Arvid Ditimann
Die suggestive Kraft der von den Nationalsozialisten inszenierten Massenveranstaltungen ist legendär und in zahllosen Publikationen entsprechend beschrieben worden. [...] Eine für die Bewertung derartiger Komplexe in der Geschichte des deutschen Films nicht nur punktuell interessante Ergänzung liefert das Buch von Kerstin Stutterheim, welches gewisse mythologische und okkulte Elemente im dokumentarischen Film dieser Jahre thematisiert. [...] Der von Kerstin Stutterheim im Jahr 1998 fertiggestellte Dokumentarfilm "Mythos, Macht und Mörder" beleuchtet diesen interessanten Konnex von Esoterik und Politik und vermittelt ein anschauliches Bild bestimmter zeitgeistiger Strömungen, die in Ordensgemeinschaften wie dem ONT und den Rassenlehren der Ariosophen zum Ausdruck kamen und für die Entstehung des Nationalsozialismus konstituierend waren. Das vorliegende, aus einer Dissertation entstandene und nur geringfügig veränderte Buch vertieft das Verständnis der Thematik und eröffnet einen fesselnden Einblick in eine Welt voller Mythen und Symbole, die [...] auch für den heutigen Betrachter lebendig werden. [...] Arvid Ditimann "Journal der Jugendkulturen", Juli/2001
Kurzbeschreibung
Okkultismus verbindet man mit der Jahrhundertwende, mit Tischerücken und Geistererscheinungen. In diesem Buch jedoch werden für die politische Geschichte Mitteleuropas relevante okkulte Gruppierungen und deren Weltvorstellungen in Korrespondenz zum Nationalsozialismus dargestellt. Dass diese Ideen auch in dokumentarische Filme des "Dritten Reiches" einflossen und zur Identitätsbildung mit beitrugen, wird an einigen Filmbeispielen dargestellt. Die Autorin geht in ihrer Arbeit der Frage nach, wie Filme, von denen allgemein angenommen wird, sie würden die Realität abbilden, okkulte Weltvorstellungen und Erklärungsmuster transportieren können und dabei dennoch den Charakter eines dokumentarischen Filmes erhalten. Untersucht wird der Einfluss regressiver Phantasien okkulter Autoren und Ordensgründer der Jahrhundertwende, deren Theorien von Berufenheit und Auserwähltheit, auf die Entstehung und Ausformung nationalsozialistischen Denkens. Die ausgewählten Filmbeispiele stellen einen kleinen Ausschnitt des Filmschaffens dar, vermitteln jedoch anschaulich die Nutzung okkulter Weltvorstellungen und Theorien für die Konstruktion der historischen Bestimmtheit des "Dritten Reiches" und der daraus hergeleiteten schicksalhaften Bestimmung des Einzelnen in diesem Prozess. Heute tauchen diese Ideen wieder in den verwendeten Symbolen wie in den Songtexten der rechten Szene auf, so ist dieses Buch mentalitätsgeschichtlich auch für gegenwärtige Prozesse aufschlussreich.