"Ohne Aktien geht es nicht! Schritt für Schritt zum Anlageerfolg" von Werner Schwanfelder ist das zweite von drei Büchern über Aktien/Investmentfonds, das ich gelesen habe. Ich hatte zuvor "Souverän investieren mit Indexfonds" von Gerd Kommer gelesen und hatte gehofft, ergänzendes Wissen oder andere Standpunkte zu Anlagestrategien aus dem Buch ziehen zu können. Da das Buch zum Zeitpunkt des Kaufs nach 5 Rezensionen einen Schnitt von 4,5 aufwies, erwartete ich mir zumindest ein Mindestmaß an wertvollen Informationen. Leider wurde ich bitter enttäuscht, denn keine einzige Seite in diesem Buch ist das Geld wert, das das Buch kostet.
Im ersten Teil des Buches werden eine Reihe von Begriffen aus der Anlagewelt erklärt: "Was ist eine Aktie?", "Was ist eine Dividende?", "Was ist der Parketthandel?" usw. usw. Dieser Teil ist gerade noch zu ertragen, wenngleich er sehr umständlich geschrieben ist. Präziser und schneller kann man sich diese Fragen mit Wikipedia beantworten.
Unerträglich wird es dagegen, wenn Schwanfelder zum eigentlich interessanten Teil, nämlich der Praxis des Anlegens kommt. Hier spart er nicht mit geistreichen Tipps: "Immer im Trend bleiben" legt er uns ans Herz. Rechtzeitig verkaufen, wenn der Trend vorbei ist. Wir sollen eine Strategie haben und diese konsequent verfolgen. Auf diese Weise folgt ein nichtssagender Satz dem nächsten. Wenn die Analysten eine Aktie auf "Buy" setzen, dann sollen wir kaufen, denn die Analysten erwarten, dass der Kurs steigen wird. Vice versa für "Sell". Kritisches Hinterfragen oder Verweise auf wissenschaftliche Untersuchungen solcher Bewertungen durch Analysten? Fehlanzeige! Dabei muss man nicht besonders viel Zeit investieren um herauszufinden, dass solcherlei Empfehlungen eine Vorhersagekraft von ungefähr Null haben. "Nicht unumstritten" sei der astrologische Ansatz, bei dem Analysten auf Grund der Konstellation der Gestirne den Aktienkurs vorhersagen. Was wie ein bewusster Scherz zur Erheiterung des Lesers klingt, war, so befürchte ich, keineswegs als Scherz gedacht.
Ich könnte jetzt noch endlos Beispiele nichtssagender Anlagetipps des Autors aufzählen, belasse es aber bei einem weiteren, das man gerne als beispielhaft für die übrigen Kapitel des Buches ansehen kann. Als dicke Überschrift thront auf Seite 190 "Die Frage nach dem Timing: Wann kaufen?" Dazu schreibt der Autor: "...Wann kaufen? Die Frage ist berechtigt: Kaufen kann man natürlich immer, denn gewinnen kann man sowohl dann, wenn man auf steigende Kurse spekuliert, als auch dann, wenn man mit fallenden Kursen rechnet. ... Das bedeutet, dass letztlich jeder Zeitpunkt zum Einstieg der richtige ist, vorausgesetzt, Sie wählen das passende Anlageinstrument. Natürlich sollten Sie nicht ihr gesamtes Kapital auf einmal einsetzen." Hier endet der Abschnitt. Somit ist also die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt beantwortet: Ich muss das passende Anlageinstrument wählen, dann ist der Zeitpunkt egal. Mein Leben in Reichtum ist damit wohl unabwendbar geworden!