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Ohne Schulden läuft nichts: Warum uns Sparsamkeit nicht reicher, sondern ärmer macht
 
 
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Ohne Schulden läuft nichts: Warum uns Sparsamkeit nicht reicher, sondern ärmer macht [Taschenbuch]

Thomas Strobl
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423248319
  • ISBN-13: 978-3423248310
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 73.261 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Strobl zeigt in seinem Buch, dass Wachstumszwang die kapitalistische Welt beherrscht und Schuldenmachen eine Investition in die Zukunft ist: Ein Albtraum, aber ein realer.«
Börsenblatt 22.07.2010

»Gesamturteil: Leseempfehlung. Kein Text hat mir bislang die grundlegenden Zusammenhänge der modernen Wirtschaft und das Problem der Staatsschulden so klar dargelegt. Die Prämissen sind klar und die Zusammenhänge verständlich. Die Verknüpfung historischer Grundlagen (auch wenn sie zu kurz kommen) und tagesaktueller Probleme ist wirklich sehr gelungen.  «
Stefan Schulz, sozialtheoristen.de 25. Oktober 2010

»Alle wollen SPAREN - so funktioniert Wirtschaft nicht, sagt der Ökonom Thomas Strobl.«
Sächsische Zeitung 30. Oktober 2010

»Thomas Strobl legt ein teils glänzend formuliertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpfeiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und ihre Folgen benennt, ebenso die Hilfslosigeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den ein oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt ... Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte, ist das Buch reinweg empfehlenswert.«
Michael Lehmann-Pape, buchtips.net 30. November 2010

»Erfrischend schnell schiebt Strobl alles beiseite, was die tonangebenden Ökonomen zu diesem Thema zu sagen haben, denn diese haben sich 'eine kapitalistische Welt zurechtgezimmert, der alles fehlt, was den Kapitalismus ausmacht', nämlich Geld, Kredit, Finanzmärkte und Zeit. Bei dieser inzwischen viel gehörten Klage bleibt Strobl allerdings nicht stehen. Stattdessen präsentiert er seinen Gegenentwurf einer Marktwirtschaft, zu der das Ziehen von Wechseln auf die Zukunft als elementarer Bestandteil gehört ... Dadurch, dass er den Kredit ins Zentrum seiner Überlegungen rückt, eröffnet Strobl dem Leser neue Einsichten in die Wirkungsweise der Marktwirtschaft und bringt die Diskussion über die Rolle des Staates und der Finanzbranche voran.«
Norbert Häring, Handelsblatt 3. Dezember 2010

»Thomas Stobl ist immer für provokante Thesen gut. Bereits der Titel seines neuen Buches sorgt für Irritation ... Für Strobl sind Schulden keineswegs nur schlecht ... Auch die gegenwärtige Finanzkrise der EU schätzt der Experte nicht so gefährlich ein wie viele andere.«
Hanauer Anzeiger 7. Dezember 2010

»Thomas Strobls flott geschriebenes, originelles Buch fängt mit einem Satz an, den Ältere oft Jüngeren mit auf den Lebensweg geben: 'Mach bloß keine Schulden.' Schon der Einstieg lässt vermuten, wohin Strobls Reise geht: in die entgegengesetzte Richtung ... Unser gesamter Reichtum sei nur durch Risikobereitschaft, durch Schuldenmachen entstanden. Nicht nur schwäbische Hausfrauen stöhnen auf, wenn sie so etwas frivol Klingendes lesen. Das Lesen lohnt sich dennoch. Hier bürstet jemand gegen den Strich ...«
Bergische Morgenpost 14. Dezember 2010

»Aus dem Meer der Wirtschaftsbücher, die im Gefolge der ökonomischen Krise rasch geschrieben wurden und in Summe eine erschreckende Ratlosigkeit der Experten spiegeln, ragt dieses Werk heraus. Und zwar aus vielen Gründen. Der wichtigste: Es ist wirklich einmal ein Buch, das sich auch für Nicht-Volkswirte spannend liest.«
Ernst Sittinger, Neue Vorarlberger Tageszeitung 8. Januar 2011

