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Kommentar:
Zunächst einmal eine Warnung: Ohne Kenntnis der Vorgeschichte ist "Offenbarung" ein Buch mit sieben Siegeln. Wer die vorhergehenden Bände gelesen hat, findet sich jedoch schnell wieder zurecht und verkraftet auch die zwei unterschiedlichen Erzählstränge, die wie von Reynolds schon gewohnt, auch noch in unterschiedlichen Zeiten spielen, um sich im Finale schließlich zu vereinigen. Das gelingt ihm in "Offenbarung" bisher am besten.
Leider kann man Gleiches nicht über die Akteure und den Erzählstil sagen. Gegenüber „Die Arche" sind die bisher bekannten Figuren geradezu verblasst, lediglich Rachminka (einem Mädchen auf Hela) wird erzählerisch angemessen Leben eingehaucht. Wie schon gewohnt, läuft Reynolds nur dann zur Hochform auf, wenn es um Physik (Hier: Quanten und String-Theorie) geht.
In keinem der bisherigen Bände waren die Anleihen an andere Science Fiction Werke so deutlich zu erkennen, wie in "Offenbarung". Wer "Endymion" von Dan Simmons gelesen hat, dürfte deutliche Parallelen (Aura-Aenea, Kirche) entdecken. Allerdings kann sich Reynolds auf keiner der 943 Seiten mit Dan Simmons messen.
Die Story ist langatmig und nach 800 Seiten fragt man sich, wie Reynolds jetzt noch die Kurve kriegen will, um alle offenen Enden zu verknüpfen und die brennenden Fragen nach Unterdrückern und Schatten zu beantworten. Ohne zu viel zu verraten: Es gelingt ihm nicht!
Das Finale verpufft und hinterlässt den Leser desorientiert und schwer enttäuscht. Auf den letzten paar Seiten zieht Reynolds noch "Nestbauer" und "Blattläuse" als Joker aus dem Ärmel, um sich vor einem vernünftigen Abschluss zu drücken.
Fazit: Hätte ich gewusst, welch schwaches Ende mich erwartet, hätte ich mir die 2.500 Seiten der ganzen Serie erspart!
Nach den grandiosen ersten beiden Teilen der Trilogie ist der Abschluss etwas enttäuschend. Man hat schon den Eindruck, der Autor habe das Interesse an der Story nach all den Jahren verloren, verfolge jetzt andere Interessen und entledige sich einer ungeliebten Verpflichtung. Am Ende ist es wie in schlechten Krimis, in denen plötzlich ein ganz neuer, unbekannter Charakter "der Mörder" ist. Die Story wird überhastet und unbefriedigend zu Ende gebracht. Die wichtigsten Fragen bleiben leider offen. Schade. Das Ganze fing wirklich sensationell an. Irgendwo schreibt Reynolds, manche Geschichten wucherten so stark, dass sie nicht mehr erzählt werden könnten. Hier ist ein Beispiel.
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