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Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können
 
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Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können [Taschenbuch]

Bärbel Wardetzki
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Bärbel Wardetzki beschäftigt sich in ihrem Buch mit etwas, womit jeder täglich zu kämpfen hat: Man geht erwartungsvoll an die Theaterkasse, aber der Mann vor einem hat die letzte Karte gekriegt. Der Chef verpasst einem in der Besprechung einen Schlag "unter die Gürtellinie" und zu Hause gesteht der Partner, dass er sich in jemand anderen verliebt hat.

Eine Kränkung oder Zurückweisung ist wie eine Ohrfeige für die Seele. Man ist verletzt, fühlt sich in seinem Selbstwertgefühl getroffen und sinnt auf Rache. Auslöser für Kränkungen gibt es viele, und manche werden bewusst ausgeführt, andere passieren dagegen ganz unbeabsichtigt. Bärbel Wardetzki beschreibt die Hintergründe von Kränkungen und zeigt, wie man Kränkungen überwinden kann und souveräner mit Zurückweisungen umgeht, statt sie immer nur hinunterzuschlucken.

Das Buch bietet interessante Einblicke in das eigene Seelenleben und in die komplizierte Funktionsweise der menschliche Psyche. In den vielen Beispielen erkennt sich wohl jeder Leser wieder und er kann aus den Erklärungen und Anregungen von Bärbel Wardetzki viel über sich selbst und seine Reaktionen auf andere Menschen erfahren.

An einigen Stellen sind die Ausführungen allerdings etwas trocken und gehen für den Laien zu weit ins wissenschaftliche Detail. Trotzdem ist Ohrfeigen für die Seele ein lesenswerter Ratgeber für alle, die Kränkungen im Privat- und Berufsleben selbstbewusster begegnen wollen. --Dagmar Rosenberger

Pressestimmen

"Wer lebt, dessen Seele wird immer mal wieder geschrammt. Wie man mit Kränkungen und Zurückweisungen sinnvoll umgeht: Ob die Herrschaften an de Theaterkasse uns das letzte Ticket vor der Nase wegschnappen, der Nachbar absichtlich nicht grüßt oder der Angetraute den Hochzeitstag vergessen hat: Kränkungen widerfahren uns auf Schritt und Tritt. Man kann sich dafür rächen, sie wegstecken oder ihnen den Stellenwert einräumen, der ihnen zusteht.

Bärbel Wardetzki ist es in Ohrfeige für die Seele gelungen, psychologische Erkenntnisse derart geschickt mit Fallbeispielen zu verknüpfen, dass die Grundstrukturen des Kränkens sowie des Gekränkt-Werdens völlig transparent erscheinen. Ihre Anleitungen, wie Kränkungen kreativ gehandhabt werden können, sind durchwegs einleuchtend. Fundiertes Wissen, Erfahrung und ein lockerer Ton machen Lust, sich mit diesem ungeliebten Thema zu konfrontieren." (Neue Zürcher Zeitung )

Kurzbeschreibung

Verletzte Gefühle

Werden wir gekränkt, reagieren wir meist verletzt und fühlen uns in unserem Selbstwertgefühl getroffen. Kritik, Zurückweisungen und Ablehnung erleben wir als Abwertung unserer Person, wir fühlen uns nicht respektiert, wertgeschätzt, angenommen und verstanden. Daraus resultiert eine tiefe Verunsicherung, verbunden mit Gefühlen von Ohnmacht, Wut und Selbstzweifeln. In unserer Gekränktheit wenden wir uns trotzig von unserem Gegenüber ab und sinnen häufig auf Rache und Vergeltung. Bärbel Wardetzki interessiert vor allem die Frage, wann wir besonders verletzbar sind. Anhand vieler Beispiele zeigt sie, dass Kränkungen auch eine Chance sind, unsere unfertigen Geschichten zu Ende zu bringen. Wir haben die Wahl, ob wir uns als Opfer der äußeren Umstände definieren und in dem Gefühl des Gekränktseins verharren, oder ob wir beginnen, verantwortlich zu handeln und uns gegen Kränkungen zu schützen.

