Inhalt:
Die Handlung von "Offenbarung" schließt direkt an "Die Arche" an und ist damit der dritte (wenn man "Chasm City" mit rechnet vierte) und zugleich letzte Teil von Reynolds Zukunftssaga.
Wir erfahren, wie es der Besatzung des Lichtschiffs "Sehnsucht nach Unendlichkeit" nach ihrer Flucht vor den "Unterdrückern" aus dem inzwischen zerstörten Resurgam System ergangen ist. Auf dem weit abseits gelegenen Planeten Ararat haben sie mit den über 150.000 geretteten Menschen in wenigen Jahren eine neue Heimat errichtet. Die Unterdrücker, Maschinenwesen die seit milliarden Jahren darauf lauern, aufkeimendes intelligentes Leben zu vernichten, haben inzwischen ihr apokalyptisches Werk auf viele bewohnte Planeten ausgeweitet und bedrohen nun auch die Fluchtstätte Ararat.
Im dramatischen Kampf um Ararat begegnen wir lieb gewonnenen Protagonisten wie dem Hyperschwein Scorpio, den Synthetikern Skade, Remontoire und Clavain und auch Ana Khouri wieder.
Dank Ana Khouris Tochter Aura, die schon als Säugling über geheimnisvolles Wissen alter Kulturen verfügt und über Synthetiker Implantate kommuniziert, gelingt es einige Waffen gegen die Unterdrücker zu entwickeln, die zumindest die Flucht ermöglichen.
Ziel dieser Odyssey ist der Mond Hela, der um den geheimnisvollen Planeten Haldora kreist. Der Einsmond wird von verschiedenen Sekten bevölkert, welche unentwegt den Planet Haldora beobachten, der sporadischen für Sekundenbruchteile aufhört zu existieren. Sie sehen im Wunder von Haldora das Wirken Gottes und erwarten in naher Zukunft "das Ende".
Laut Auras Visionen, muss die Besatzung der "Sehnsucht nach Unendlichkeit" dorthin, um mit den "Schatten" zu verhandeln. Sind sie möglicherweise Verbündete im Kampf mit den Unterdrückern?
Kommentar:
Zunächst einmal eine Warnung: Ohne Kenntnis der Vorgeschichte ist "Offenbarung" ein Buch mit sieben Siegeln. Wer die vorhergehenden Bände gelesen hat, findet sich jedoch schnell wieder zurecht und verkraftet auch die zwei unterschiedlichen Erzählstränge, die wie von Reynolds schon gewohnt, auch noch in unterschiedlichen Zeiten spielen, um sich im Finale schließlich zu vereinigen. Das gelingt ihm in "Offenbarung" bisher am besten.
Leider kann man Gleiches nicht über die Akteure und den Erzählstil sagen. Gegenüber „Die Arche" sind die bisher bekannten Figuren geradezu verblasst, lediglich Rachminka (einem Mädchen auf Hela) wird erzählerisch angemessen Leben eingehaucht. Wie schon gewohnt, läuft Reynolds nur dann zur Hochform auf, wenn es um Physik (Hier: Quanten und String-Theorie) geht.
In keinem der bisherigen Bände waren die Anleihen an andere Science Fiction Werke so deutlich zu erkennen, wie in "Offenbarung". Wer "Endymion" von Dan Simmons gelesen hat, dürfte deutliche Parallelen (Aura-Aenea, Kirche) entdecken. Allerdings kann sich Reynolds auf keiner der 943 Seiten mit Dan Simmons messen.
Die Story ist langatmig und nach 800 Seiten fragt man sich, wie Reynolds jetzt noch die Kurve kriegen will, um alle offenen Enden zu verknüpfen und die brennenden Fragen nach Unterdrückern und Schatten zu beantworten. Ohne zu viel zu verraten: Es gelingt ihm nicht!
Das Finale verpufft und hinterlässt den Leser desorientiert und schwer enttäuscht. Auf den letzten paar Seiten zieht Reynolds noch "Nestbauer" und "Blattläuse" als Joker aus dem Ärmel, um sich vor einem vernünftigen Abschluss zu drücken.
Fazit: Hätte ich gewusst, welch schwaches Ende mich erwartet, hätte ich mir die 2.500 Seiten der ganzen Serie erspart!