»Die Rockgruppe The Who, Karl Marx, Goethes Faust, und John Maynard Keynes in einem Buch - da wird einem fast schwindelig. Sie alle verknüpft Thomas Strobl geschickt mit seinem Thema: der Notwendigkeit von Schulden fürs Wirtschaftswachstum. Erst die Schuldenwirtschaft, so Strobls Kernthese, vermögliche eine Vermehrung des Geldes. Auf unterhaltsame Weise verleitet er den Leser zum Mitdenken ...«
Eco 22. Februar 2011

»Thomas Strobl legt ein teils glänzend argumentiertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpreiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und in ihren Folgen benennt, ebenso die Hilflosigkeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den einen oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt. Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte, ist das Buch rein empfehlenswert.«
M. Lehmann-Pape, buchtips.net 28. Februar 2011

»Die weltweite Finanzkrise ist noch längst nicht ausgestanden. Sie setzt die Euro-Staaten mächtig unter Druck. Und die Politik agiert nach dem Motto: 'Für die Krise können wir nichts, aber für die Folgen kommen wir auf.' 'Wir' meint in diesem Fall 'wir alle' - sprich: der Staat. So bringt es der Ökonom, Manager und Publizist Thomas Strobl in seinem kenntnis- und aufschlussreichen Buch auf den Punkt.«
Norbert Copray, Wirtschaftsblatt 11. März 2012

Kurzbeschreibung

Abendliches Insolvenz-Entertainment im TV verzeichnet Spitzenquoten, die deutsche Staatsverschuldung erzeugt Weltuntergangsstimmung. Dabei ist unser ganzer Reichtum nur durch Schulden entstanden. In vormodernen Zeiten hat sich der materielle Wohlstand alle 500 bis 1000 Jahre verdoppelt, in den letzten beiden Jahrhunderten alle 40 Jahre.

Woran lag das? Erst durch die Erfindung der systematischen Schuldenwirtschaft war es möglich, aus Geld mehr Geld zu machen. Aber Kredite sind Wetten auf eine bestimmte Zukunft. Wenn diese so nicht eintritt, dann gibt es eine Krise. Das ist kein Unfall, sondern systemimmanent. So funktioniert der Kapitalismus! Und die Staaten der Welt bilden die Nachhut. Sie können gar nicht anders.

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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Regeln des Kapitalismus 27. November 2010
Format:Taschenbuch
Die gerade ausgestandene Krise der Finanzwirtschaft ist, folgt man Strobl in seinen Ausführungen, weder ein unvorherzusehendes Unglück noch ein Verschulden einiger krimineller Elemente in der Bankwirtschaft, sondern einfach eine logische Folge der innewohnenden Systematik kapitalistischen Wirtschaftens. Wie aus der FAZ gewohnt in scharfer und treffsicherer Sprache, nimmt Strobl wieder einmal kein Blatt vor den Mund.

Gegen den Trend althergebrachter Sprichwörter ("Spare in der Zeit...") und quotenträchtiger Fernseh-Schuldenberater legt Strobl in seinem Buch einige Kerngesetze marktorientierten Wirtschaftens vor, ohne die Problematiken eines 'zuviel' zu verschweigen.
Konsequent zeigt er zunächst auf, dass die Mehrung von Wohlstand letztlich auf einer Mehrung von Gütern und Kapital gründet, diese Mehrung aber nur durch immer wieder sich vollziehende Investitionen in die Zukunft möglich werden, solche Investitionen in jener Höhe, die es braucht, um zu wachsen, nur durch Kredite möglich sind, sprich, durch mehr Mittel zur Investition als jene, die aktuell verfügbar wären.