Der Verlag über das Buch

»Nicht verarbeitete seelische Verletzungen können im Extremfall ernste Folgen haben – von einem geschädigten Selbstwertgefühl bis hin zu Essstörungen. Bärbel Wardetzki verrät, wie Sie in Zukunft souveräner reagieren können.« freundin

»Bärbel Wardetzki untersucht in ihrem Buch, wie Frauen auf demütigende und verletzende Ereignisse mit Verhaltensweisen reagieren, die sie schon als Kinder erworben haben.« BRIGITTE

»Schnappen Sie schnell ein? Sind Sie leicht kränkbar? … Wenn das auf Sie zutrifft, dann gibt es in Ihrem Leben einen ›wunden Punkt‹. Wie Sie diesem auf die Spur kommen, erklärt die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki.« Psychologie heute

»Das Buch bietet interessante Einblicke in das eigene Seelenleben und in die komplizierte Funktionsweise der menschlichen Psyche. Ein lesenswerter Ratgeber für alle, die Kränkungen im Privat- und Berufsleben selbstbewusster begegnen wollen.« Amazon.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Der Autor über sein Buch

Kränkung als Chance zu innerem Wachstum!
Werden wir gekränkt, reagieren wir meist verletzt und fühlen uns in unserem Selbstwertgefühl getroffen. Kritik, Zurückweisungen und Ablehnung erleben wir als Abwertung unserer Person, wir fühlen uns nicht respektiert, wertgeschätzt, angenommen und verstanden. Daraus resultiert eine tiefe Verunsicherung, verbunden mit Gefühlen von Ohnmacht, Wut und Selbstzweifeln. In unserer Gekränktheit wenden wir uns trotzig von unserem Gegenüber ab und sinnen häufig auf Rache und Vergeltung.

Bärbel Wardetzki interessiert vor allem die Frage, wann wir besonders verletzbar sind. Anhand vieler Beispiele zeigt sie, dass Kränkungen auch eine Chance sind, unsere unfertigen Geschichten zu Ende zu bringen. Wir haben die Wahl, ob wir uns als Opfer der äußeren Umstände definieren und in dem Gefühl des Gekränktseins verharren, oder ob wir beginnen, verantwortlich zu handeln und uns gegen Kränkungen zu schützen.

Kösel-Verlag, München.

Über den Autor

Dr. Bärbel Wardetzki, geb. 1952, ist Diplom-Psychologin. Sie ist in München als Psychotherapeutin, Supervisorin, Coach und in der Fortbildung tätig und viel gefragte Referentin im In- und Ausland, Gast bei Funk und Fernsehen sowie Autorin mehrerer Bestseller mit einer Gesamtauflage von über 250.000 Exemplaren.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Kränkungen – Verletzte Gefühle

