gegenspieler Oleg Blochin aber auch mit allen Wassern gewaschen ist.
Ich hoffe, dass ich noch mehr von diesem Autoren lesen darf. Vielleicht auch wieder von Wolfgang Härter.
Mir hat das Buch ausnahmslos gut gefallen und ich kann es bedenkenlos weiterempfehlen.
...mit dieser fiktiven Headline reagieren die Auslandsmedien im Roman OKTOBERFEST auf den auf die Wies'n verübten Terroranschlag. Mit Gas werden über 2.000 Menschen in einem der Zelte getötet. Einfach so, damit die Verantwortlichen in Politik und bei der Polizei wissen, daß die Terroristen es ernst meinen. Haben sie politische Hintergründe? Nein, sie sind nur auf den letzten großen Coup aus und wollen sich dann zur Ruhe setzen. Es geht nicht um Politik, es geht nicht um Religion. Es geht um skrupellose Menschen, denen längst jede Empathie abhanden gekommen ist und die als Spezialeinheit der früheren russischen Speznaz ohnehin mit dem professionellen Töten bestens vertraut sind. Die Überbleibsel der alten Sowjetunion, die erodierenden Strukturen in der Gesellschaft und die implodierenden Strukturen im Militär, die Desillusion vieler Russen über ihr Land und seine Zukunft, die korrupte Führung in Moskau - das alles bildet also gewissermaßen den Hintergrund, vor dem dieser Roman spielt.
Die Helden - auf der einen Seite General Blochin, auf der anderen Seite Wolf Härter vom dt. Geheimdienst - messen sich auf allen Ebenen, planerisch (nicht umsonst leiten Clausewitz-Zitate viele Kapitel ein), geistig, technisch und kämpferisch - und das bis zum Showdown. Aber es geht auch ums Private, um Familien, die einander entfremdet sind, um Katastrophen, die Familien auseinandergerissen haben - und um eine kleine Liebesgeschichte.
Der Roman ist ein äußerst spannendes Wettrennen: Um das Leben der in den Zelten festgesetzten Geiseln, um politische, militärische und sicherheitstechnische Entscheidungen, um die Macht. Scholder hat sehr schöne Archetypen erfunden - in seinen Schilderungen vermeint man, den ein oder anderen Politiker oder Geschäftsmann wiederzuerkennen. Dieses Vexierspiel ist sicher auch beabsichtigt.
Natürlich denkt man an Haslingers OPERNBALL - auch hier gibt's ja ein Setting, in dem eine bekannte, renommierte und medial präsente Veranstaltung für eine Gewalttat hergnommen wird. Haslinger ist böser und bitterer, natürlich auch politischer, Scholder hat dagegen einen richtigen Pageturner geschrieben. So was kriegt man sonst nur made in the USA. Kompliment also an diesen Erstling - ich freue mich auf den nächsten Roman aus dieser Feder!
Ob ich nach der Lektüre wirklich wieder auf die Wies'n gehe, weiß ich derzeit alelrdings noch nicht...
- dann hat die BRD wirklich ein echtes Problem. Ein Buch, dass mich wirklich tagelang gefesselt hat und gedanklich immer wieder an das "jetzt" und "heute" erinnert. Für mich absolut realistisch und technisch sowie politisch ein gelungenes Werk. Würde mich sehr freuen noch mehr von diesem Autor zu lesen. Das Buch ist geschrieben wie ein Drehbuch und kann locker mit Bestseller Werken wie z.B. von Dan Brown mithalten .