Da Kredite aber immer eine Wette auf die Zukunft sind, wird es da höchst problematisch (und bei den Summen, die mittlerweile weltweit unterwegs sind zugleich eine Bedrohung für ganze Nationen und Volkswirtschaften), wenn die Wette verloren wird. Da der Kredit aufgrund der Investitionsnotwenigkeiten immer bereits am Anfang wirtschaftlichen Handelns steht, beruht das gesamte System logischerweise auf dem Risiko von Kreditausfällen. Aufgrund des ebenfalls innewohnenden Wachstumszwangs ist es ebenso folgerichtig, dass die Wetten und Kredite immer höhere Ausmaßnahme annehmen, risikoreicher werden und somit die Chance auf ein Platzen der Wette prozentual immer weiter zunehmen, bis die jeweilige Blase folgerichtig platzt. Es ist ernüchtern, Strobl in seinen immer klaren, teils brillanten Ausführungen zu folgen und zugleich mit ihm zu der Erkenntnis zu gelangen, dass dieses System nicht veränderbar im Raume steht. Auch auf mittelfristige Zukunft hin gesehen wird die globale Finanzwirtschaft weiterhin die Geschicke der Volkswirtschaften maßgeblich bestimmen.

Auf dem Weg zu dieser Schlussfolgerung legt Strobl im ersten Teil des Buches die Grundpfeiler des Kapitalismus dar, zeigt im zweiten Teil auf, dass die Wissenschaften als Theorie den realen Vollzügen immer nur nachlaufen können und diese im Wesen theoretisch nicht erfassbar sind, bevor im dritten Teil des Buches konkret praktisch offengelegt wird, wie der "Schmierstoff" der Wirtschaft, Kredite, verwaltet, vergeben, durchaus aber auch verweigert werden und warum dies im Einzelnen so ist. Erschreckend gerade dieser Teil des Buches, der die Macht der Banken ungeschmälert und ungeschönt plakativ vor Augen führt. Im vierten Teil versucht sich Strobl dann an der Darstellung von Alternativen, macht aber nicht viel Hoffnung auf deren Umsetzung. Denn eine "Renditediät" scheint ihm (und auch dem Leser nach Lektüre seines Buches) eher unwahrscheinlich. Dennoch liegt hier die Chance auf langfristige Umgestaltung und Befreiung aus den Fesseln der Finanzwirtschaft begründet. Kredite sind notwendig für ein florierendes Wirtschaftssystem, aber wild wuchernde Kredite um der reinen Geldvermehrung für wenige werden auf Dauer diese Welt nicht zu einem stabilen Ort machen. Hier ist der eigentliche Handlungsbedarf eines langfristigen Umsteuerns der Finanzströme.

Thomas Strobl legt ein teils glänzend argumentiertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpfeiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und in ihren Folgen benennt, ebenso die Hilflosigkeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den ein oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt. In der Wahl nur zwischen immer weiteren Bürgschaften von übernationalen Gremien oder einem drohenden Armageddon bietet er nur düstere Aussichten, weist aber dennoch durch seinen Begriff der "Renditediäten" einen möglichen Ausweg (dem er nur geringe Wahrscheinlichkeiten allerdings einräumt). . Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte ist das Buch reinweg empfehlenswert.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ein interessantes Buch hat der Herr Strobl (weissgarnix.de) da geschrieben, die Rolle der Schulden und der Kredite herausgearbeitet für das Weiterlaufen einer immerwachsenden (Geld-)Wirtschaft im Finanzmarktkapitalismus und die daraus entstehenden Probleme. Eine schöne Abrechnung mit der Ökonomie der letzten Jahrzehnte, die nicht erklären kann, was sich gerade allerorts abspielt, weil sie nicht den richtigen Begriff von Geld und von Schulden hat. Man kann hier sehr viel lernen. Aber, und das ist sehr bedauerlich, so gut und interessant seine Thesen sind, sie sind schlecht aufbereitet. Vieles, was man schön in einer kleinen Abbildung hätte darstellen können, wird in endlos langer Prosa ausgebreitet, deren Stil uneinheitlich schwankt zwischen Flapsigkeit, verschraubten Satzgebilden, und dem Tonfall, den man anschlägt, wenn man seinem Kind was erklären möchte. Hier hätte unbedingt ein guter Lektor hergehört, der die manchmal mühsam zu lesenden Laberflashs von Herrn Strobl gekürzt und das ganze Buch etwas stringenter gemacht hätte. Außerdem ist mir das Buch zu brav. Man hätte ruhig mal jemandem besonders Inkompetenten aus Politik oder Bankenwesen ans Bein pinkeln können.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Das Buch ist insgesamt sehr interessant, zumal es mit eigenen Thesen daherkommt, die auch noch eingehend begründet werden. Dennoch habe ich mich mit ihm so schwer getan, wie mit kaum einem anderen in den letzten Monaten. Das hatte vor allem zwei Gründe:

