...und manchmal auch ein wenig lasziv dringt Karin Bergquists Stimme aus den Lautsprechern, wenn die Musik von "Over the Rhine" erklingt. Das erinnert oft ein bisschen an Amanda Marshall oder Lucinda Williams, hört sich dann aber doch wieder ganz anders an. Vor allem die musikalischen Arrangements sind es, die "Over the Rhine" komplett unverwechselbar machen. Bergquists Stimme ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.
Die Band aus Ohio hat ihren Namen vom gleichnamigen Stadtteil Cincinnatis in Ohio übernommen. Zunächst spielten "Over the Rhine" in wechselnder Besetzung. Dann kristallierte sich jedoch heraus, dass Karin Bergquist und ihr Ehemann Linford Detweiler den Kern der Band symbolisieren. Seit 1991 sind 13 Studioalben entstanden. -Ohio- erschien 2003 und war die Nr.10 in der Liste der Veröffentlichungen. Wer die Doppel CD in den Player befördert, wird sich musikalisch in die Staaten versetzen. Karin Bergquists Stimme macht aus jedem Song ein Stückchen garantierte Gänsehaut. Die Lieder sind hervorragend instrumentiert und alles andere als Mainestream oder eintönig. Beim Download gibt es 21 Titel fürs Geld; das ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Anspieltipps: -Changes- ist eine eindringliche Hymne der Veränderung. Langsam steigert sich das Stück in einen fast Gospelartigen Gesang. -Anything at all- könnte aus der Feder von Lucinda Williams stammen. Klavier, Gitarre, eine eingängige Melodie, das wirkt fast schon radiotauglich. -Jesus in New Orleans- ist ein Indiependent Stück vom Feinsten. Ein Klasse-Text, gemischt mit Barmusik und Bergquists bewegender Stimme. -Professional Daydreamer- kommt dann schon eher wie ein Musicalstück oder eine Filmmusik daher. Das geht ganz schnell in die Gehörgänge hinein, aber nur schwer wieder hinaus. -Suitcase- verströmt ein ruhiges Balladenfeeling, bei dem man sich entspannt zurücklehnen kann.
"Over the Rhine" ist mal wieder so ein Kandidat von Band, die in den Staaten mit Stars wie Bob Dylan oder Ani Difranco auf der Bühne stehen und in Europa so gut wie unbekannt sind. Es wäre schön, wenn sich das ändert. Wer weiß, vielleicht muss man in diese Musik einfach nur einmal hineinhören...