"Der Ohrenzeuge" ist eine Sammlung von fünfzig Charakterbeschreibungen. Ob nun der Namenlecker, der Fehlredner oder die Tischtuchtolle, sie alle stellen eine Eigenschaft von uns allen, uns Menschen dar. Canetti gelingt es, die Menschen so zu sehen, wie sie sind, hält uns einen Spiegel vor die Nase und sagt uns damit, wir sollen nicht über die anderen lächeln, wir sind ja selbst auch nicht anders. Diese Charaktersammlung ist allerdings keine Abrechnung Canettis mit den Menschen, nein, er drückt auf diese Art nur aus, wie sehr er sie doch mag, es ist eine unmerkliche Sanftheit oder Zärtlichkeit in seinen Beschreibungen zu bemerken. Und gerade dies macht das Buch zu etwas Einzigartigem. Dinge, über die sonst keiner zu reden mag, werden hier übertrieben dargestellt, und so entsteht ein Bild von den Menschen, wie es zuvor noch keiner von uns wohl gesehen haben mag. Ein Buch für einen nachdenklichen Sonntag nachmittag, der einem die Ruhe gibt, die dieses Buch braucht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)