1. Dem Buch fehlt eine klare Strukturierung. Statt Kapitelüberschriften, die bereits andeuten, worum es im Wesentlichen darin geht, heißt es Kapitel I, Kapitel II usw. Ich lese Bücher gerne zunächst selektiv. Dazu schaue ich ins Inhaltsverzeichnis, um mir die Kapitel herauszusuchen, deren Themen mich ganz besonders interessieren. Erwecken sie mein Interesse, lese ich ggf. den gesamten Text zusammenhängend. Das ist bei diesem Buch nicht möglich: Entweder fehlen die Titel ganz, oder sie sind nichtssagend wie etwa "Doktor John schlägt zurück".

2. Der Text ist mitunter dermaßen schwafelig, dass ich drauf und dran war, das Handtuch zu werfen. Textprobe (S. 105f.): "Man mag es nicht glauben: Das Theoriegebäude der Neoklassik, auf das sich die Wirtschaftspolitik des Westens seit Jahrzehnten stützt, kennt weder Geld noch Gewinn. Womit soll man das am besten vergleichen? Mit Gourmet-Kochbüchern, die von strengen Vegetariern geschrieben werden? Mit Vatikan-Funktionären, die Sex-Ratgeber herausbringen? Schwimmlehrern, die wasserscheu sind? Doch es kommt noch besser: Zunächst war die Ökonomie gar nicht dazu gedacht, praxistaugliche Erklärungen zu liefern. Oder gar politische Empfehlungen abzugeben. Vielmehr war sei eine rein akademische Übung. Ein intellektueller Schleifstein, an dem angehende Ökonomen ihre Gedanken schärfen konnten. Nichts weiter. Ein Glasperlenspiel - wie in Hermann Hesses gleichnamigen Roman: So wunderschön und für die Praxis doch so nutzlos. Aber während die Bürger Kastaliens ihr Leben unbehelligt von den Magistern des Glasperlenspiels führen konnten, wird unsere Realität von den Abstraktionen und Fiktionen der Ökonomie sehr wohl beeinflusst. Ob wir es wollen oder nicht. ..." Aus reinem Selbstschutz begann ich die Seiten irgendwann nur noch diagonal zu lesen.

Viele Überlegungen des Buches fand ich durchaus interessant. Dazu gehörten die Darstellungen der historischen Bankenentwicklung und über den Weg hin zum Finanzmarktkapitalismus, die Ausführungen zum Wachstumszwang durch hohe Einkommen, zu den Alternativen Wirtschaftswachstum oder Verteilungskampf, zu Einkommensunterschieden, zum Außenhandel, zum "Physikneid"(siehe etwa John Brockman: Die dritte Kultur) in den Volkswirtschaften u.v.a.m.

Auch hat mir sein Gedankenexperiment zur Herkunft des Gewinns sehr gut gefallen, wenngleich er mir da stellenweise zu viel hineininterpretierte. Denn im Grunde zeigt das Beispiel nur, wie Geldmengenwachstum und damit letztlich echtes Wachstum entstehen kann: Aufgrund des Kreditwachstums (ggf. auch durch Zinsen) muss ständig neues Geld in Umlauf gebracht werden. Der Autor behauptet jedoch, damit ließe sich sogar die Herkunft des Gewinns und des Wohlstands erklären. Wohlstand entsteht gemäß ihm dadurch, dass Unternehmen Kredite aufnehmen (148): "Damit Gewinnerzielung auf gesamtwirtschaftlicher Ebene möglich wird, muss irgendwer per Kredit in Vorleistung gehen: Dadurch erst werden die Einkommen geschaffen, die einen Gewinn für alle ermöglichen; das setzt die Wachstumsspirale in Bewegung. Das 'Mehr' kann dann auf alle übrigen Sektoren verteilt werden, an den Staat über Steuern und an die Beschäftigten über Lohnzuwächse - und schon haben wir 'Wohlstand für alle' verwirklicht."