Wer kennt das nicht? Wir gehen erwartungsvoll an die Theaterkasse und just die Person vor uns bekommt die letzten Karten. Im Büro werden wir von einer Kollegin zurechtgewiesen, wie uns ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Unser Partner eröffnet uns, dass er eine andere Frau kennen gelernt hat und nun etwas Abstand von uns brauche. Im Briefkasten finden wir ein Schreiben, dass die Stelle, auf die wir uns beworben haben, leider mit jemand anderem besetzt wurde. Wir erfahren, dass eine uns gut bekannte Person ein Fest geplant hat, und wir sind nicht eingeladen. Wir warten vergeblich auf eine Antwort auf unser Päckchen an eine Freundin, der wir ein schönes Geschenk geschickt haben. Wir erleben Distanz zu einem uns vertrauten Menschen und vermissen die bisherige Zuwendung, die uns wichtig ist.
Diese und viele andere Situationen können zu Kränkungen führen. Kränkungen sind mögliche Reaktionen auf Ereignisse, durch die wir uns seelisch verletzt fühlen. Diese Ereignisse, die wir als Entwertung erleben, sind in der Regel Kritik, Zurückweisung, Ablehnung, Ausschluss oder Ignoriertwerden. Die Entwertung betrifft unsere Person, unsere Handlungen oder unsere Bedeutung für einen anderen Menschen. Entwertungen berühren direkt unser Selbstwertgefühl, da wir uns nicht respektiert, wertgeschätzt, angenommen und verstanden fühlen. Kränkungen verletzen unser Gefühl, uns als ganz und kohärent zu erleben. Daraus resultiert eine tiefe Verunsicherung unserer Person, verbunden mit Gefühlen der Ohnmacht, Selbstzweifeln, Enttäuschung, Schmerz, Wut und Verachtung. In unserer Gekränktheit wenden wir uns trotzig von unserem Gegenüber ab und sinnen häufig auf Rache und Vergeltung. In der Kränkung drücken wir aus: »So will ich das nicht haben, da mach ich nicht mehr mit.«
Kränkungsreaktionen und Selbstwertgefühl hängen eng zusammen und bedingen sich teilweise sogar. Zum einen haben Kränkungen eine Selbstwertschwächung zur Folge und sind verbunden mit Selbstzweifeln und einer Verunsicherung des Identitätsgefühls. Zum anderen sind sehr kränkbare Menschen, die wir im Alltag als »empfindlich« einstufen würden, häufig Menschen mit einem eher labilen Selbstwertgefühl. Sie reagieren schnell beleidigt, ziehen sich schon bei geringsten Anlässen zurück und sind für einige Zeit nicht mehr ansprechbar. Sie gelten zwar nicht als psychisch krank, leiden jedoch unter erheblichen Nichtigkeitsgefühlen, sind oft sogar chronisch gekränkt und führen Demütigung teilweise durch ihr unsicheres Auftreten selbst herbei, indem sie andere zu taktlosen Bemerkungen herausfordern. Allein durch einen falschen Ton in der Stimme, ein barsches Wort oder eine hochgezogene Augenbraue können sie massiv in ihrem Selbstwertgefühl verletzt werden. Das Gegenüber weiß manchmal gar nicht, was los ist, spürt jedoch, dass es diesen Menschen in irgendeiner Weise getroffen hat.
Elke Mann, eine Klientin von mir, verschwand von einem Tag auf den anderen, ohne dass ich mir erklären konnte, was passiert war. Schließlich rief sie mich dann an und sagte, sie wolle die Therapie beenden. Wir vereinbarten einen Termin, bei dem wir alles besprechen wollten. Es stellte sich heraus, dass sie sich sehr gekränkt fühlte, als sie nach der letzen Stunde auf dem Flur einer anderen Patientin von mir begegnete, die schlanker war als sie und ihrer Meinung nach viel besser aussah. Das beeinträchtigte ihr Selbstwertgefühl dermaßen, dass sie dachte, ich müsse die andere selbstverständlich mehr mögen als sie und deshalb könne sie gleich wegbleiben. Ich konnte ihr dann erklären, dass das für mich nicht so sei, und letztlich führten wir die Therapie fort, die später sehr erfolgreich endete. Das gelang jedoch nur deshalb, weil die Klientin sich ihrer Gekränkheit bewusst war und sie mir gegenüber ausdrücken konnte. Ansonsten wäre sie weggeblieben, ohne sich noch einmal bei mir zu melden. Ihre Persönlichkeit war so weit gestärkt, dass sie sich mit mir auseinander setzen wollte und konnte, aber sie war noch so labil, dass sie sich und unsere Beziehung allein durch das Erscheinen einer anderen attraktiven Frau vollständig in Frage stellte.
Einen Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl, den wir selbstbewusst nennen würden, werden wir nicht so leicht kränken können. Negative Botschaften von seinem Gegenüber wird er zum einen nicht so sensibel wahrnehmen, zum anderen nicht sofort auf sich beziehen und damit nicht in demselben Maße verunsichert werden. Der Umgang mit diesen Menschen ist zweifelsfrei einfacher, wir müssen nicht so Acht geben, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Dennoch, kränkbar ist jeder Mensch, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.
Kränkungen gehören zum Leben, wie auch der Angriff auf unser Selbstwertgefühl einen Teil unseres alltäglichen Erlebens ausmacht. Wir werden kritisiert, abgelehnt, ausgeschlossen, verlassen und zurückgewiesen. Ebenso werden wir auch geliebt, angenommen, gewollt und gelobt. Doch eben nicht immer. Die Auseinandersetzung mit Zurückweisungen bleibt niemandem erspart, so gerne wir das auch hätten.

