"Ohne Angst" war 1984 Wegbereiter von Julianes grandiosem Megaalbum "Sehnsucht ist unheilbar" und gleichzeitig Beginn ihrer zweiten Karriere, nachdem es nach Conny Kramer & Co. erstmal still geworden war um sie.
Produziert von Harald Steinhauer, das Coverfoto von Jim Rakete, was sollte da schief gehen? Die Musik ist noch etwas handgemachter als auf den folgenden Alben, aber die Richtung ist klar, auch was die Texte angeht: Angst, Trauer, Mysteriöses. "Nur für dich" wäre allein 5 Sterne wert - ein kleines, seltsames Liedchen, in dem es um dösende Toyotafahrer, Gartenzäune, die an die Rushhour stoßen, und den Verkehrsverein geht, der die Sterne anknipst. Mit Schreckensvisionen zuhause warten in "Lohn der Angst", den Geliebten "Drei Jahre lang" in den Knast verabschieden, ihm mit "Geh nicht in die Stadt" von Blödsinn abhalten und mit Geistern die "Spur des Mondlichts" am Strand abschreiten, das sind wunderbare Schlager (und das meine ich nicht abwertend!). Mit "Soll das alles gewesen sein" und der Filmriss-Abschleppfrage "Wie bin ich hierher gekommen" kann ich nicht so viel anfangen, und ob die eingedeutschten Coverversionen "Sonne auf der Haut" (Nik Kershaws "Wouldn't It Be Good") und "Nacht voll Schatten" (Mike Oldfields "Moonlight Shadow") die richtige Wahl waren?? Zumindest brachten sie Juliane Werding die nötige Promotion, aber ich finde sie etwas schwachbrüstig. Zuerst freut man sich auch über den Wiedererkennungswert, aber es bleibt doch ein etwas fader Nachgeschmack.
Alles in allem mag ich "Ohne Angst" sehr gerne, weil es schön zu hören ist, ein bisschen zum Nachdenken anregt - und wunderbar nach Früh-80er Schlagerpop klingt! Das brauch ich manchmal einfach zum Glücklichsein.