Und an anderer Stelle (153): "Wie wir vorhin mit Karl Marx festgestellt haben, speist sich steigender Wohlstand aus Investitionen." Diese Investitionen stellen für ihn die eigentliche Ursache der Unternehmensgewinne dar (156): "Alle Unternehmen zusammengenommen können in einer bestimmten Periode nur so viel Gewinn erzielen, wie in dieser Periode insgesamt investiert wird." Tatsächlich?

Ich halte seine Aussagen an dieser Stelle für nicht ganz korrekt bis stellenweise falsch. Wohlstand für alle entsteht meiner Meinung nach primär durch Innovation. Und das funktioniert bereits in Tauschwirtschaften. Stellen wir uns dazu zwei Steinzeitmenschen vor: der eine geht zur Jagd, der andere fertigt Pfeil und Bogen (in Sinne des Buches arbeitet der Jäger in der Konsumgüterindustrie, der Bogenbauer dagegen in der Investitionsgüterindustrie). Irgendwann machen die beiden einen Deal: Der Bogenbauer versorgt den Jäger mit immer besseren Jagdwaffen, dafür gibt ihm der Jäger die Hälfte seines Jagderfolges ab. Mit der Zeit dürfte es den beiden Steinzeitfamilien immer besser gehen. Warum? Weil man innovativ ist und die Produktivität fortlaufend verbessert. Auch ohne dass Geld fließt, kann man sich immer mehr "leisten".

Kredite werden erst dann erforderlich, wenn Produktivitätsverbesserungen nur mit immer größeren Investitionen zu erreichen sind, wenn also Innovationen immer mehr Geld kosten. Der Zwang zur Innovation im Wettbewerb ist es folglich, der die Wirtschaft vorantreibt, und nicht die Kreditaufnahme oder gar die Erfüllung von Gläubigerpflichten, wie es der Autor glauben machen möchte. Dabei bringt er es in seinem Gedankenexperiment, welches ganz nebenbei ein sehr schönes Beispiel für eine Red-Queen-Argumentation ist, eigentlich auf den Punkt: Der Unternehmer muss ständig investieren, weil es der Wettbewerb seiner Meinung nach auch tut. Wie heißt es doch so schön: Hierzulande musst du so schnell rennen wie du kannst, um auf der Stelle stehen zu bleiben.

Des Unternehmers Sorge ist also der Erhalt (die Reproduktion) seiner Marktkompetenzen. Und deshalb muss er investieren. Das Missverständnis tritt auch in einem Zitat Gunnar Heinsohns zu Tage (146): "Für Gunnar Heinsohn investieren Unternehmer denn primär auch zur 'Verteidigung ihres Eigentums', wie er es nennt: 'Wer nicht investiert, reduziert den Wert seines Eigentums und beeinträchtigt dadurch seine Kreditfähigkeit ...'". Dies ist nur bedingt richtig: Wer nicht investiert, reduziert seine Kompetenzen und gefährdet hierdurch den eigenen Selbsterhalt und damit dann natürlich u.a. auch sein Eigentum.

Gewünscht hätte ich mir noch eine Auseinandersetzung mit dem Freigeld (immerhin behaupten deren Vertreter, sie könnten Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle ganz ohne Zins produzieren), dem Monetarismus (dieser kennt Geld, denn bei ihm steht die Geldmenge im Vordergrund - dessen Hauptvertreter Milton Friedman wird aber nicht einmal im Namensverzeichnis aufgeführt), der Erdölproblematik (in Saudi Arabien bohrt man beispielsweise ganz einfach Löcher sind den Boden und schon sprudelt Geld daraus) und eine Einbettung der vorgetragenen Zusammenhänge in die Evolutionstheorie. Die Systemische Evolutionstheorie erklärt beispielsweise die technische Evolution beinahe exakt so wie das Gedankenexperiment des Autors. Allerdings erklärt sie Unternehmen zu eigenständigen Evolutionsakteuren (und damit gewissermaßen zu Lebewesen), die fortwährend um die Bewahrung ihrer (relativen) Kompetenzen bemüht sind.

Dennoch halte ich das Buch insgesamt für sehr lesenswert.
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