Kränkungsreaktionen werden subjektiv als Ohnmacht, Wut, Verachtung, Enttäuschung und Trotz erlebt. Dahinter sind Gefühle von Schmerz, Angst und Scham verborgen, die oft weder gespürt noch ausgedrückt werden. Stattdessen wendet sich die Kränkung meist in Form von Gewalt gegen den »Täter«. Die Wut und Verachtung sind gleichsam Schutzreaktionen vor dem Schmerz der Verletzung. Ihr Ziel ist es, die schmerzliche Gekränktheit zu beenden und zu neutralisieren.
Kränkung entsteht durch:
– die Verletzung durch andere aufgrund von Zurückweisung.
– Die Verletzung löst Schmerz, Scham, Verzweiflung und Angst aus.
– Verletzung, Schmerz, Scham, Verzweiflung und Angst werden abgewehrt.
– Erlebt werden Wut, Verachtung, Ohnmacht, Enttäuschung und Trotz.
– Die Reaktionen sind Rache, Gewalt, Beziehungsabbruch, Suizid.

Neben Kränkungen durch andere gibt es auch Selbstkränkungen, die durch Selbstentwertungen gekennzeichnet sind. In diesen Fällen wertet sich eine Person selber ab und spielt ihre Wichtigkeit für sich und andere herunter. Menschen kränken sich beispielsweise selbst, indem sie ihre Ansprüche so hoch schrauben, dass sie nicht erfüllbar sind und sie mit dem ständigen Gefühl leben, nicht zu genügen. Sie kränken sich jedoch auch, wenn sie zu hohe Erwartungen an die Welt und andere Menschen stellen und auf diese Weise ständig enttäuscht werden. Die Aggression als Reaktion auf die Selbstkränkung richten sie gegen sich selbst in Form von Beschimpfung, schlecht mit sich umgehen bis hin zur Selbstverletzung. Nach außen hin zeigen sie sich trotzig und abwertend.

Was macht Kränkungen aus?

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit wurde mir deutlich, dass viele zwischenmenschliche Probleme auf Kränkungen zurückzuführen sind. Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten, Streit und Beziehungsabbrüche beruhen oft darauf, dass ein Mensch sich durch einen anderen Menschen gekränkt fühlt, diese Kränkung jedoch entweder nicht bewusst wahrnimmt oder sie aktiv verdrängt. Was bleibt, ist Wut, Verachtung und Groll gegen »diesen Menschen«, der einem »so etwas« antut. In der Folge wollen wir mit »so einem« nichts mehr zu tun haben: »Der ist für mich gestorben.« Anderen gegenüber sprechen wir schlecht über diesen Menschen, schimpfen über ihn und sinnen eventuell auf Rache, die ihn ebenso verletzen soll, wie wir uns verletzt fühlen. Auch wenn wir mit dem Kränkenden nichts mehr zu tun haben, sind wir doch innerlich noch mit ihm beschäftigt und das oft heftiger und länger, als uns lieb ist. Die unerledigte Kränkungsreaktion bindet uns an ihn in einer unangenehmen und belastenden Weise.
Öffentlich bekannt werden hauptsächlich jene Kränkungen, die zu gewaltsamen Auseinandersetzungen wie Schlägereien, Morden und Kriegen führen. In der Zeitung können wir von unzähligen Morden aus...

