Pressestimmen
»Es gibt wenige Romane, in denen die Dialektik von Vergessen und Erinnern, Verschweigen und Reden, Verdrängen und Bekennen so komplex geschildert wird wie in Rabinovicis Roman. [....]
Die nicht selten musilesken Diskussionen, die oft canettihaften Wortwechsel und die zuweilen brochische Dichte verleihen dem Buch das spezifische Gewicht großer österreichischer Literatur.« (Paul Michael Lützeler
Die Zeit )
»Doron Rabinovici hat mit
Ohnehin einen besonderen Wien-Roman geschrieben.« (
Der Standard, Wien )
»Doron Rabinovici erzählt von Liebe, Verlust, von Moral und Geschichte, vom Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Herkunft, den Missverständnissen, absichtlicher und versehentlicher Grausamkeit, den Traurigkeiten des Erinnerns und der Verzweiflung des Vergessens... Am liebsten möchte man alle Szenen und Geschichten erzählen.« (Katharina Hacker
Die Welt )
Kurzbeschreibung
Stefan Sandtner, Facharzt für Neurologie, kämpft gegen die Krankheiten der Erinnerung, aber er kennt kein Mittel, um eine Frau zu vergessen, die noch unlängst mehr als eine Kollegin für ihn war. Er nimmt sich eine Auszeit vom Klinikdienst. Nur einen Patienten, den er seit seinen Kindertagen kennt, behandelt er weiter: den alten Herbert Kerber, der sich nichts länger als 15 Minuten merken kann. Niemanden erkennt er wieder; nur die Kriegsjahre, über die er zuvor nie sprach, sind in aller Schärfe präsent, ja, er glaubt sich mitten in ihnen.
Ob allerdings das Heraufholen der Erinnerungen überhaupt erstrebenswert ist, darüber geraten die erwachsenen Kinder des Alten in Streit. Ist nicht das Vergessen eine Gnade? fragt sich der Sohn, zumal so am heilen Bild des Vaters keine Risse entstehen. Die Tochter hingegen veranstaltet mit dem Kranken Tribunale, die zu keinem Ende kommen, weil ihm vorher immer wieder alles entfällt.
Wenn er nicht bei seinem Patienten ist, treibt es Sandtner auf den Wiener Naschmarkt. Hier, inmitten heimischer und orientalischer Köstlichkeiten, trifft er alte Freunde und macht neue Bekanntschaften. An den bunten Ständen läßt er sich ihre Geschichten erzählen. Hier lernt er Flora Dema kennen, eine junge Filmemacherin aus Ex-Jugoslawien, die ihn in ihren Bann zieht. Mit ihr will Sandtner alle Probleme vergessen, ohne dabei zu merken, in welchen Nöten sie sich befindet.