auf dem album "wien" fanden sie erstmals zusammen, beim song "hammerschmidtgassen": willi resetarits und ernst molden. damals entstand die idee, ein ganzes album zusammen aufzunehmen. molden, immer schon ein rasend schneller arbeiter, wenn die inspiration da ist, schrieb daraufhin ein sackl voller lieder mit resetarits' stimme im kopf, fuhr von seiner wohnung im dritten wiener hieb über die donau nach floridsdorf zu resetarits, und spielte ihm die stücke vor. resetarits musste laut eigener aussage ein bisserl weinen, weil die musik halt gar so schön war. außerdem gabs da noch ein, zwei lieder ("is a dod da mau", "de blia"), die molden schon länger im gitarrenkoffer hatte.
das ergebnis ist jedoch kein duo-album, sondern eher eine band-darbietung, mit molden als frontman. molden schrieb die songs, singt die raue, nah am sprechen liegende hauptstimme, spielt seine wunderbar elegante, zwischen folk, blues und rock wohnende (akustik)-gitarre. resetarits singt meist die zusatzstimme, weich, intonationssicher, gar nicht so raunzend, wie man es von ihm kennt - und spielt eine ganz ausgezeichnete mundharmonika. hannes wirth (von a life a song a cigarette) steuert harsche, unfrisierte akordzerlegungen an der telecaster bei. walter soyka spielt das akkordeon, völlig kitschfrei, sehr intensiv, ungesüßt. und auch karl stirner, normalerweise soykas duettpartner, ist auf einem stück mit seiner zither vertreten.
die musik hat - obwohl instrumentarium und mundart diese assoziation nahelegen - nicht das geringste mit den harmonien des wienerlieds zu tun, sondern sie kommt von der amerikanischen volksmusik. die jüngsten alben von bob dylan können als ungefähre benchmark dienen, auch indie-americana klingt an. beim gesang vermeiden molden und resetarits - leider, möcht ich fast sagen - mit größter strenge die terzenseligkeit von simon & garfunkel oder von österreichischer volksmusik. meist singen sie strengere intervalle, nicht selten singen sie unisono, oft auch nur abwechselnd, nicht gleichzeitig.
die sprache ist wienerisch (erstmals auf einem album mit molden-eigenkompositionen), aber sie ist wie immer bei molden erstens phonetisch durch dessen dunkle, verschliffene vokale überformt und daher etwas ganz eigenständiges, zweitens ohnehin nur trägermedium für moldens ganz großartige, merkwürdige poesie zwischen licht und schatten. eine formulierung wie (aus dem kopf ungefähr zitiert) "des garagentor quietscht wia a oame söl", die muss einem erst einmal einfallen.
ein herrliches beispiel für moldensche lyrik ist auch "is a dod da mau". molden lag mit seinem sohn auf der donauinsel, als sie einen körper im wasser vorbeitreiben sahen. "papa, ist er tot, der mann?", fragte der bub. erst als sich der körper bewegte, wurde ihnen klar, dass es sich nur um einen besonders lethargischen schwimmer handelte. molden machte daraus den chorus "is a dod da mau? is a dod da mau? is a dod da mau? is a scho gsturben? is a dod da mau? is a dod da mau? is a dod da mau? oder stirbt er erst murgen?" dieses schaurige mantra wird von einem extraschwarzen, scheppernden blues großartig vertont.
ein eindrucksvolles album, dem ich ganz knapp den fünften stern verwehre, weil ich finde, dass molden auf "wien" und "bubenlieder" als songschreiber noch präziser, noch schärfer, noch packender agiert hat. manchmal wirds mir auf "ohne di" dann beinahe zu beschaulich.
aber nur beinahe. ein ganz starker künstler, den zu entdecken ich dringend empfehle.