Auszug aus Ohrfeige für die Seele von Bärbel Wardetzki. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Aktivierte Ängste und Bedürfnisse

Die Folge früher Selbstwertverletzungen sind Ängste und unbefriedigte Bedürfnisse.

Nach dem neuesten Stand der Forschung werden vier wichtige Bedürfnisbereiche unterschieden, in denen der Mensch Befriedigung sucht und braucht:

1. Narzisstische Bedürfnisse. Sie beinhalten das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung, Akzeptanz und Bedeutung. Der Mensch braucht zur Aufrechterhaltung seines Selbstwertgefühls positive Erfahrungen, das Gefühl, akzeptiert zu werden und Bedeutung für andere Menschen zu besitzen. Wem all dies fehlt, wird sich depressiv und wertlos fühlen.

2. Bindungsbedürfnisse beziehen sich auf das Bedürfnis nach verlässlichen und solidarischen Beziehungen. Diese betreffen sowohl Liebesbeziehungen als auch freundschaftliche Bindungen, die dem Menschen vermitteln, nicht allein zu sein und Unterstützung und Zuneigung zu erhalten. Wem solche Beziehungen fehlen, wird sich ängstlich in seine Isolation zurückziehen und möglicherweise in Ersatzhandlungen wie Sucht einen Halt suchen.

3. Bedürfnis nach Autonomie, Orientierung und Kontrolle. Sie umfassen die Bedürfnisse nach Selbstbestimmung und Selbstentwicklung sowie nach Grenzen, Eigenräumen und Einflussnahme/Kontrolle. Der Mensch hat das Bedürfnis, Einfluss zu nehmen, eigenständig zu werden und nicht ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Er braucht einen Eigenraum, dessen Grenzen von anderen respektiert werden und die er seinerseits bei anderen nicht überschreitet. Wessen Grenzen nicht geachtet werden, wie dies bei Ausbeutungsbeziehungen der Fall ist, wird Schwierigkeiten haben, ein Gefühl für seine persönliche Autonomie zu entwickeln.

4. Bedürfnisse nach Lustgewinn und Unlustvermeidung. Der Mensch hat das grundlegende Bedürfnis, Zustände, die ihm Unbehagen verursachen, zu beseitigen. Beim Säugling können wir dieses angeborene Streben besonders gut beobachten: Er bekundet sein Unwohlsein durch Schreien, zum Beispiel wenn er Hunger hat, und ist lustvoll zufrieden, wenn diesem Zustand ein Ende gesetzt wird, er also essen kann und satt wird. Durch einschränkende Erfahrungen, Introjekte und soziale sowie gesellschaftliche Umstände kann uns dieser Mechanismus verloren gehen oder er kann nur unvollständig entwickelt sein. Frauen mit Essstörungen beispielsweise müssen erst wieder lernen zu spüren, was ihnen gut tut und was sie brauchen, da sie mehr dazu neigen, sich Unwohlgefühle zu verschaffen als Lust.

Neben unerfüllten Bedürfnissen finden wir als Folge früher Verletzungen auch unterschiedliche Ängste. Die jeweils spezifischen Ängste und Bedürfnisse geben dem individuellen wunden Punkt sein Thema.

Ich erinnere mich an einen wunderschönen Sommertag, den ich bei Freunden im Garten verbrachte. Jörg fing an, Tomaten für den Salat zu schneiden. Zuvor hatten wir unsere Phantasien über Lieblingsbeschäftigungen ausgetauscht und Jörg meinte, es würde ihm Spaß machen, ein Gourmetlokal zu führen. Ich sagte scherzhaft: »Dann müsstest du aber das Auge aus der Tomate schneiden.« Von mir war es nicht böse gemeint, und es war nicht meine Absicht, ihn zu maßregeln. Mich trafen jedoch sogleich ein bitterböser Blick und ärgerliche Worte, die verrieten, dass ich zu weit gegangen war und Jörg die Bemerkung kränkte. Ich hatte ihn, ohne dass ich es wollte, an seinem wunden Punkt getroffen.

Dieser hatte zu tun mit seiner Familie, speziell mit seiner Mutter. Er fühlte sich von ihr nie anerkannt und versuchte sein ganzes Leben lang, ihren Erwartungen zu entsprechen. Die Wunde lag brach, da er aktuell einen Konflikt mit ihr hatte, der sich um dieses Thema drehte. Sein wunder Punkt hieß: »Jetzt strenge ich mich schon so an, aber statt endlich gelobt zu werden für das, was ich alles schaffe, höre ich nur, es könnte noch besser sein«. Sein perfektionistisches Introjekt hieß: »Du musst dich anstrengen und alles gut machen«, sein abwertendes Introjekt: »Ich bin nicht gut genug«. Und nun kam ich und sagte ihm durch die Tomate: Du machst das nicht richtig. Es war zu diesem Zeitpunkt Öl aufs Feuer. Ich erschrak über die Heftigkeit seiner Reaktion und beschloss zu gehen. Ich spürte dann, dass ich meinerseits gekränkt war, da ich zum einen Angst hatte, etwas falsch gemacht zu haben, und dadurch befürchtete, den Frieden zu stören, zum anderen fühlte ich mich unverstanden, weil ich es doch nicht böse meinte. Ich zog mich zurück und versuchte zu verstehen, was gerade geschehen war. Als ich mich beruhigt hatte, ging ich zurück ohne Zorn und ohne Selbstanklage. Ich konnte mich so lassen, wie ich war, hatte keinen Druck, verstanden werden zu müssen oder alles wieder gut zu machen. Die Situation hatte sich zwischenzeitlich schon verändert. Der Salat war fertig, schmeckte köstlich und wir genossen das Essen.

Ich musste nicht in meiner Kränkung bleiben, da ich es als sein Problem sehen konnte und es nicht persönlich als gegen mich gerichtet nehmen musste. Ich konnte mein Selbstwertgefühl aufrechterhalten auch auf die Gefahr hin, dass er mich für blöd hielt, was er jedoch nicht tat. Jörg konnte auch wieder über sich lachen und seine Reaktion seiner momentanen Empfindlichkeit zuschreiben. Indem wir einen guten Kontakt zueinander fanden, löste sich die Situation unproblematisch, doch es hätte auch leicht zum Krach kommen können.

An diesem Beispiel sehen wir deutlich, wie viele Ängste und unbefriedigte Bedürfnisse bei Kränkungen aktiviert werden. Sie stehen hinter den Introjekten bzw. werden von diesen abgeschirmt. Was heißt das?

Perfektionistische Introjekte schützen uns vor der Wahrnehmung unserer Ängste und Bedürfnisse. Indem wir versuchen, diese Introjekte zu erfüllen, müssen wir unser Defizit nicht spüren und beruhigen die abwertenden Introjekte.

Indem Jörg gemäß seinem Introjekt »Du musst dich anstrengen« handelt, muss er nicht so viel Angst haben, etwas falsch zu machen und abgelehnt zu werden. Dieses Introjekt ist eine Konsequenz aus den Erfahrungen in seiner Kindheit und hat den Sinn, sein Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen. Er erlebte, dass er ohne Vorleistung diese Anerkennung nicht bekam. Also beschloss er, einen Weg zu finden, der sie ihm bescheren könnte. Und er entschied sich für die Anstrengung, in der Hoffnung, dann seiner Mutter zu gefallen. Meine Kritik an seiner Art, Tomaten zu schneiden, belebte seine Angst, nicht zu genügen, und aktivierte sein Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung. Er erlebte daher meine Bemerkung als Kränkung, denn sie brachte ihn in Kontakt mit seiner alten Verletzung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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